Stand: 06.03.2020 15:27 Uhr

Corona-Folgen: Wirtschaft in MV verlangt Hilfen

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Blick auf das Wirtschaftsministerium von Mecklenburg-Vorpommern. © dpa-Report Foto: Jens Büttner
Das Wirtschaftsministerium hat bereits einen Info-Hotline für Betriebe eingerichtet. (Archivbild)

Die Auswirkungen des Corona-Virus beschäftigen die Landespolitik immer stärker: Das Wirtschaftsministerium in Schwerin will Betriebe unterstützen, die wegen der weltweiten Corona-Krise wirtschaftliche Problemen bekommen. Es gehe darum, vorsorglich zu reagieren, sagte Minister Harry Glawe (CDU). Das Ministerium hat eine Info-Hotline für besorgte Betriebe geschaltet. Noch wirke sich das Corona-Virus kaum auf die Unternehmen aus, hieß es. Es gebe vereinzelt Probleme bei Betrieben, die auf Zulieferungen beispielsweise aus China angewiesen seien, diese wichtigen Güter aber nicht bekommen hätten.

Wirtschaft im Norden fordert Notfallmaßnahmen

Berichtet werde auch von Verlusten bei Stornierungen in der Tourismusbranche. Das Ministerium will Hilfe bieten, beispielsweise wenn es um die Frage von Mitarbeiter-Qualifizierung während einer Kurzarbeit-Phase gehe. Die Wirtschaft in Norddeutschland warnt eindringlich vor den Folgen des Corona-Virus und fordert Notfallmaßnahmen der Politik. In einem gemeinsamen Brief an die Regierungschefs im Norden und an Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sprechen die Arbeitgeberverbände von drohenden Job-Verlusten und wirtschaftlichen Schäden.

Forderung: Betriebe sollen von Sozialabgaben befreit werden

Beides müsse abgewendet werden - vor allem durch großzügigere Regelungen beim Kurzarbeitergeld. Die Hilfe müsse auf zwei Jahre verlängert werden, außerdem sollten Betriebe dabei von Sozialabgaben befreit werden. Die Lage sei ernst und erfordere augenblicklich Maßnahmen, um Beschäftigung zu sichern. Durch die Ausbreitung des Virus drohten Produktionseinschränkungen, schon jetzt würden erste Betriebe eine Unterbrechung der Lieferketten melden - dringend benötigte Güter beispielsweise aus China würden fehlen. Wichtig sei jetzt Information, so der Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände im Land, Sven Müller. Deshalb begrüße er, dass das Wirtschaftsministerium die Info-Hotline geschaltet habe.

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IG Metall-Küste: "kühlen Kopf" bewahren

Auch die Gewerkschaften haben die "Corona-Lage" im Blick. Heiko Messerschmidt, Sprecher der IG Metall-Küste, rät aber zu einem "kühlen Kopf", Schnellschüsse könne niemand gebrauchen. "Ziel muss sein, die Beschäftigten an Bord zu halten und Auslastungsschwierigkeiten auszugleichen." Messerschmidt erinnerte an die Verantwortung der Unternehmen, sie hätten lange von der Globalisierung profitiert. Ihre Aufgabe sei es, dafür zu sorgen, dass Lieferketten funktionierten.

Zahl der Stornierungen im MV-Tourismus steigend

Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in MV, Lars Schwarz, sagte, seine Branche registriere vermehrt Stornierungen. "Unsere Betriebe sind verunsichert und blicken verhalten auf die Saison", so Schwarz. Laut einer Blitzumfrage des Verbandes verzeichnen 60 Prozent der Mitgliedsunternehmen Einbußen in Folge der Corona-Krise.

Dehoga-Umfrage: Umsatzeinbußen im Gastgewerbe MV

Laut einer aktuellen Umfrage der Dehoga verzeichnen rund 60 Prozent der Betriebe in MV Umsatzeinbußen in Folge der Corona-Krise. Durchschnittlich brechen die Umsätze landesweit um 21 Prozent ein. 87 Prozent aller Betriebe verzeichnen Rückgänge bei Neubuchungen. Diese gehen im Schnitt um 31 Prozent zurück. Gefragt nach erwünschten Unterstützungsleistungen durch den Staat, erwarten 57 Prozent aller Betriebe den reduzierten Umsatzsteuersatz für Essen, 53 Prozent eine geänderte Kurzarbeitergeldregelung, 41 Prozent Liquiditätshilfen, 37 Prozent weitere Steuererleichterungen sowie 24 Prozent eine Steuerstundung (Mehrfachnennungen waren möglich).

Insgesamt sei die Branche vorbereitet. In den Häusern seien auch die Hygiene-Regelungen und Vorsichtsmaßnahmen umgesetzt worden. Urlauber seien in Mecklenburg-Vorpommern gut aufgehoben. Über die wirtschaftlichen Folgen bleibe man mit der Politik im Gespräch, sagte Schwarz.

Finanzminister Meyer warnt vor Abschwung

Landes-Finanzminister Reinhard Meyer (SPD) hatte bereits am Donnerstag mit einer Warnung vor einem drohenden Wirtschaftsabschwung aufhorchen lassen: "Börsen sind verunsichert, Fabriken stehen still, Großveranstaltungen werden abgesagt", schrieb Meyer in einer Pressemitteilung. Der Minister warnte den Bund davor, angesichts eines "Konjunktureinbruchs" den Überschuss im Bundeshaushalt leichtfertig zu verteilen. Erst müssten die Folgen für die Exportwirtschaft und den Tourismus abgewartet werden: Der Staat müsse handlungsfähig bleiben, so Meyer, um der Konjunktur notfalls wieder in die Spur zu helfen. An diesem Sonntag will der Koalitionsausschuss von Union und SPD in Berlin darüber beraten, wie das milliardenschwere Haushalts-Plus ausgegeben wird. Auch Meyer sitzt auf großen Rücklagen.

Beim Koalitionspartner CDU kamen Meyers Aussagen nicht gut an, zu alarmistisch sei das, erklärte der Parlamentarische Geschäftsführer Wolfgang Waldmüller. Die Politik müsse besonnen auf die verständlichen Sorgen der Wirtschaft reagieren. Waldmüllers CDU hat für kommenden Mittwoch eine aktuelle Stunde im Landtag zum Thema "Corona" beantragt - es gehe darum, professionell sachlich und fachlich die Fakten zusammenzutragen und jede Panikmache zu vermeiden. "Politik darf die Hysterie nicht beschleunigen", meinte Waldmüller.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 06.03.2020 | 13:00 Uhr

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