Stand: 13.12.2019 12:46 Uhr

Crivitz: Landtag spricht sich einstimmig für Erhalt aus

Bürger protestieren in Crivitz gegen die Schließung der Geburtshilfe im Krankenhaus Crivitz. © ndr.de Foto: ndr.de
Seit Bekanntwerden der Schließungspläne finden fast täglich Mahnwachen und Demonstrationen für den Erhalt der Crivitzer Geburtsstation statt.

Der Landtag hat sich am Freitag einstimmig für den Erhalt der Geburts- Frauenheilkundestation in Crivitz ausgesprochen. Für die wegen Ärztemangels seit Juni geschlossenene Kinderstation in Parchim forderten die Abgeordneten aller Fraktionen eine neue Lösung. Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) wurde damit beauftragt, mit den Klinik-Konzernen neu zu verhandeln.

Glawe in Crivitz erwartet

Glawe (CDU) hatte angekündigt am Freitag in der Stadt selbst Rede und Antwort zu stehen. Eine Woche nachdem die Klinik-Chefs in Crivitz und Parchim angekündigt hatten, ihre Abteilungen für Geburtshilfe zu bündeln und Crivitz zu schließen, haben am Donnerstag rund 500 Menschen dagegen demonstriert. Glawe will unter anderem mit der Crivitzer Bürgermeisterin Britta Brusch-Gamm (parteilos) sprechen. Nachverhandlungen mit den Klinikbetreibern sind für kommenden Donnerstag angesetzt.

Gesundheitsexperte Barlen: Rekommunalisierung der Kliniken prüfen

Bereits zuvor hatte sich Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) Glawe beauftragt, alle rechtlichen Mittel gegenüber den Trägern zu prüfen. Krankenhäuser sollten eine breite gesundheitliche Versorgung auch in ländlichen Regionen anbieten. Die Gesundheit der Menschen sei kein Rosinenpicken, so Schwesig. Es müsse gelingen, zehn Ärzte zu finden. Die seien nötig, um die Abteilungen für Gynäkologie und Geburtshilfe in Parchim und in Crivitz erhalten zu können. Schwesig brachte in der Debatte auch eine Übernahme der Kliniken in kommunale Hand ins Spiel. Auch der Gesundheitsexperte der SPD, Julian Barlen, sprach sich für eine Rekommunalisierung der Krankenhäuser aus, sollten die Betreiber Mediclin und Asklepios bei ihrer "harten Linie" bleiben.

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Drohende Schließung ruft Emotionen hervor

Die angekündigte Schließung der Geburtenabteilung ist ein hochemotionales Thema in der Kleinstadt. Viele Crivitzerinnen haben in dem Krankenhaus entbunden. Eine Reporterin von NDR 1 Radio MV berichtete von Frauen mit Tränen in den Augen. Die Verbundenheit mit dem Krankenhaus sei enorm. Viele Demonstranten hätten die Hoffnung, dass das letzte Wort noch nicht gefallen sei und die Geburtenabteilung doch irgendwie erhalten bleibe, als Teil der Grundversorgung. Die Crivitzer Bürgermeisterin Britta Brusch-Gamm (CWG) sagte, sie sei begeistert zu erleben, dass so viele Menschen für den Erhalt der Geburtsstation kämpften.

Erstes Gespräch ohne Ergebnis

Vertreter der Staatskanzlei, der Kommune und des Landkreises trafen sich am Donnerstag mit den Klinik-Chefs zu einem ersten Gespräch in Crivitz, um sich für den Erhalt der Station für Frauenheilkunde und Geburtshilfe stark zu machen. "Die beiden Geschäftsführer haben uns zu verstehen gegeben, dass sie uns nicht einmal einen Aufschub gewähren können. Ich hoffe sehr auf das Gespräch, das mit Herrn Glawe stattfinden soll", sagte Brusch-Gamm.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.12.2019 | 12:00 Uhr

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