Stand: 10.02.2020 17:05 Uhr

Der Brot-Erfinder von Grambin

Bäcker Jörg Reichau aus Grambin vor seiner Brotauswahl
Bäckermeister Jörg Reichau aus Grambin hat für seine Brotkreationen schon viele Preise bekommen.

Bäckermeister Jörg Reichau aus Grambin bei Ueckermünde weiß, was seine Kunden wollen: Besondere Backwaren nach alter Tradition hergestellt. Der Mann versteht sein Handwerk, immerhin führt er seinen Familienbetrieb seit über 20 Jahren und schon in der vierten Generation. Und experimentierfreudig ist er außerdem. Seine jüngste Idee: Ein nahezu glutenfreies und kohlehydratarmes Brot.

Brot ganz ohne Mehl und Hefe

Der Grambiner "Hamster" ist ein Brot ganz ohne Mehl und Hefe gebacken, dafür aber mit neun verschiedenen Saaten. Dazu gehören Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Sesam, Leinsaat, Gerstenflocken, gemalzte Roggenflocken, Backerbsen und Amaranth – zum Teil selbst geröstet - und mit Bio-Apfelessig geschmacklich abgerundet. Flohsamenschalen werden als Bindemittel verwendet: "Wir haben so lange getüftelt, bis wir auch weiche Masse hatten, damit das Brot nach dem Backen nicht wieder auseinanderfällt, das ist gar nicht so einfach", so der engagierte Bäckermeister.

Kooperation mit der Hochschule Neubrandenburg

Reichau hat sich außerdem mit dem lebensmittelwissenschaftlichen Fachbereich der Hochschule Neubrandenburg zusammengetan, um seine neuen Brotsorten zu entwickeln. Dort wird regelmäßig professionell untersucht, ob die Chemie zwischen den Zutaten stimmt: "Wir schicken neue Rezepturen immer zur Prüfung ins Labor", betont Jörg Reichau.

Brot-Präsentation auf der Grünen Woche in Berlin

Sein "Hamster" hat den Test schon bestanden, daher präsentierte der Grambiner sein Backwerk kürzlich sogar in Berlin auf der Grünen Woche. Und die Messebesucher waren begeistert, allen voran Mecklenburg-Vorpommers Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD), der auch davon probierte. Ganz billig sind Reichaus Produkte allerdings nicht: Anders als bei Supermarktware üblich, ruhen die Teige in der Grambiner Backstube 24 bis 26 Stunden. Sie sind teurer, weil ihre Herstellung mehr Zeit braucht. Dafür halten sie aber auch länger. Der körnerreiche "Hamster" beispielsweise bleibt bis zu sieben Tage frisch.

Firmennachfolge ist gesichert

Die Messe in Berlin hat den kreativen Bäcker übrigens schon wieder zu einer Neuentwicklung inspiriert: Er hat eine Tüte mit grassgrünem Hanfmehl mitgebracht. Vielleicht entstehen daraus demnächst grüne Brötchen. Sicher ist jedenfalls, dass das Geschäft auch weiterhin in der Familie bleiben wird. Tochter Nicole hat ihre Meisterprüfung bereits bestanden und tüftelt eifrig mit, wenn es um neue Ideen für das Produktsortiment geht. Die Grambiner können sich also auch in Zukunft auf eine abwechslungsreiche Auslage in ihrer heimatlichen Bäckerei freuen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.02.2020 | 17:05 Uhr

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