Stand: 28.02.2018 15:59 Uhr

DRK verspricht schärfere Anti-Korruptionsregeln

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Das Rote Kreuz präsentierte den Abgeordneten die Ergebnisse eines selbst in Auftrag gegebenen Untersuchungsberichts.

Der Landesgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Jan-Hendrik Hartlöhner, hatte schon einmal bessere Laune. Im Raum 260 im Schweriner Schloss sollte er vor den Abgeordneten des Sozialausschusses zu den Vorwürfen der Vetternwirtschaft in seinem Kreisverband Mecklenburgische Seenplatte Stellung nehmen - kein angenehmer Termin. Hartlöhner schien angespannt, eine Interview-Anfrage lehnte er schmallippig ab. "Ich sage Ihnen nichts". Der Chef-Rotkreuzler verwies stattdessen auf den dicken Untersuchungsbericht.

Stellungnahme hinter geschlossenen Türen

Den hatte das DRK bei der Kieler Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Trinavis eigens in Auftrag gegeben. Trinavis-Berater Knud Oelerking erläuterte den Abgeordneten das Papier hinter geschlossenen Türen und ohne Öffentlichkeit. Die Quintessenz: Es ist nichts dran an den Vorwürfen. Vorwürfe, die seit Wochen nach anonymen Hinweisen im Raum stehen: Spitzenvertreter des Verbandes sollen ihre Stellung genutzt haben, um Geschäfte mit dem DRK zu machen. Punkt für Punkt suchte Oelerking die Beschuldigungen zu entkräften. Allerdings: Der Untersuchungsbericht ist - aus Datenschutzgründen - nicht öffentlich, die Abgeordneten bekamen nur eine Kurzfassung.

DRK: An Vorwürfen ist nichts dran

Offiziell meldete sich der Sozialverband dann Stunden danach per Pressemitteilung. Die Vorwürfe hätten sich nicht bestätigt, hieß es da noch einmal, es habe keinen Verstoß gegen Recht und Gesetz gegeben, auch nicht gegen die Satzung des DRK. Der Verband kündigte dennoch Konsequenzen an: Künftig soll landesweit stärker auf die Einhaltung von Anti-Korruptionsvorschriften geachtet werden, das vorhandene Regelwerk werde überprüft und verbessert.

"Offene Fragen" und "Handlungsbedarf"

Für den Vorsitzenden des Sozialausschusses, Torsten Koplin (Die Linke), ist die Angelegenheit damit noch nicht beendet. Er sieht "offene Fragen" und "Handlungsbedarf". Zum Beispiel bei der Entlohnung der Mitarbeiter und der Bezahlung von Nachtzuschlägen, außerdem bei den Arbeitszeiten, die mit Sonderverträgen möglicherweise zu heftig ausfallen könnten und bei der Verbandsdemokratie - es gehe um die Frage von Betriebsräten beim DRK und seinen Einrichtungen, sagte Koplin.

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Drese hat für die nächsten Wochen eine Transparenz-Initiative angekündigt. Sie will die Verbände auch mit einer neuen Förderrichtlinie zu einem offenen Umgang mit ihren Finanzen drängen. Für ihren Schritt bekam sie Beifall bei der Linken: Wer öffentliche Gelder bekomme, der müsse auch öffentlich Rechenschaft ablegen, so der Ausschuss-Vorsitzende Koplin. Auch die CDU stellt sich hinter Dreses Vorschlag: "Dies ist der richtige Weg, um zum Teil verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen", so der Abgeordnete Sebastian Ehlers. Transparenz sei das Gebot der Stunde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.02.2018 | 17:00 Uhr

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