Stand: 21.03.2019 11:02 Uhr

Von der Quelle ins Glas - der Weg des Wassers

Max Fuhrmann, NDR 1 Radio MV

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Das Trinkwasser für Rostocker Haushalte stammt aus dem Oberflächenwasser der Warnow.

Das Trinkwasser kommt in vielen Gegenden aus Tiefenbrunnen. Anders in Rostock: Die Einwohner der Hansestadt werden mit Oberflächenwasser versorgt, das aus der Warnow stammt. Der Fluss hat eine Länge von etwa 150 Kilometern. Er fließt durch ein Einzugsgebiet mit einer Fläche von 3.200 Quadratkilometern, es ist größer als das Saarland. Ihren Ursprung hat die Warnow etwa 30 Kilometer östlich von Schwerin im kleinen Dorf Grebbin. Von Dort geht die Reise über Crivitz, Schwerin, nach Sternberg, Bützow, Schwaan - bis der Fluss schließlich in Rostock ankommt. Dort wird das Warnowwasser durch einen Kanal zum Pumpwerk, der sogenannten Rohwasserentnahmestelle, geleitet und kommt in das System des Wasserwerks Rostock.

Buntes Treiben in der trüben Brühe

Die Warnow läuft im letzten Drittel ihres Weges durch ein niedermoorähnliches Gebiet. Dadurch ist im Wasser alles andere als "nur" Wasser. Wie man sich vorstellen kann - und wie man es auch von dem einen oder anderen Badeausflug kennt, ist Flusswasser in den seltensten Fällen glasklar. Millionen an Mikroorganismen, organische Schwebteilchen und Keime befinden sich im Warnowwasser. Thomas Panwitt, Leiter des Wasserwerkes Rostock, ist da eindeutig: "Lieber nicht trinken. Dafür ist man schließlich Wasserwerker." Um das Wasser zu einem der am besten kontrollierten Lebensmittel zu machen, ist noch einiges zu tun. Zunächst geht es über lange Rohre in die sogenannte Vorozonung.

Umweltschonende Vorbehandlung mit Ozon

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Bei der Reinigung des Warnow-Wassers wird auf Chlor verzichtet. Im Rostocker Wasserwerk setzt man stattdessen auf die Behandlung mit Ozon.

In Rostock wird seit 1995 Ozon zur Reinigung des Wassers eingesetzt. Der Vorteil bei der Vorbehandlung mit Ozon ist, dass sich schon gewisse Stoffe lösen und vor allem lange Kohlenstoffverbindungen zerkleinert werden. Das hilft bei der weiteren Reinigung und spart Energie. Das Ozon ist ein extrem aggressives Gas und auch für uns Menschen absolut tödlich. Allerdings wird durch den Einsatz von Ozon auf bis zu 80 Prozent des sonst notwendigen Chlors verzichtet. Diese Art der Reinigung ist nicht nur nachhaltig, sondern auch umweltschonend, da das Ozon nach der Verwendung wieder in Wasser und Sauerstoff umgewandelt wird.

Kristallförmige Partikel binden Schwebstoffe

Nach der ersten Ozonbehandlung ist das Wasser immer noch voll mit Millionen Partikeln. Daher werden dem Wasser in der sogenannten Flockungsanlage ebenfalls Millionen an Bindepartikel zugegeben, die sogenannten Flocken. Tatsächlich sehen sie aus wie kleine Schneekristalle. An diesen bindet sich ein Großteil der Schwebstoffe. Die Geschwindigkeit des Wassers wird im gleichen Augenblick verlangsamt, sodass die immer schwerer werdenden Flocken am Boden der Becken von Filterplatten aufgefangen werden.

Reinigung nach dem Vorbild der Natur

Im Wasserwerk wird simuliert, was bei Quellwasser natürlich passiert: die Reinigung durch Sedimentschichten. Dafür wird das Wasser durch mehrere Sandfilter geleitet, um dann zur Hauptozonung gepumpt zu werden. Dort bekommt das Wasser dann die volle Dosis Ozon ab. An diesem Punkt der Reinigung befinden sich immer noch Kleinstteilchen im schon trinkbaren Wasser. Diese Teilchen sind für den Menschen nicht schädlich, können aber das Wasser färben. Auch Geschmack und Geruch des Wassers entsprechen noch nicht den Ansprüchen der Konsumenten. Der Tee soll schließlich nach Tee und nicht nach Warnow schmecken. Dafür wird das saubere Wasser erneut durch Filter geleitet: aktivkohlefilter aus nachhaltiger Holzkohle.

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Dieses Thema im Programm:

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