Stand: 23.04.2020 17:10 Uhr

Corona: Glawe kündigt Staatshilfen für MV Werften an

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Die Lage auf den MV Werften in Wismar, Rostock-Warnemünde und Stralsund ist offenbar ernster als bisher bekannt. Das Unternehmen, das zum Genting-Konzern aus Hongkong gehört, setzt auf Staatshilfen von rund 600 Millionen Euro, um die aktuellen Zahlungsschwierigkeiten zu beheben. Diese Summe nannte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) am Donnerstag in einer gemeinsamen Sitzung des Wirtschafts- und Finanzausschusses des Landtags.

VIDEO: Corona-Krise verschärft Probleme bei MV Werften (7 Min)

Ergebnisse in vier Wochen

Zur Zeit liefen Gespräche zwischen dem Land, dem Bund, der KfW-Bank und dem Unternehmen. Die MV Werften könnten Teil eines Sonderprogrammes des Bundes werden, so der Minister, seit vergangenen Dienstag sei das sicher. Offen ist, ob es einen Kredit, eine Bürgschaft oder andere Hilfen gibt. Glawe sagte, es werde auch über einen Eigenanteil des Unternehmens gesprochen. In vier Wochen könnten Ergebnisse vorliegen. Der Minister erklärte, es gehe um die Sicherung der Werften und um eine "Fortführungsprognose" für das Unternehmen. Und er setzt auf den Bund und seinen Wirtschaftsminister-Kollegen in Berlin: "Herr Altmaier hat ja gesagt, keiner soll in der Krise durch Corona insolvent gehen. Das ist schon eine gewagte Aussage. Aber man muss schon daran glauben, dass der Erfolg einen am Ende recht gibt."

Geld aus bestehendem Schutzschirm

Glawe kündigte außerdem einen 50 -illionen-Euro-Hilfsfonds für die Werften-Zulieferer an, die auf offenen Rechnung sitzenbleiben, weil Genting nach eigenen Aussagen nicht zahlen kann. Das Geld, das als Kredit ausgezahlt werden soll, stammt aus dem schon bestehenden Schutzschirm für die Wirtschaft. Die beiden Ausschüsse stellten sich hinter die Extra-Förderung. Sorgen macht auch ihnen die Lage auf den Werften: "Wir sind gebrannte Kinder", sagte die Linksabgeordnete Jeannine Rösler und spielte damit auf die massiven Bürgschaftsverluste des Landes nach der Pleite der Vorgänger-Werft P&S an. Auch der AfD-Abgeordnete Gunter Jess meinte, man könne nur hoffen. "Bei einem Worst-Case muss man neu überlegen, was wird aus den Werften."

Genting zeigt sich zuversichtlich

Das Unternehmen reagierte zuversichtlich, die Bereitschaft des Bundes und das Engagements des Landes seien starke Signale für eine Unterstützung der maritimen Wirtschaft in "diesen schwierigen Zeiten". Werft-Sprecher Stefan Sprunk teilte mit: "Wir begrüßen die Gespräche sehr, für uns ist es ein großer Vertrauensbeweis in unsere Werften."

Kurzarbeit bei Werftbeschäftigten

Die rund 3.000 Werftbeschäftigten sind in Kurzarbeit - sehr wahrscheinlich noch über den bisher als Endtermin genannten 4. Mai hinaus. Die Arbeit an den drei großen Kreuzfahrtschiffen ruht. Die Corona-Krise und die Zahlungsschwierigkeiten bringen die Produktionsabläufe der MV-Werften bereits jetzt durcheinander. Glawe sagte schon vor einer Woche, die Schiffsbauer hätten sich bereits an die veränderte Lage auf dem Kreuzfahrtmarkt angepasst. Die Fertigstellung des zweiten Schiffes der sogenannten Global-Class für bis zu 9.500 Passagiere verschiebe sich vermutlich auf 2024, vorgesehen war bisher 2022. Zunächst werde der Bau von zwei kleineren Schiffen dazwischengeschoben, so Glawe.

Werft-Spitze nach Schwerin geladen

Die IG-Metall erklärte, das Unternehmen brauche genügend Zeit und Geld, um auf den Einbruch auf dem Kreuzfahrtmarkt reagieren zu können. Der Schiffbau sei der industrielle Kern des Landes, der in einem gemeinsamen Kraftakt gesichert werden müsse, so der Chef der IG-Metall Küste, Daniel Friedrich. Für die nächste Woche haben die beiden Ausschüsse die Werft-Spitze nach Schwerin eingeladen. Sie sollen die Abgeordneten aus erster Hand über die Lage informieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 23.04.2020 | 16:00 Uhr

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