Stand: 16.06.2020 18:12 Uhr

Cramon plant Denkmal für Schriftsteller Uwe Johnson

Uwe Johnson gilt als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit - aufgewachsen in Anklam, Abitur in Güstrow, Studium unter anderem in Rostock. Und in der Kindheit zu Besuch bei seinem Onkel und seinem Cousin im Dörfchen Cramon bei Schwerin. Auf dessen Friedhof, wo sein Großvater begraben ist, soll künftig ein Denkmal an Uwe Johnson erinnern. Während Johnson viele der Orte in seinen Geschichten verschlüsselt hat, tauchen die Dörfer seiner Kindheit im Klartext auf. Im Hauptwerk Johnsons "Jahrestage" ist die Rede vom Cramoner See, von den Dörfern Drieberg und Cramon.

Gespielt, geangelt, Kühe gehütet

Bernd Dieter Johnson, Jahrgang 1941 und Cousin des Schriftstellers Uwe Johnson, steht vor der alten Pfarrscheune in Cramon. Die Bilder ihrer Kindheit hat er noch immer vor Augen. "Wir haben ja zusammen gespielt, geangelt, Kühe gehütet. Was so sein muss", berichtet er. Von der Pfarrscheune aus sind es nur zwei Minuten zu Fuß bis zu einem der Familiengräber auf dem so genannten Seefriedhof. Auf einem schmucklosen schwarzen Stein die Inschrift: Hier ruht in Gott Friedrich Johnson - Geboren 1871 - gestorben 1934. Er war der Großvater der beiden Cousins. Uwe war bei seinem Tod gerade zwei Monate alt. Bernd Dieter wurde sieben Jahre später geboren.

Cramon und Drieberg in der Weltliteratur

So waren es denn auch Hannelore Eggemann und ihre Tochter Andrea, die auf die Idee mit dem Denkmal für Uwe Johnson gekommen sind. Hannelore Eggemann engagiert sich seit Jahren für das Pfarrhof-Ensemble, ihre Tochter Andrea unterstützt sie dabei. Als die Zeit für das Grab des Johnson-Vorfahren abgelaufen war, haben sie von der Geschichte um Uwe Johnson und Cramon gehört. Immerhin seien Cramon und Drieberg durch die "Jahrestage" Gegenstand von Weltliteratur geworden, sagt Andrea Eggemann. Sie gründeten einen Förderverein, um Geld zu sammeln. Eine Büste von Uwe Johnson oder zumindest eine Bronze-Tafel soll bald an Johnson erinnern. Und vielleicht eine Veranstaltungsreihe. Lesungen - Gespräche von Experten.

War Klütz Vorbild für "Jericho"?

Bernd Dieter Johnson ist in Klütz (Kreis Nordwestmecklenburg) zuhause, wo die Leute aus einem alten Speicher ein Literaturhaus gemacht haben. Das trägt den Namen seines berühmten Verwandten Uwe Johnson. Dort suchten die Johnson-Forscher nach der friedlichen Revolution vor 30 Jahren die literarischen Orte des Dichters. Klütz gilt als der Ort, aus dem Uwe Johnson sein "Jerichow" gemacht hat - eine Kleinstadt, die präzise beschrieben immer wieder auftaucht in seinen Büchern. Ob er selbst je da war, darüber streiten die Experten. Doch wer Ferien verbracht hat am Cramoner See, der wird auch das 30 Kilometer entfernte Klütz gesehen haben, sagt Bernd Dieter Johnson. Uwe Johnson hat sein Mecklenburg im Alter von 20 Jahren verlassen. Leipzig, West-Berlin, Rom und New York waren einige Stationen seines Lebens. Gestorben ist er im Alter von 49 Jahren im englischen Exil. Dort ist auch sein Grab. Sein Cousin aber ist sich sicher: Eigentlich wollte Uwe Johnson am Cramoner See, an einem Ort seiner Kindheit, beerdigt werden.

Weitere Informationen
Ein Schild vor dem Uwe-Johnson-Literaturhaus in Klütz © NDR.de Foto: Henning Strüber

Ein Schriftsteller, sein Werk und sein Wirken

Welche Bedeutung hat das literarische Werk des Autors Uwe Johnson in der heutigen Zeit? 100 Wissenschaftler aus der ganzen Welt beraten in Rostock über den Nachlass des Schriftstellers. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.06.2020 | 19:00 Uhr

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