Benzinabgabe durch THW an Feuerwehr

Dienststunden-Rekord beim THW wegen Hochwasser- und Corona-Hilfe

Stand: 16.12.2021 17:29 Uhr

Brände, Hochwasser- und Katastrophengebiete – das sind typische Einsatzorte für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Technischen Hilfswerks (THW). Der wohl prägendste Einsatz in diesem Jahr war jener im Hochwassergebiet im Ahrtal.

von Melanie Jaster, NDR 1 Radio MV

Drei Schwerpunkte haben die Arbeit der Kameraden des THW Mecklenburg-Vorpommerns in diesem Jahr ganz besonders geprägt: ein schwerer Brand in der Rostocker Innenstadt, die Corona-Pandemie und die Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Hinzu kamen jede Menge Ausbildungsstunden, sodass das THW insgesamt 215.000 Dienststunden in Mecklenburg-Vorpommern zählt. Das waren deutlich mehr als in den Vorjahren.

Prägender Einsatz im Hochwassergebiet

Seit 25 Jahren engagiert sich Christoph Kühl ehrenamtlich im THW. Diesen Sommer war auch er im Ahrtal im Einsatz, nur wenige Tage nach der Hochwasserkatastrophe. "Ich selber war im Bereitstellungsraum am Nürburgring, wo wir den Helfern vor Ort die Möglichkeit geben zu übernachten und dafür sorgen, dass sie verpflegt werden, sodass sie die wenigen Stunden, die sie frei haben, sich nicht noch um irgendwas kümmern brauchen.“ Vor Ort hat er außerdem eine psychosoziale Betreuung organisiert, damit die Helfenden mit jemandem über ihre Erlebnisse sprechen können und dabei professionell begleitet werden. Zehn Tage lang hat Kühl jeweils zwölf Stunden pro Tag gearbeitet - freiwillig und neben seinem Vollzeit-Job im Büro.

Vollkommen zerstörte Infrastruktur im Ahrtal

Kühl und seine Kameraden haben vor Ort eine vollkommen zerstörte Infrastruktur vorgefunden. Das hat sie vor viele Probleme gestellt. "Wir haben fünf- bis sechstausend Helfer verpflegt", berichtet Kühl. "Da kommt eine Menge Müll in der Küche zusammen, Lebensmittelreste und so weiter. Aber wohin damit? Es gab keine vernünftige Müllabfuhr." Tagelang mussten er und seine Kameraden also improvisieren. "Die Container quollen über. Und dann haben wir Bretter drauf gelegt, mit fünf Mann oder dem Radlader das Ganze runtergedrückt. Das ist ja auch wichtig, damit keine Ratten kommen oder ähnliches. Das waren so Sachen, wo man dann immer denkt: Damit hattest du noch nie was zu tun, denn Müllabfuhr hat immer funktioniert, Strom hat immer funktioniert.“ Übernachtet haben Kühl und die anderen Freiwilligen vor Ort in Zelten.

"Ich habe fast alles verloren"

Während des Einsatzes in Bad Neuenahr-Ahrweiler haben die Rostocker THW-Mitglieder Moritz Poser vom dortigen Ortsverband kennengelernt. Poser hat als Ehrenamtler bei den Bergungs- und Aufräumarbeiten geholfen. Er hatte selbst so gut wie alles in den Fluten verloren. Das Schicksal des 25-Jährigen hat die Rostocker bewegt, sie sind seitdem in Kontakt geblieben. "So, wie es war, wird es nie mehr sein", beschreibt Poser bei einem Telefonat die Situation. "Das Wasser war so aggressiv, es hat sich überall rein gedrückt, in jede kleine Ritze. Und es muss wirklich alles auseinandergenommen werden. Man hat halt wirklich mit viel Liebe das Eigenheim renoviert – und das ist jetzt auch verloren.“ Noch immer seien viele Gebäude und ein Großteil der Infrastruktur zerstört, die Aufbauarbeiten dauern an. Poser schätzt, dass es mindestens fünf bis zehn Jahre dauern wird, bis in seiner Heimat wieder so etwas wie Normalität einkehren wird.

Corona-Tests für Schulen und ein Brand in Rostock

Neben dem Einsatz im Hochwassergebiet gab es ein weiteres großes Thema, das die 18 THW-Ortsverbände in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr beschäftigt hat: die Corona-Pandemie. "Wir haben etwa fünf Millionen Corona-Tests an Schulen und Kitas verteilt", bilanziert Christian Heidt, der hauptamtlich in der Regionalstelle Schwerin arbeitet. Federführend sei dabei der Ortsverband Ludwigslust-Parchim gewesen, der im Bereich Logistik landesweit die höchste Kompetenz innerhalb des THW habe. Einen dritten, das THW-Jahr prägenden Einsatz absolvierten die Ehrenamtler im Mai. In Rostock am Doberaner Platz war ein Akku-Geschäft in Brand geraten. Etwa 50 Einsatzkräfte bewahrten daraufhin das betroffene Gebäude mit einer Holz-Konstruktion vor dem Einsturz. Diese Einsätze - plus zusätzliche Stunden für Ausbildung und Übung - haben die Kameraden in diesem Jahr zu ihrem Dienststunden-Rekord gebracht.

100 neue Ehrenamtler dieses Jahr

Mehr als 100 neue Ehrenamtliche haben sich in diesem Jahr in den Ortsverbänden in Mecklenburg-Vorpommern angemeldet, 1.375 sind es jetzt insgesamt. Eine von ihnen ist Emily Schmidt. Die Sonderpädagogik-Studentin macht gerade ihre Grundausbildung beim Ortsverband Rostock. "Einerseits hatte ich den Willen, mich ehrenamtlich zu engagieren und meine freie Zeit sinnvoll zu nutzen", sagt sie. "Gerade in diesem Jahr, wo es ja wirklich schwere Unglücke gab, hab' ich dann gedacht: Warum versuche ich es nicht mal selber?"

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.12.2021 | 15:00 Uhr

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