Stand: 10.01.2020 05:20 Uhr

Rügen: Riesen-Findling ist "Nationales Geotop"

Der Findling Buskam in der Ostsee vor Göhren © Kurverwaltung Ostseebad Göhren/Alexander Stein Foto: Kurverwaltung Ostseebad Göhren/Alexander Stein
Nur ein kleiner Teil des Findlings vor Rügen ragt aus dem Wasser.

Der rund 300 Meter vor der Ostküste Rügens bei Göhren liegende Findling Buskam ist zum "Nationalen Geotop" erklärt worden. Das Prädikat wurde Norddeutschlands größtem Findling auf Vorschlag der Staatlichen Geologischen Dienste von der Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologie in Hannover verliehen. "Dass unser Buskam aufgrund seiner Größe etwas Besonderes ist, war uns durchaus bewusst. Dass er sogar der größte Findling Norddeutschlands ist, wird uns nun durch diese Auszeichnung offiziell bestätigt", teilte Göhrens Kurdirektor Jörn Fenske mit.

Verwechslung auf den ersten Blick: Vermeintliche Walsichtungen

Trotz seiner imposanten Größe erkennt man den steinernen Giganten zuweilen erst auf den zweiten Blick, denn der Buskam liegt auf dem Ostseegrund und ragt lediglich anderthalb Meter aus dem Wasser heraus. Deshalb wird er nach Angaben der Kurverwaltung von Touristen immer wieder für einen Wal gehalten. Laut aktuellen Vermessungen ist der Findling acht Meter hoch, hat einen Umfang von 40 Metern und wiegt rund 550 Tonnen. Das Volumen des Steins aus Hammer-Granit wird mit gut 300 Kubikmetern angegeben.

"Gottesstein" als bronzezeitliche Kultstätte

Ursprünglich stammte der Findling mutmaßlich von der Insel Bornholm. Der Name Buskam soll nach Angaben der Kurverwaltung auf das Altslawische "bogis kamien" zurückgehen, was soviel wie "Gottesstein" bedeute. Schon in der Bronzezeit - damals aber noch an Land - sei der Stein als Kultstätte benutzt worden. Darauf deuteten kleine Aushöhlungen an der Oberfläche.

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Hochzeitstänze auf dem Findling bis ins 20. Jahrhundert

Im 19. und 20. Jahrhundert ist es der Überlieferung nach Brauch gewesen, dass Hochzeitsgesellschaften in Booten zu dem Stein übersetzten, um den Hochzeitstanz zu tanzen. Heutzutage wird der Findling kaum noch von Menschen aufgesucht. Wegen gefährlicher Strömungen und seiner schwer einzuschätzenden Maße unterhalb der Wasseroberfläche ist das auch nicht ratsam. Bei Wasservögeln, insbesondere Kormoranen, ist er als Rastplatz aber sehr beliebt.

77 "Nationale Geotope" in ganz Deutschland

Das Prädikat "Nationales Geotop" geht auf einen Wettbewerb der Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien in Hannover aus dem Jahr 2004 zurück. Zweck war es, bedeutende Geotope in Deutschland zu erfassen und mögliche Kandidaten für die Aufnahme ins UNESCO-Welterbe zu identifizieren. Ein wesentliches gefragtes Kriterium ist die "außergewöhnliche natürliche Ausprägung" des Geotops. Weitere Nationale Geotope in Mecklenburg-Vorpommern sind die Feldberger Seen, die Nordspitze des Darß und die Kreideküste von Jasmund auf Rügen. In ganz Deutschland gibt es 77 ausgezeichnete Geotope.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Frühaufsteher | 10.01.2020 | 07:10 Uhr

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