Stand: 19.09.2020 09:54 Uhr

Corona-Tests: Lücke bei Kostenübernahme

von Judith Greitsch

Viele Menschen bekommen Tests auf eine Infektion mit SARS CoV-2 von der Krankenkasse oder vom Staat bezahlt: Beispielsweise Reiserückkehrer aus Risikogebieten und natürlich alle, bei denen symptomatischer Verdacht auf Corona besteht oder die direkten Kontakt mit einer infizierten Person hatten. Die passende Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums gibt es seit Juni 2020: Auf mehr als zwanzig Seiten ist geregelt, wer alles Anspruch auf bestimmte Testungen für den Nachweis auf die Infektion hat.

VIDEO: Reha: Lücke bei Kostenübernahme von Corona-Test (3 Min)

"Wunschtestung" gilt als Privatleistung

Auf dieser Verordnung fußt auch die Abrechnungstabelle der Kassenärztlichen Vereinigung nach der Praxen abrechnen. Ein Test bei Menschen ohne Symptome beispielsweise vor einer Reha-Maßnahme, die man von Zuhause aus antritt, gilt als eine "Wunschtestung" und muss als Privatleistung bezahlt werden. Knapp 130 Euro sind das zum Beispiel für die Rentnerin Frau M. aus Rostock. Sie ist herzkrank, war wegen eines Lochs in einer Herzklappe wochenlang im Krankenhaus und wurde dort auch operiert. Dann durfte Frau M. wieder zurück in ihre Wohnung. In Kürze hat sie einen Reha-Platz. Doch bevor sie zur Rehabilitation an die Ostsee fahren darf, braucht sie einen negativen Corona-Test - nicht älter als vier Tage soll dieser sein -, das fordert die Klinik. Frau M.'s Hausarzt Dr. Thomas Maibaum findet es falsch, dass sie den Test bezahlen muss. Seiner Meinung nach würde viel Geld dafür ausgegeben, um Menschen mit niedrigem Risiko zu testen, aber Menschen wie Frau M. mit einem hohen Risiko würden nicht auf Kosten der Krankenkassen oder des Staates getestet.

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Reha-Branche fordert klare Regelung

Zur Zeit legt jede Reha-Einrichtung selbst fest, wie sie sich vor Corona schützt: ob durch Fragebögen vorab oder Unbedenklichkeitsatteste vom Arzt. Oft aber wird ein aktuelles, negatives Corona-Testergebnis gefordert, bevor eine Patientin oder ein Patient neu aufgenommen wird, der vor der Maßnahme zu Hause, in der sogenannten "Häuslichkeit", war. Rund 60 Reha-Einrichtungen mit mehr als 11.000 Betten gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. Eine Coronainfektion in einer Klinik wäre ein Riesenproblem, betont Dirk Gramsch vom Bäderverband M-V, in dem viele Einrichtungen organisiert sind. Bei allen Vorsichtsmaßnahmen gehe es vor allem auch um die vielen Patienten aus anderen Bundesländern, in denen Corona häufiger sei als in Mecklenburg-Vorpommern. Gramsch fordert deshalb eine bundesweite Regelung, dass nur negativ geteste Personen für eine Rehabilitation anreisen dürfen. Der Vorschlag: die Verordnung aus dem Bundesgesundheitsministerium soll um diese Patientengruppe erweitert werden.

Gesundheitsminister Glawe führt Gespräche

Die Lücke bei der Kostenübernahme wie im Fall von Frau M. und vieler anderer Patientinnen und Patienten ist mittlerweile auch Thema in der Politik: Auf Nachfrage von NDR 1 Radio MV und dem Nordmagazin sagte Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU), dass er dazu bereits Gespräche mit der Bundesebene führe, um eine einheitliche Lösung zu erreichen. Er könne sich aber auch vorstellen, dass die Tests aus Landesmitteln bezahlt werden könnten, zumindest für bestimmte Reha-Patienten. Frau M. aus Rostock bezahlt ihren Corona-Test wohl noch aus dem eigenen Geldbeutel. Die gute Nachricht: ihr Test ist negativ ausgefallen, der Anreise in die Reha-Einrichtung am Meer steht nichts mehr im Wege.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 18.09.2020 | 17:15 Uhr

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