Soldaten der Bundeswehr helfen bei der Nachverfolgung von Infektionsketten von dem Coronavirus. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Corona in MV: Nachverfolgung teilweise nicht mehr möglich

Stand: 22.10.2020 17:31 Uhr

Neuinfektionen auf Rekordniveau, geschlossene Schulen, kaum mehr nachvollziehbare Infektionsketten und 2.000 Bürger in Quarantäne - Gesundheitsminister Glawe bleibt gelassen, doch die Corona-Lage in einigen Landkreisen in MV spitzt sich zu.

Trotz stetig steigender Corona-Neuinfektionen in Mecklenburg-Vorpommern blickt Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) relativ gelassen auf die Corona-Lage im Nordosten: "Ich gehe davon aus, dass wir die Sache weiter im Griff haben", sagte der Minister am Donnerstag im NDR Interview. Glawe verwies darauf, dass man angesichts der rund 1.900 bisher Infizierten im Land nicht vergessen dürfe, dass rund 1.300 davon wieder genesen seien. Viel wichtiger sei der Blick auf andere Größen.

Derzeit 32 Corona-Patienten in Krankenhäusern in MV

"Entscheidend für die weitere Zukunft wird sein, wie viele Bürger in Krankenhäusern behandelt werden - und wie viele davon in ITS-Stationen (Intensivstationen; Anm. d. Red.). Das seien für ihn die Kernzahlen, anhand derer man eher beurteilen könne, ob das Gesundheitssystem überfordert sei oder nicht. Laut Glawe gibt es derzeit landesweit 32 Corona-Patienten, die in Krankenhäusern behandelt werden, davon würden sechs Patienten auf Intensivstationen beatmet. "Das Gesundheitssystem in Mecklenburg-Vorpommern ist noch nicht überlastet, allerdings heißt das nicht, dass man sorglos sein muss", so der Minister. Laut Glawe gibt es insgesamt 10.100 Krankenhausbetten im Nordosten im stationären Bereich - über 430 davon sind Intensivbetten. "Das ist eine gute Quote, die vorgehalten werden kannten." Im Notfall könne man noch nachlegen: Es gebe weitere Beatmungsgeräte und andere Ausrüstung, die bereitgestellt werden könnten, so der CDU-Politiker.

Mecklenburgische Seenplatte: Nachverfolgung teilweise nicht mehr möglich

Dennoch gelte es die Nachverfolgung der Kontaktpersonen durch die Gesundheitsämter zu stärken. Wie nötig dies ist, zeigt auch ein Blick in den derzeit am stärksten von Corona betroffenen Landkreis im Nordosten - der Mecklenburgischen Seenplatte. Dort können die Infektionsketten schon bei mindestens einem Viertel aller positiv Getesteten nicht mehr nachvollzogen werden, wie Landrat Heiko Kärger (CDU) dem NDR sagte. Es habe sich zudem gezeigt, dass eher Familienfeiern als Urlaubsrückkehrer die Infektionsherde seien. Zur Kontaktnachverfolgung hat der Landkreis jetzt zehn Bundeswehrangehörige zusätzlich angefordert. Insgesamt 15 Soldaten unterstützen nun die Behörden bei der Nachverfolgung.

Vorpommern-Greifswald: Gesundheitsamt an der Kapazitätsgrenze

Auch im Landkreis Vorpommern-Greifswald - speziell in der Uecker-Randow-Region werde die Lage immer kritischer, wie ein Kreissprecher erklärte. Das Gesundheitsamt des Kreises stoße allmählich an seine Kapazitätsgrenze. So warten die Schüler, Lehrer und Angestellten der mittlerweile geschlossenen Schule in Leopoldshagen bei Ueckermünde schon seit zwei Tagen auf ihre Testergebnisse. Im Ameos-Klinikum Ueckermünde wurden am vergangenen Wochenende nach einem ersten Verdachtsfall alle 500 Beschäftigten getestet. Ergebnis: Elf Krankenhausmitarbeiter haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Eine Station sei daraufhin vorübergehend geschlossen worden, so eine Krankenhaussprecherin. Sämtliche Kliniken in der Region zwischen Stettiner Haff und Müritz haben einen generellen Besuchs-Stopp verhängt. Das Krankenhaus in Malchin nimmt zurzeit keine Patienten mehr auf.

Vorpommern-Rügen: Gegenseitige Amtshilfe

Im Landkreis Vorpommern-Rügen helfen Mitarbeiter aus anderen Ämtern aus. Die Kreisverwaltung in Greifswald veröffentlicht wieder regelmäßig eine Karte, auf der die Infektionszahlen der einzelnen Ämter des Kreises ersichtlich sind. Das hatten sie im Frühjahr schon gemacht und nun kam der Wunsch beispielsweise von Pflegeeinrichtungen, die sie gern wieder haben wollten, um sich zu orientieren und Besuchsverbote auszusprechen.

Ludwigslust-Parchim: Verschärfte Vorschriften ab Freitag

Der Landkreis Ludwigslust-Parchim ist mit einem Sieben-Tage-Inzidenzwert von zuletzt 25,4 der Landkreis mit der zweithöchsten Inzidenz in Mecklenburg-Vorpommern. Landrat Stefan Sternberg (SPD) kündigte eine vorfristige Verschärfung der Corona-Vorschriften angeordnet ab Freitag (23. Oktober) an, noch bevor die Warnmarke von 35 erreicht ist. Die Zahl der Gäste bei Familienfeiern wird dann auf 25 Personen in Gaststätten und auf 15 Personen zu Hause begrenzt. Außerdem gilt eine Maskenpflicht in Einkaufszentren und auf Wochenmärkten. Die Einschränkungen sollen zunächst bis zum 15. November gelten, so Sternberg. Sie sollen verhindern dass der Landkreis in die nächsten Ampelstufen hineinkomme und dann noch strengere Maßnahmen ergriffen werden müssten. So etwas könne ganz schnell gehen, sagte Sternberg weiter. Insgesamt sieht sich der Landkreis gut gewappnet. Fast alle Infektionen könnten nachverfolgt werden, wie es hieß. Dafür sind seit Mittwoch zehn Bundeswehrsoldaten im Einsatz.

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Nordwestmecklenburg/Schwerin: Augenmerk auf Nachverfolgung

Im Landkreis Nordwestmecklenburg werden drei Bundeswehr-Soldaten eingesetzt, sie arbeiten in gemischten Teams, die mit der Nachverfolgung von Infektionsketten beschäftigt sind. Im Landkreis ist noch keine Maskenpflicht im Schulunterricht angeordnet worden. In Grevesmühlen nimmt in einer Woche ein neues Testzentrum im Gebäude des DRK-Kreisverbands am Ploggensee den Betrieb auf. Dies wird aber nur in Anspruch genommen, wenn das Testzentrum im Sana-Klinikum Wismar die Situation nicht mehr bewältigt werden kann. Im Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Wismar bleibt die Lage angespannt, dort sind zwei Lehrer positiv getestet, insgesamt sind 23 in Quarantäne.

In der Landeshauptstadt Schwerin steht die Corona-Ampel dagegen noch auf Grün. Dennoch hat die Belastung des Gesundheitsamtes im Rahmen der Kontaktverfolgung deutlich zugenommen. Das Gesundheitsamt hat wegen steigender Infektionszahlen die Nachverfolgung von Infektionsketten personell verstärkt. Derzeit ist wieder Stufe 3 erreicht, d.h. alle 24 Mitarbeiter des Gesundheitsamtes und weitere externe Honorarkräfte sind für die Kontaktermittlung in den Nachverfolgungsteams im Einsatz. Bisher gibt es ein Testzentrum für Reiserückkehrer und Kontaktpersonen ersten Grades, welches zusammen mit der Johanniter-Unfallhilfe betrieben wird.

Kreis und Stadt Rostock: Neue Abstrichzentren

Auch im Landkreis Rostock sowie in der Stadt Rostock werden die Anstrengungen im Kampf gegen das Virus verstärkt. Als Reaktion auf die aktuelle Entwicklung wird in Güstrow in den nächsten Tagen ein zentrales Testzentrum am KMG-Klinikum eingerichtet. Außerdem hat der Landkreis ein mobiles Abstrichteam zusammengestellt. In Rostock ist neben dem Testzentrum an der Uni ein weiteres geplant. Im Gespräch ist das IGA-Park-Gelände. Da die Gesundheitsämter in Hansestadt und Landkreis an ihrer personellen Grenze arbeiten, müssen nun auch Mitarbeiter aus anderen Ämtern unterstützen, um zum Beispiel die Kontaktverfolgung sicherzustellen - in Rostock sind es etwa 30, im Landkreis circa 60 Personen. In beiden Regionen wurde auch die Bundeswehr um logistische und personelle Unterstützung gebeten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 22.10.2020 | 16:10 Uhr

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