Stand: 01.05.2020 09:01 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Corona: Mietzahlungen in MV gefährdet

Eine Frau beugt sich verzweifelt über eine Rechnung © Fotolia.com Foto: Gina Sanders
Anfang Mai ist die Miete fällig - viele Mieter geraten aufgrund der Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten (Symbolbild).

Rund zehn Prozent der Haushalte in Mecklenburg-Vorpommern werden ihre Miete laut Schätzungen des Mieterbunds wegen der Corona-Krise nicht zahlen können. Die meisten Menschen im Nordosten leben zur Miete: 498.300 Haushalte sind Mietwohnungen, so die Zahl des Statistischen Landesamtes von 2018. Kai-Uwe Glause vom Mieterbund Mecklenburg-Vorpommern e.V. befürchtet, dass viele Mieter aufgrund der Corona-Krise in Zahlungsschwierigkeiten kommen könnten. Er schätzt, dass zehn Prozent - also rund 50.000 Haushalte - ihre Miete nicht fristgerecht bzw. vollständig zahlen können werden.

VIDEO: Mietausfälle wegen Corona: Was sollte man tun? (3 Min)

Keine Kündigung in der Corona Krise

Wer nachweisen kann, dass die Miete aufgrund der Auswirkungen der Pandemie nicht gezahlt werden kann, ist vor einer Kündigung geschützt - er darf seine Miete sogar später zahlen. So steht es im Bundesgesetz zur Abmilderung der Folgen der Covid-19-Pandemie vom 27. März 2020. Dieses Gesetz zur Abmilderung der Pandemiefolgen gilt übrigens nach jetzigem Stand bis zum 30. Juni dieses Jahres.

Mieter und Vermieter müssen handeln

Sowohl der Mieterbund als auch Haus & Grund, die Interessenvertretung der Vermieter, empfehlen den Mietern, zuerst den Vermieter über die Situation zu informieren. Weiterhin sollten sich Mieter informieren, ob sie Wohngeld, Arbeitslosengeld oder andere staatliche Zuschüsse beantragen können. Vermieter können ihren Mietern die April-, Mai-, und Junimiete stunden. Stunden heißt allerdings nicht, dass die Miete nicht gezahlt werden muss, sondern nur später. Ob die Miete in monatlichen Raten nachgezahlt wird oder komplett zu einem späteren Zeitpunkt ist Verhandlungssache.

Wohnungssenossenschaft zeigt sich kulant

Der Vorstandsvorsitzende der Schweriner Wohnungsbaugenossenschaft (SWG), Guido Müller, setzt auf individuelle Lösungen: "Unsere Mitarbeiter aus der Mietbuchhaltung sind angehalten zu prüfen, ob eine Stundung oder Ratenzahlungen möglich ist oder ob sogar der Anspruch auf Wohngeld besteht." Verzugszinsen für später gezahlte Miete verlangt die SWG nicht, meint der Vorstandsvorsitzende.

Verzugszinsen drohen bei Stundung

Allerdings können Vermieter Verzugszinsen verlangen. Aktuell 4,12 Prozent rechnet Kai-Uwe Glause vom Mieterbund vor. Dazu ein Beispiel: Wird die Maimiete 2020 in Höhe von 500 Euro für ein Jahr geschuldet, dann fallen bis zur Mietzahlung im Mai 2021 die 4,12 Prozent Verzugszinsen an. Also kommen zu den 500 Euro noch mehr als 20 Euro Verzugszinsen hinzu.

VIDEO: Corona-Krise: Wie laufen die Soforthilfen an? (7 Min)

Gemeinsame Lösungen finden

Die Vermieter können, müssen aber keine Verzugszinsen erheben. So sagt Lutz Heinecke vom Landes-Vermieterverein Haus & Grund: "Ich empfehle den Vermietern auch mit ihren Mietern zusammen eine Lösung zu suchen, die ein gegenseitiges Entgegenkommen in sich trägt." Vermieter- und Mieterverband des Landes fordern: Die Bundesregierung müsse einen Fonds schaffen, aus dem Mietausfälle erst einmal bezahlt werden. So würden weder Mieter noch Vermieter in akute Bedrängnis kommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 30.04.2020 | 15:10 Uhr

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