Corona: MV erhält bis zum Wochenende 30.000 Impfdosen

Stand: 22.12.2020 17:00 Uhr

Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns verspricht sich von den bevorstehenden Impfungen den entscheidenden Schlag im Kampf gegen das Coronavirus. Schon am Sonntag soll in Alten- und Pflegeheimen geimpft werden.

"Der Impfstoff ist das Licht am Ende des Tunnels", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Dienstag in Schwerin. Die Landesregierung habe von Anbeginn auf die Impfung statt der Durchseuchung gesetzt, um die Herdenimmunität zu erreichen. Der Beginn der Impfungen stehe nun bevor. Am Sonntag (27. Dezember) geht es los: 40 mobile Impfteams gehen in ausgewählte Alten- und Pflegeheime, zudem wird das Krankenhaus- und Pflegepersonal geimpft. Welche Heime zuerst an der Reihe sind, wird am Mittwoch bekanntgegeben. Laut Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) sollen alle Kreise und kreisfreien Städte vertreten sein.

Mediziner: Im Januar werden drei weitere Impfstoffe zugelassen

Aber ohne Impfstoff kann es nicht losgehen. Bis zum Wochenende wird die erste Tranche im Nordosten erwartet. Stand Mittwoch werden es nun doch 30.000 Impfdosen, wie der Rostocker Tropenmediziner Prof. Emil Reisinger erklärte. Damit können rund 15.000 Menschen geimpft werden. Der Rostocker Mediziner rechnet damit, dass Anfang Januar auch der Impfstoff der Firma Moderna in der EU zugelassen wird, zwei weitere Impfstoffkandidaten dann bis Ende des Monats. "Ich hoffe, wir bekommen die Pandemie Anfang nächsten Jahres in den Griff", so Reisinger.

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Ein Tropfen hängt an der Nadel einer Spritze. © dpa-Bildfunk Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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Glawe: 60 bis 70 Prozent müssen geimpft werden

Dann dürfte auch mehr Impfstoff zur Verfügung stehen, sodass immer mehr Menschen ihre Impftermine von den Behörden genannt bekommen. Zuerst sind die rund 127.000 über 80-Jährigen in MV an der Reihe, ebenso die Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen und Krankenhäusern. Danach folgt die Gruppe der über 70-Jährigen. Es müsse eine Impfrate von 60 bis 70 Prozent erreicht werden, so Glawe. Bisher wollen sich laut Umfragen erst 50 Prozent impfen lassen, so der Minister weiter. Er rechne aber damit, dass dieser Anteil noch steige. Im August könnten die Impfungen abgeschlossen werden, glaubt Glawe.

Eigentliche Impfung im Impfzentrum dauert zwei Minuten

Ab Ende nächster Woche soll auch in den landesweit zwölf Impfzentren geimpft werden. Dort dauert die eigentliche Impfung gerade einmal zwei Minuten, sodass jedes Impfteam pro Stunde 30 Menschen behandeln kann. Die Termine für die Impfungen dort bekommen die betreffenden Impflinge vom 28. oder 29. Dezember an mitgeteilt - per Anschreiben oder Anruf.

Seenplatte: 2.800 Menschen leben in Heimen

In den einzelnen Landesteilen Mecklenburg-Vorpommerns laufen die Vorbereitungen für die Impfkampagne auf Hochtouren. Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte haben sich bereits 76 Pflegeeinrichtungen bei der Kreisverwaltung gemeldet und die Namen von Bewohnern durchgegeben, die sich impfen lassen möchten. Insgesamt leben in der Seenplatte 2.800 Menschen in Heimen. Wie wichtig es ist, dass jetzt schnell geimpft wird, zeige die angespannte Situation in den Altenheimen des Kreises, hieß es aus dem Landratsamt. So hatten sich jüngst 40 Bewohner eines Seniorenheimes in Malchow mit dem Coronavirus angesteckt, auch ein Altenheim in Strasburg ist schwer betroffen mit Dutzenden Infizierten und einigen Todesfällen.

Vorpommern-Rügen: Pro Tag soll 400-Mal geimpft werden

Der Kreis Vorpommern-Rügen erhält zunächst 2000 Impfdosen. Vier mobile Impfteams sollen am Sonntag die Arbeit aufnehmen. Der Impfmanager des Kreises ist derzeit dabei, die Tourenpläne zu erstellen. Bisher soll eine Tour zur Insel Rügen gehen, eine weitere über Fischland-Darß-Zingst und die anderen beiden übrigen über das Festland. Pro Tag sollen 400 Spritzen an die Bewohner von Pflegeheimen und Pflegekräfte verabreicht werden. Die Impfbereitschaft sei hoch, sagte ein Sprecher des Landkreises. Unterstützt werden die Impfärzte vom Technischen Hilfswerk, das Fahrzeuge und Fahrer stellt.

Vorpommern-Greifswald: Bis zu sechs mobile Impfteams

Für den Kreis Vorpommern-Greifswald sind 1.000 Impfdosen vorgesehen. Die werden auf die beiden Impfzentren in Greifswald und Pasewalk verteilt, Von dort starten die mobilen Teams, sobald der Impfstoff eingetroffen ist. Je nach Verfügbarkeit des Impfstoffes werden dann im Laufe der kommenden Wochen und Monate bis zu sechs Teams im Einsatz sein. Die Zahlen aus den beiden Landkreisen sind vorläufig. Sie sind abhängig von der Anzahl der Impfdosen, die tatsächlich eintreffen.

Stadt und Kreis Rostock: 500 Heimbewohner und 250 Klinikmitarbeiter zuerst

Im Landkreis und der Stadt Rostock stehen ab Sonntag jeweils 1.000 Impfdosen zur Verfügung. Die erste Impfung in Rostock werde am Sonntag symbolisch im Impfzentrum in der Hansemesse vorgenommen, hieß es. Danach fahren drei mobile Impfteams in die ersten Heime. Ab Montag werden die Impfteams auf fünf aufgestockt. Neben den ersten 500 Heimbewohnern sollen auch 250 Klinikmitarbeiter auf Intensivstationen immunisiert werden. Im Landkreis Rostock startet die Impfung am Sonntagvormittag in einem Güstrower Pflegeheim. Die Impfbereitschaft sei sehr hoch, sagte der Landkreis-Sprecher.

Impfskepsis auch in Altenheimen

Für die Impfungen müssen auch in den Heimen Vorkehrungen getroffen werden. So werden mancherorts aus Friseursalons und Gemeinschaftsräumen Impfzimmer. Außerdem werden mit Hochdruck die Einwilligungserklärungen der Bewohner eingeholt. Aber nicht jeder Bewohner möchte sich impfen lassen. Der Geschäftsleiter zweier Heime schätzt, dass sich etwa 40 Prozent seiner Bewohner vorerst nicht impfen lassen wollen.

Ludwigslust-Parchim: Zwölf Pflegeheime zuerst

Im Kreis Ludwigslust-Parchim werden mit dem ersten Kontingent die Bewohner und Pflegekräfte in zwölf Senioren- und Pflegeeinrichtungen geimpft. Die Heime hatten zuvor ihre Bereitschaft gemeldet und die Bewohner schriftlich ihr Einverständnis erklärt. Bei einigen sehr alten Menschen wurde das auch von ihren Bevollmächtigten getan - zum Beispiel den Kindern. Die Heime fassen die Namen in Listen zusammen, die ans Gesundheitsamt des Kreises geschickt und an die mobilen Impfteams weitergeleitet werden. Die Kühlung des Impfstoffes sei kein großes Problem, sagte Kreisamtsärztin Ute Siering. Der Impfstoff müsse zwar bei langer Lagerung sehr tief gekühlt werden, halte sich aber vor der Impfung bis zu fünf Tage im normalen Kühlschrank.

Vorbereitet für auftretende Nebenwirkungen

Zusammen mit dem Impfteams gehen stets Sanitäter, Schwestern oder Ärzte mit einem Notfallkoffer in die Heime, oder es steht ein Rettungswagen steht vor der Tür, falls es zu Nebenwirkungen kommt. Ärzte und Schwestern, die Impfen dürfen, gebe es für die mobilen Teams genug, sagte ein Kreissprecher. Allerdings sucht der Kreis noch Freiwillige für die breiten Massenimpfungen später in den Impfzentren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 22.12.2020 | 17:10 Uhr

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