Menschenleer ist die Strandpromenade mit der Seebrücke im Ostseebad Zinnowitz auf der Insel Usedom (Luftaufnahme mit einer Drohne). © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

Corona-Öffnung: Verpasst Urlaubsland MV den Anschluss?

Stand: 05.05.2021 18:06 Uhr

Die Corona-Öffnungsdebatte gewinnt an Fahrt. Weil immer mehr Bundesländer Hotels und Restaurants öffnen wollen, wächst der Druck auf die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Am kommenden Wochenende machen Ferienorte an der Lübecker Bucht wieder auf - Urlauber sind beispielsweise in Timmendorfer Strand willkommen, auch wenn eine strikte Test-Strategie gilt. Nicht nur der direkte Mitbewerber nebenan probt Öffnungsschritte. Auch Niedersachsen hat das angekündigt, Bayern will kurz vor Pfingsten Hotels und Restaurants öffnen. Der Branche im selbsterklärten "Urlaubsland Nummer 1" Mecklenburg-Vorpommern treibt das im aktuellen Lockdown noch tiefere Sorgenfalten auf die Stirn.

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Tourismus will "kontrollierte Öffnung" am 23. Mai

Die aktuelle Corona-Landesverordnung gilt bis zum 22. Mai, das ist der Sonnabend des Pfingstwochenendes. Dann läuft für den Landestourismusverband eine Art "Ultimatum" ab. Einen Tag später, am 23. Mai, will die Branche öffnen. Dann sollen auch in Mecklenburg-Vorpommern Hotels, Pensionen und Restaurants wieder Gäste empfangen, meinte Verbandschef Tobias Woitendorf. Er schlägt eine "kontrollierte Öffnung" vor - in allen Regionen mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100. Aktuell zeigt der Trend in diese Richtung. Die Landkreise Rostock und Vorpommern-Rügen liegen ebenso wie die Stadt Rostock unter dieser Marke, Nordwestmecklenburg ist nur noch knapp davon entfernt. Landesweit liegt die Inzidenz Stand Mittwoch bei 102.

IHKs und Dehoga machen Druck

Woitendorf will möglichst ein abgestimmtes Vorgehen im Norden. Die Zeit der Modellregionen sei vorbei, meinte er. Schleswig-Holstein habe doch gezeigt, dass auch bei Öffnung und mit einem strengen Test-Regime die Inzidenzzahlen nicht steigen würden. Rückendeckung bekommt er von den Industrie- und Handelskammern im Land. Mecklenburg-Vorpommern dürfe nicht das "touristische Schlusslicht" werden, während Schleswig-Holstein, Bayern und auch Österreich wieder Gäste begrüßen. Auch Dehoga-Chef Lars Schwarz fürchtet, dass Mecklenburg-Vorpommern ins Hintertreffen gerät. Es müsse eine Öffnung ohne Testregionen geben - und zwar spätestens zum 23. Mai. Schwarz bedauerte, dass die Task-Force Tourismus an diesem Mittwoch ohne ein Ergebnis beraten habe. In der Runde sind auch Spitzenvertreter der Landesregierung dabei.

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CDU-Landeschef Sack: MV darf nicht länger "Sperrgebiet" sein

Der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Michael Sack, meinte am Mittwoch, Schleswig-Holstein dürfe das Land beim Tourismus nicht abhängen. Wenn jetzt die Branche schon an der Lübecker Bucht hochfahre, müsse das für jeden ein Alarmsignal sein, "dem das Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern am Herzen liegt". Urlaub und Ferien würden das Infektionsgeschehen nicht anheizen, meinte Sack. Damit das so bleibe, sei eine kluge Teststrategie nötig. Und wenn der CDU-Kandidat sagt, es könne nicht sein, dass Mecklenburg-Vorpommern "Sperrgebiet" bleibe, während nebenan in Schleswig-Holstein schon Normalität Einzug halte, dann klingt das natürlich nach Wahlkampf. Sacks CDU sitzt mit in der Landesregierung - der zuständige Minister, Harry Glawe von der CDU, wollte sich am Mittwoch nicht zu Öffnungsperspektiven äußern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 05.05.2021 | 17:00 Uhr

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