Stand: 11.03.2020 19:46 Uhr

Corona erreicht Bundestag: MV-Abgeordneter positiv getestet

Ein Arzt zeigt einen Abstrich für das Testverfahren auf das Virus SARS-CoV-2. © dpa-Bildfunk Foto: Sebastian Gollnow
Ein Reiserückkehrer aus der Österreich, der FDP-Politiker Hagen Reinhold, wurde in Berlin positiv auf das Coronavirus getestet. (Symbolbild)

Es gibt den ersten offiziellen Corona-Fall im Deutschen Bundestag. Betroffen ist der FDP-Abgeordnete Hagen Reinhold aus Barth (Landkreis Vorpommern-Rügen). Wie der 41-jährige gegenüber NDR 1 Radio MV bestätigt hat, wurde er positiv auf das Virus getestet. Reinhold hatte sich zuvor im Urlaub in Österreich aufgehalten. Nach seinen Angaben gehe es ihm gesundheitlich gut.

Rostock verbietet alle Veranstaltungen mit über 1.000 Teilnehmern

Die Hansestadt Rostock hat mit sofortiger Wirkung alle Veranstaltungen ab einer Personenzahl von 1.000 Teilnehmern untersagt. Dies gilt für alle öffentlichen und privaten Großveranstaltungen und Zusammenkünfte, wie die Stadtverwaltung am Mittwochnachmittag mitteilte. Zudem müssen alle privaten und öffentlichen Veranstaltungen mit einer Teilnehmerzahl ab 200 Personen ab jetzt beim Rostocker Gesundheitsamt unter Vorlage einer Risikobewertung im Vorfeld angemeldet werden. Zudem hat das Landratsamt Vorpommern-Rügen am Mittwochabend sämtliche Konzerte des "Festspielfrühling Rügen" abgesagt.

Drei neue Coronavirus-Infizierte in MV

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es unterdessen seit Mittwoch drei weitere nachgewiesene Coronavirus-Infektionen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums registrierten die Behörden drei Neu-Erkrankungen, davon erstmals eine in der Landeshauptstadt Schwerin. Es handle sich um einen 55-jährigen Reiserückkehrer aus der Schweiz. Er befinde sich in häuslicher Isolierung und habe leichte Krankheitssymptome. Das gelte auch für die beiden anderen neuen Fälle: Eine 40-jährige Frau aus dem Landkreis Vorpommern-Rügen hatte sich nach Angaben des Ministeriums durch Kontakt zu einem bestätigten Fall angesteckt und ist erkrankt. Auch bei einem 53-jährigen Mann aus dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ist die Krankheit nachgewiesen worden.

Ludwigslust-Parchim verschärft den Kurs

Unterdessen verschärft auch der Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern den Kurs im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Landrat Stefan Sternberg (SPD) hat heute allen Städten, Gemeinden und Behörden seines Kreises empfohlen, Veranstaltungen mit mehr als 100 Besuchern abzusagen. Der SPD-Kommunalpolitiker geht damit deutlich weiter als die rot-schwarze Landesregierung. Sternberg schreibt in einem Brief an die öffentlichen Einrichtungen, "überall dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammentreffen, besteht naturgemäß ein höheres Risiko für die Übertragungen von Krankheiten."

Landrat rät Veranstaltungen abzusagen

Auch wenn im Landkreis noch kein bestätigter Fall vorliege, könne sich diese Lage schnell ändern. Der Landrat appelliert vehement: "Ich lege ihnen dringend nahe, Veranstaltungen mit über 100 Teilnehmern bis auf Weiteres abzusagen." Diese könnten in den Herbst verschoben werden. Es gehe um rechtzeitige Vorsorge. Sternberg meinte, er reagiere mit der Empfehlung auch auf viele Anfragen.

Schweriner Oberbürgermeister postet Video-Botschaft

Am Mittwoch äußerte sich auch der Oberbürgermeister von Schwerin, Rico Badenschier (SPD), via Facebook mit einer persönlichen Video-Botschaft. Darin erklärt er die Situation nach dem ersten bestätigten Coronavirus-Fall in der Landeshauptstadt sowie zur Eröffnung des Corona-Testzentrums am Donnerstag.

Auf drastischere Maßnahmen verzichten

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Der Landtag hat indes entschieden, Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern nicht zu verbieten. Auf drastischere Maßnahmen will die Landesregierung verzichten. Gesundheitsminister Glawe sagte in einer aktuellen Stunde des Landtags, es sei bisher nicht nötig, "Veranstaltungen grundsätzlich zu untersagen." Das würde das öffentliche Leben weitestgehend lahmlegen. Mecklenburg-Vorpommern lässt damit Empfehlungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) unbeachtet - mehrere andere Länder wie Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hamburg und Bayern haben Großverantstaltungen von über 1.000 Besuchern untersagt.

Bürgertelefone zum Coronavirus

Zentrale Hotline des Wirtschafts- und Gesundheitsministeriums:
(0385) 588 - 5888
Mo. bis Do. 9 - 12 Uhr / 13 - 15 Uhr sowie Fr. 9 - 12 Uhr

Hotlines des Sozialministeriums:
(0385) 588 - 1999-7 und (0385) 588 - 19999 für Fragen rund um Krippen, Kindergärten, Horte und Kindertagespflegestellen
(0385) 588 - 19995 und (0385) 588 - 19997 für Fragen zu Pflege- und sozialen Einrichtungen
Mo. - Fr. 9 bis 18 Uhr

Hotline vom Kinderschutzbund für gestresste Eltern:
(0385) 479 - 1570
Mo. - Fr. 14 bis 17 Uhr

Seelsorge-Hotline der Nordkirche für Alte und Kranke:
(0800) 454 0106
täglich 14 bis 18 Uhr

Hotline des Landwirtschaftsministerium:
(0385) 588 - 6599
Mo. - Fr. 8 bis 17 Uhr

Gesundheitsamt Landkreis Mecklenburgische Seenplatte:
(0395) 57087 - 5330

Landkreis Vorpommern-Greifswald:
(03834) 8760 - 2300
Mo. - Fr. 8 - 20 Uhr, Sa. + So. 9 - 12 Uhr

Landkreis Vorpommern-Rügen:
(03831) 357 - 1000
E-Mail: corona-fragen@lk-vr.de

Landkreis Nordwestmecklenburg:
(03841) 3040 - 3000
Mo. bis Do. 9 - 12 Uhr / 13 - 17 Uhr sowie Fr. 9 - 12 Uhr

Landeshauptstadt Schwerin:
(0385) 545 - 3333
Mo. bis Do. 8 - 16 Uhr sowie Fr. 8 - 12 Uhr

Landkreis Rostock:
(03843) 7556 - 9999
Von 7 bis 22 Uhr geschaltet

Landkreis Ludwigslust-Parchim:
(03871) 722 - 8800
Mo. bis Do. 8 -12 Uhr/13 - 16 Uhr sowie Fr. 8 - 13 Uhr, Sa. und So. 9 - 16 Uhr

Glawe: Ansteckungsgefahr minimieren

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 liege im Nordosten aktuell bei 17. Bei fast allen verlaufe die Infektion gemäßigt, so dass sie zu Hause in Quarantäne bleiben könnten. Ein 78 Jahre alter Patient wurde laut Glawe in eine Klinik gebracht. Der Minister versicherte, dass die zuständigen Behörden und die medizinischen Einrichtungen im Land auf die Erfordernisse eingestellt seien. Gleichzeitig appellierte er an die Bevölkerung, durch konsequente Hygiene und Verzicht auf nicht erforderliche Reisen zur Eindämmung der Epidemie beizutragen. "Es geht darum, die Ansteckungsgefahren zu minimieren", sagte Glawe.

Absagen von Veranstaltungen in Rostock

Zuvor führte die Ausbreitung des Coronavirus auch in der Hansestadt Rostock zu Absagen von Veranstaltungen. So wurde der für Mittwochabend geplante Empfang des Wirtschaftsförderers Rostock Business in Warnemünde abgesagt, wie Geschäftsführer Christian Weiß unter Berufung auf eine Anweisung der Stadt mitteilte. Davon sei auch der zweite Tag des 30. Landeswettbewerbs von Jugend forscht in der Stadthalle betroffen. Trotzdem sollen die Preisträger am Nachmittag bekanntgegeben werden. Auch das Konzert des Popsängers Johannes Oerding in der Rostocker Stadthalle ist abgesagt.

Ansteckung verzögern, bis die Grippewelle abgeklungen ist

Auf die ersten Verbote hatte der Leiter der Abteilung für Tropenmedizin und Infektologie der Unimedizin Rostock, Emil Reisinger, reagiert und den Schritt der Stadt begrüßt. Rostock habe abgewartet, bis die ersten Fälle aufgetreten seien. Nach dem Auftreten der ersten Fälle zeige die Stadt die nötige Konsequenz und verhindere Großveranstaltungen. "Man kann die Verantwortung lange Zeit den Veranstaltern überlassen, ab einem bestimmten Punkt muss man Handlungsstärke zeigen." Dies gelte auch für das Land. "Ich glaube, dass wir damit anfangen sollen, Großveranstaltungen abzusagen", sagte Reisinger. Das würde dazu führen, die Verbreitung des Virus vielleicht noch etwas hinauszuzögern. Wichtig sei, dass es gelinge, die allgemeine Ansteckung so lange zu verzögern, bis die Grippewelle abgeklungen ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 11.03.2020 | 19:00 Uhr

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