.

Der Hering kommt - doch die Fischer bleiben zu Hause

Stand: 15.03.2021 11:53 Uhr

Die Fischerei an der Ostseeküste befindet sich nach Einschätzung von Experten in der größten Krise seit der Wiedervereinigung. Eigentlich ist der März einer der fangreichsten Monate, doch die Berufsfischer in Vorpommern fahren nicht hinaus. Der Hauptgrund sind die niedrigen Fangquoten.

Eine veränderte Vermarktungsstrategie für den Hering, die Kegelrobben im Bodden, die sich an den Stellnetzen schadlos halten und vor allem die gekürzten Fangquoten. Die Berufsfischer in Vorpommern bleiben in diesem Jahr lieber mit ihren Kuttern im Hafen, anstatt Heringe zu fangen. Und das, obwohl der März eigentlich immer einer der fangreichsten Monate war. Dieses Jahr dürfen in der gesamten westlichen Ostsee nur noch gut 1.500 Tonnen Hering gefangen werden. Vor 20 Jahren war die erlaubte Fangmenge fast 20-Mal so hoch.

Berufsfischer: Geringe Fangmenge ist ein "Witz"

Wenn man die verbliebenen Tonnen Hering auf die Fischer aufteile, sei das, was für den einzelnen Fischer übrig bleibe, ein "Witz", heißt es vom Landesverband der Kutter- und Küstenfischer. Die geringe Quote werde an wenigen Tagen abgefischt. Die Berufsfischer überlegten sich ganz genau, wann sie aufs Meer hinausfahren - und wohin. Denn neben den Quoten schmälerten auch die Kegelrobben die Ausbeute. Ein Ziel sei es zudem, regelmäßig kleine Mengen Hering anzulanden und diesen regional zu vermarkten.

Freester Fischer verloren langjährigen Abnehmer

Die neue Vermarktungsstrategie hat mit der Kundenstruktur zu tun, heißt es weiter. So hat die Fischereigenossenschaft Freest beispielsweise ihren langjährigen dänischen Kunden verloren, da sie nicht mehr ausreichend Hering verkaufen konnte. Der Abnehmer hatte vor allem den Rogen vom Hering verarbeitet. Daher haben die Fischer früher immer gewartet, bis der Rogen im Hering reif war. Das war in der Regel im März. Jetzt ist es egal, wann sie den Hering fangen.

Einige wollen erst im Herbst zum Heringsfang auf die Ostsee fahren

Deshalb sagen einige Fischer, dass sie im Herbst rausfahren wollen. Andere haben sich einen Zweitjob gesucht, um über die Runden zu kommen. Bei diesen hängt es davon ab, wann sie Zeit zum Fischen haben. Zwei bis drei Fischer hätten ihr Glück bereits versucht, hieß es weiter. Allerdings hätten sie es im Greifswalder Bodden gerade sehr schwer, weil sie dort mit den Kegelrobben um den Hering konkurrierten.

Weitere Informationen
Heringe schwimmen in der Ostsee © picture-alliance Foto: Wolfram Steinberg

Ostsee: Wie der Klimawandel dem Hering zusetzt

Wissenschaftler sehen mit Sorge auf den Hering in der Ostsee: Immer weniger Jungfische wachsen im Greifswalder Bodden auf - Grund sei offenbar die Erwärmung des Wassers. mehr

Ein Fischer fährt am 21.03.2014 mit vollen Stellnetzen mit Hering über den Greifswalder-Bodden zurück zum Hafen in Greifswald-Wiek (Mecklenburg-Vorpommern). © dpa Bildfunk Foto: Christian Charisius

Ostseefischerei kämpft mit den Fangquoten

Landwirtschaftsminister Backhaus sieht die Fischerei im Land vor erheblichen strukturellen Veränderungen. Grund dafür ist seiner Ansicht nach die geplante Fangquotenkürzung. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 15.03.2021 | 13:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Die Innenstadt von Schwerin ist wie ausgestorben © NDR Foto: Henning Strüber

Geimpft oder genesen: Die aktuellen Corona-Regeln in MV

Alles, was Sie über die geltenden Corona-Einschränkungen in Mecklenburg-Vorpommern wissen müssen. mehr