Crivitz: Ein Krankenauto fährt vom Gelände des Mediclin-Krankenhauses. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner/dpa

Crivitz: Land will Klinikkauf mit Millionen unterstützen

Stand: 17.11.2020 14:31 Uhr

Sechs Millionen Euro will das Land für den Kauf des Krankenhauses in Crivitz bereitstellen. Für viele Menschen entscheidend ist die Zukunft der Geburtshilfe.

Der Klinikbetreiber Mediclin hatte die Abteilung geschlossen, wie Ministerpräsidentin Schwesig in einer Pressekonferenz betonte, gegen getroffene Absprachen mit Land und Landkreis. Der Kreis Ludwigslust-Parchim will das Krankenhaus in Crivitz kaufen, einen entsprechenden Beschluss hatte der Kreistag im Juni gefasst. Noch aber ist der Vertrag nicht unterschrieben - die Finanzierung aber ist nun geklärt. "Es ist richtig, dass die kommunale Hand hier wieder Verantwortung übernimmt", erklärte die Ministerpräsidentin bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

Geburtshilfe als Modellprojekt mit Landeshilfe

Nach der Rekommunalisierung soll es wieder eine Geburtshilfe in Crivitz geben. Im Rahmen eines Modellprojektes wollen das Gesundheitsministerium und der Landkreis gemeinsam klären, wie die Geburtshilfe organisiert sein soll, welche Leistungen die Abteilung anbieten wird und wie der Betrieb vor allem in Sachen Personal sichergestellt werden kann. Wie Schwesig sagt, sei klar, dass das Land auch für dieses Modellprojekt Geld zur Verfügung stellen muss, es könne aber nicht die Aufgabe des Landes sein, defizitäre Klinikbereiche dauerhaft zu stützen. Das Land werde sich dafür einsetzen, dass für die Kinder- und Jugendmedizin und die Geburtshilfe die sogenannten Fallpauschalen nicht mehr Grundlage der Finanzierung sein sollen. Fallpauschalen sichern Ärzten und Krankenhäusern feste Summen pro Behandlungsfall und nicht nach Aufwand zu - Kritiker bemängeln, dass diese Summen in bestimmten Bereichen zu niedrig sind, um die Kosten der Kliniken zu decken.

Unterstützung per Nachtragshaushalt

Das Kabinett hat die Bereitstellung der Sechs-Millionen-Hilfe für den Landkreis gebilligt, bei Summen wie dieser ist allerdings ein Nachtragshaushalt fällig. Der muss vom Landtag beschlossen werden. Auf die Tagesordnung soll diese Ergänzung zum aktuellen Haushaltsplan des Landes voraussichtlich im Dezember. Landrat Stefan Sternberg (SPD) kündigte an, mit der Vertragsunterzeichnung noch zu warten. Die Genehmigung des Innenministeriums stehe noch aus. Sternberg bedankte sich ausdrücklich bei der Landesregierung, er kündigte einen, Zitat "harten Ritt" bei der Eingliederung des Krankenhauses in die Strukturen des Landkreises an. Der Kreis Ludwigslust-Parchim ist bereits zur Hälfte Eigentümer des Westmecklenburg-Klinikums "Helene von Bülow" mit Standorten in Ludwigslust und Hagenow - gemeinsam mit dem Stift Bethlehem.

Dank an die Bürgerinitiative

Auch vor der Entscheidung am Dienstag waren wieder Mitglieder einer Crivitzer Bürgerinitiative für den Erhalt der Geburtsstation auf die Straße gegangen - wie schon seit Monaten. Im Vorfeld der Kabinettssitzung hatten sie sich an der Staatskanzlei versammelt. Landrat Sternberg hatte sich in seinem Beitrag zur Pressekonferenz ausdrücklich bei der Bürgerinitiative für ihre Arbeit bedankt.

Klinikkonzern hat Krankenhaus schon abgeschrieben

Der Klinikkonzern Mediclin hat das Crivitzer Krankenhaus in seinem kürzlich veröffentlichten Geschäftsbericht übrigens schon abgeschrieben - als zu veräußerndes Vermögen mit einem Wert von 8,8 Millionen Euro und Schulden in Höhe von 2,7 Millionen Euro.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.11.2020 | 14:31 Uhr

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