Corona: Tourismusbranche legt Wiederöffnungs-Konzept vor

Stand: 30.01.2021 10:58 Uhr

Wann und wie können Hotels, Gaststätten und Geschäfte in Mecklenburg-Vorpommern wieder öffnen? Dafür hat die Tourismusbranche einen fünfstufigen Plan erstellt. Entscheidend für jede Lockerung ist demnach eine stabile Sieben-Tage-Inzidenz.

von Melanie Jaster

"Wir brauchen eine Perspektive - und wir brauchen sie jetzt", fordert der Präsident des Deutschen Hotellerie- und Gaststättenverbands (Dehoga) Mecklenburg-Vorpommern, Lars Schwarz. Gemeinsam mit dem Landes-Tourismusverband hat der Dehoga einen Stufenplan dafür entworfen, wie es nach dem Lockdown für die Branche weitergehen könnte. Es handelt sich dabei um einen Vorschlag, an dem sich die Landesregierung orientieren könne. "Gesundheitsschutz steht an vorderster Stelle. Deshalb haben wir kein fiktives Datum reingeschrieben, sondern sagen: Es kann erst losgehen, wenn es mit dem Pandemiegeschehen funktioniert", so Schwarz.

Stufe eins: Geschäfte und Restaurants offen für Einheimische

Die erste Lockerung könnte laut Konzept in Kraft treten, wenn die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz zwei Wochen lang konstant einen Wert von 100 unterschreitet. Dann könnten Geschäfte und Restaurants zunächst für Einheimische wieder öffnen, so der Vorschlag. Menschen aus anderen Bundesländern dürften aber nach wie vor keine Tagesausflüge nach Mecklenburg-Vorpommern machen.

Stufe zwei: Hotels offen für Einheimische

Bleibt die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz dann für mehrere Wochen unter einem Wert von 75, können laut Konzept auch Hotels und Ferienwohnungen für Einheimische wieder öffnen. "Das wäre auch eine Belohnung für die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, die sich immer an die Corona-Regeln gehalten haben", sagt Schwarz.

Videos
Blick in den Spa-Bereich eines Hotels. Liegen sind zusammengestellt, der Pool ist leer.
5 Min

Richtlinien verhindern Verteilung der Corona-Hilfen

Da Hotelier Ralf Schlüter bereits im Frühjahr die Hilfskredite in Anspruch genommen hat, bekommt er nun kein Geld mehr. 5 Min

Stufe drei: Touristen aus anderen Ländern erlaubt

Sollte der Wert für weitere Wochen stabil unter 75 bleiben, dürfen dem Konzept zufolge auch Menschen aus anderen Bundesländern wieder in Mecklenburg-Vorpommern übernachten. "Voraussetzung wäre weiterhin, dass die Einrichtungen ein detailliertes Hygienekonzept haben und auch mit Schnelltests arbeiten", ergänzt Schwarz.

Stufe vier: Großveranstaltungen erlaubt

Bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von weniger als 50 dürfen laut Konzept unter Auflagen auch wieder Volksfeste stattfinden. Die fünfte und letzte Stufe wäre dann mehrere Wochen später eine weitgehende Normalisierung des öffentlichen Lebens. "Der Plan sieht vor: Lockern, dann 14 Tage abwarten, lockern, 14 Tage abwarten - immer als Kontrolle auch, was mit den Infektionszahlen passiert", fasst Schwarz zusammen.

VIDEO: Corona: Hotels und Gaststätten in der Warteschleife (3 Min)

Konzept orientiert sich an vergangenem Frühjahr

Der Plan basiert darauf, wie nach dem ersten Corona-Lockdown die Einrichtungen im Land schrittweise wieder geöffnet wurden. Als erstes Bundesland hatte Mecklenburg-Vorpommern Anfang Mai zunächst die Gastronomie und danach die Hotels wieder geöffnet – zunächst für Einheimische, danach für Touristen. Der Dehoga und der Landes-Tourismusverband betonen außerdem, es handele sich um ein "lebendiges Dokument", über das ausdrücklich diskutiert werden darf und soll.

Entscheidung liegt bei der Politik

Ob und wie das Konzept umgesetzt wird, darüber entscheiden letztendlich die Landes- und die Bundesregierung. Bisher habe sich das Land mit Reaktionen eher zurückgehalten, sagt Schwarz. Aus der Branche hingegen sei die Zustimmung groß. "Viele sind momentan rat- und orientierungslos. Es geht um die, die jetzt zu Hause sitzen und Kurzarbeitergeld haben. Die brauchen genauso eine Perspektive wie die Unternehmen, die mit ihrem privaten Geld jetzt in der Verantwortung sind", so Schwarz. In spätestens zwei Wochen beraten Bund und Länder wieder über die aktuelle Lage und darüber, wie der Plan der kommenden Wochen aussehen soll.

Corona in MV
Die Innenstadt von Schwerin am Marienplatz ist wie ausgestorben © NDR Foto: Henning Strüber

1 Jahr Corona und wir: Unternehmen! Die Lasten für die Wirtschaft

Experten rechnen mit fatalen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern - und radikalen Veränderungen. mehr

Arbeit im Friseursalon in Corona-Zeiten © Robert Witt Foto: Robert Witt

Corona-Lockerungen: Friseure und Gartencenter wieder offen

Im Landkreis Rostock wird wegen gestiegener Corona-Fallzahlen allerdings die Schulöffnung wieder zurückgenommen. mehr

7-Tage-Inzidenzkarte für Mecklenburg-Vorpommern vom 01. März 2021

Corona in MV: 61 Neuinfektionen, sechs weitere Todesfälle

Der Landesinzidenzwert liegt aktuell bei 66. Die meisten Neuinfektionen gab es im Landkreis Vorpommern-Greifswald. mehr

Professor Nils-Olaf Hübner, Chefhygieniker am Uniklinikum Greifswald, schaut in die Kamera. © NDR Foto: Screenshot

Greifswalder Professor fordert neuen Corona-Indikator

Professor Nils-Olaf Hübner findet, dass der Inzidenzwert nicht mehr reicht, um durch die Corona-Pandemie zu steuern. mehr

Service
Smartphone Telefon-Tastatur. © iStockphoto Foto: Krystian Nawrockii

Bürgertelefone zum Coronavirus

Ministerien, Behörden und Verbände in Mecklenburg-Vorpommern haben Bürgertelefone und Hotlines für Fragen zum Coronavirus geschaltet. Hier finden Sie eine Übersicht. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 30.01.2021 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Autos auf der A20-Behelfsbrücke bei Tribsees © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Blech auf Behelfsbrücke gelöst: Eine Woche Tempo 10 auf A20

Bis voraussichtlich Freitag darf auf der A20 bei Tribsees nur etwas mehr als Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. mehr