Stand: 20.09.2020 16:23 Uhr

Demminer Kirchgemeinde ist Teil der Nagelkreuzbewegung

John Witcombe (M), Dekan der Kathedrale von Coventry in Großbritannien, übergibt im Rahmen eines Festgottesdienstes in der St. Bartholomaei-Kirche dem Pastor Norbert Raasch (hinten) das Nagelkreuzes der Kathedrale von Coventry in Großbritannien. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer
John Witcombe (M), Dekan der Kathedrale von Coventry in Großbritannien, übergab das Nagelkreuz in der St. Bartholomaei-Kirche in Demmin.

Mit der Übergabe eines Nagelkreuzes ist die evangelische Kirchengemeinde in Demmin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) Mitglied in der internationalen Nagelkreuzbewegung geworden. Während eines Gottesdienstes in der St.-Bartholomaei-Kirche übergab John Witcombe, der Dekan der Kathedrale im englischen Coventry, das Nagelkreuz als Symbol der Bewegung. Damit ist Demmin eines von über 230 Nagelkreuzzentren weltweit. Im Nordosten gehören Rostock, Zinnowitz und Stralsund dazu.

Aufarbeitung des Massensuizids von 1945 gewürdigt

Mit der Aufnahme wird die jahrelange Aufarbeitung des Massensuizids von 1945 in der Gemeinde gewürdigt. Im Stadtgebiet war es am Kriegsende 1945 zu einem der größten Massensuizide in Deutschland gekommen. Geschätzt rund 1.000 Menschen - darunter zahlreiche Frauen und Kinder - gingen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen während der Besetzung durch die Rote Armee freiwillig in den Tod. In der DDR-Zeit war das Gedenken daran untersagt.

Pastor: "Menschen brauchen konkrete Idee"

"Man kann viel über Versöhnung reden und lange darüber schreiben, aber letztlich brauchen die Menschen eine konkrete Idee. Und jetzt gibt es dieses Symbol und man kann es anfassen", sagte Pastor Karsten Wolkenhauer. Seit 1990 widmen sich Kirchengemeinden diesem Thema. 2020 entstand als Zeichen dafür ein überdimensionales Trauertuch, das in der St. Bartholomaei-Kirche - der Hauptkirche in Demmin - hängt.

Nach deutschen Luftangriffen auf Coventry gegründet

Die Internationale Nagelkreuzgemeinschaft ist ein Netzwerk für Frieden und Versöhnung. Es geht auf den Dompropst im englischen Coventry von 1940 zurück. Dieser hatte nach der Zerstörung bei deutschen Luftangriffen dazu aufgerufen, keine Rache zu üben, sondern sich für Versöhnung einzusetzen. Symbol wurde das Nagelkreuz, das aus drei Zimmermannsnägeln der zerstörten Kirche in Coventry geformt wurde.

Weitere Informationen
Brigitte Roßow aus Demmin als Kind mit ihren Eltern, ihrem großen Bruder Winfried und der kleinen Schwester Sigrun. © Privatbesitz Birgit Roßow

Massensuizid in Demmin: "Wir wollten noch leben!"

Die letzten Zeitzeugen waren noch Kinder. So wie Brigitte Roßow. 1945 war sie zehn Jahre alt und überlebte in den letzten Kriegstagen eine fürchterliche Tragödie: den beispiellosen Massenselbstmord in Demmin. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.09.2020 | 14:00 Uhr

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