Stand: 18.06.2018 11:09 Uhr

Das wird die neue Fahrbahn der A20 bei Tribsees

Dort, wo sonst täglich Tausende Autos lang sausen, hat sich ein riesiges Loch aufgetan: Die A20 bei Tribsees (Landkreis Vorpommern-Rügen) bricht am 9. Oktober 2017 auf etwa 40 Metern Länge und zehn Metern Breite in die Tiefe. Zwischen Rostock und Greifswald ist die Fahrtrichtung gen Westen damit zerstört. Die "Ostseeautobahn" verbindet Hamburg, Lübeck und Rostock mit Rügen, Greifswald und Neubrandenburg. Bei Tribsees führte sie auf einem Damm über einen moorigen Untergrund und ruhte auf in den Boden getriebenen Säulen.

Autobahn 20: Wenn eine Straße im Boden versinkt

Beide Fahrbahnen stürzen ein und werden gesperrt

Ende Oktober wird das Teilstück zwischen Tribsees und Bad Sülze sogar in beide Richtungen gesperrt. Eine richtige Entscheidung, wie sich zeigt. Denn bis zum Februar 2018 hat sich das Autobahn-Loch auf 95 Meter vergrößert. Und schließlich sackt auch die Fahrbahn in die östliche Richtung ein. Schnell muss eine Lösung her, denn die eingerichteten Umleitungen durch kleine Dörfer belasten die Anwohner.

Behelfsbrücke besteht aus 232 Pfählen

Im April beginnen die Baumaßnahmen für eine Behelfsbrücke. Zunächst werden die kaputten Fahrbahnteile geborgen. Anschießend wird die Autobahn auf einer Länge von 800 Metern komplett zurückgebaut. Es bleibt ein Sandweg.

Doch der moorige Boden bereitet den Planern Sorgen, da die Baugeräte festen Untergrund brauchen. Für sie wird daher eine 12.500 Quadratmeter große stabile Arbeitsebene aus einer 50 Zentimeter dicken Betonschicht errichtet. Von dort aus errichten die Bohrgeräte die Gründungsphäle. 232 von ihnen sollen am Ende in der Erde stecken - jeder 24 Meter lang. 8.000 Kubikmeter Beton werden dafür verarbeitet. Die sogenannte Gründung soll bis zum Herbst 2018 dauern.

Auf den Pfählen werden anschließend die Brückenfelder von bis zu 42 Tonnen befestigt. Ende 2018 soll die gemietete Behelfsbrücke fertiggestellt sein. Allein für diesen Bauabschnitt werden etwa 51 Millionen Euro veranschlagt. Ziel ist es, dass der Verkehr noch in diesem Jahr wieder auf einer Spur pro Richtung über die Autobahn rollt.

Erst 2021 wieder voll befahrbar

Die Gründung der Behelfsbrücke soll auch für den Bau der endgültigen Brücke genutzt werden, die den mittlerweile abgetragenen Damm ab Beginn der 2020er-Jahre dauerhaft ersetzen soll. Dafür wird zunächst eine Fahrbahn errichtet und für beide Richtungen genutzt. Anschließend wird die Behelfsbrücke abgebaut und auch die zweite Fahrbahn der endgültigen Brücke errichtet.

Vollständig, vierspurig befahrbar sein soll die A20 erst frühestens 2021 wieder. Laut Verkehrsministerium in Schwerin sollen die Bauarbeiten insgesamt etwa 150 Millionen Euro betragen.

A20 - die Pannenautobahn?

Die A20 ist mit 324 Kilometern der längste deutsche Autobahnneubau seit 1945 und gilt als Hauptverkehrsader im Nordosten. Sie führt von Bad Segeberg in Schleswig-Holstein bis zum Autobahndreieck Kreuz Uckermark. Die A20 wurde ab 1992 gebaut; sie wird noch erweitert in Richtung Westen. Kritiker verspotten sie auch als "Pannenautobahn": 2005 entpuppte sich ein Teilstück als Krachmacher. 2007 bildeten sich Blasen auf der Strecke. 2009 sackte die Fahrbahn zwischen Lübeck und Wismar um 30 Zentimeter ab. 2012 riss die Fahrbahn zwischen Grevesmühlen und Schönberg auf.

Weitere Informationen
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Video: Landesregierung zeigt Neubau für A 20

Das Video der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern zeigt, wie das Teilstück der A 20 bei Tribsees durch eine Brücke ersetzt werden soll. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.06.2018 | 16:00 Uhr

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