Corona-Folgen: Long-Covid-Expertin ist Frau des Jahres

Stand: 05.03.2021 06:54 Uhr

Jördis Frommhold ist zur "Frau des Jahres" gekürt worden. Sie ist eine der deutschen Expertinnen für die Long-Covid-Erkrankung. Mit 38 war sie bereits Chefärztin der Median Klinik in Heiligendamm.

Jördis Frommhold weiß, dass sie in ihrem Berufsleben einen außergewöhnlichen Weg hingelegt hat. Nun ist sie zur "Frau des Jahres" gekürt worden. Im für Mediziner jungen Alter von 38 war sie bereits Chefärztin der Median Klinik in Heiligendamm. Ein knappes Jahr später gilt sie als eine der deutschen Expertinnen für die sogenannte Long-Covid-Erkrankung.

Aufklärung über Long-Covid bei Corona-Patienten

Long-Covid kann bei als vermeintlich gesund entlassenen ehemaligen Corona-Patienten teilweise Wochen später auftreten. Nun tritt die 39-Jährige regelmäßig im Fernsehen auf und wirbt um Verständnis für die Long-Covid-Patienten, deren Leiden sich nicht jedem auf Anhieb erschließen - auch in Medizinerkreisen ist Long-Covid nicht immer bekannt. Ihre Kompetenz und ihre mediale Präsenz sind im Sozialministerium und der Schweriner Staatskanzlei nicht unbemerkt geblieben. Am Donnerstag wurde Frommhold als Frau des Jahres 2021 ausgezeichnet.

Sozialministerin Drese: "Rehabilitationsmedizinerin mit zupackendem Optimismus"

"Mit ihrer Klarheit, Freundlichkeit und ihrem zupackenden Optimismus verkörpert sie die Rehabilitationsmedizin als jung, dynamisch und weiblich und ist ein Vorbild für Frauen in der Medizin", sagte Sozialministerin Stefanie Drese (SPD). Frommhold berate und therapiere oft verzweifelte Patienten, die mit langfristigen Folgen zu kämpfen haben. Sehr rational beschreibt die Medizinerin mit dem prägnanten schwarzen Kurzhaarschnitt die Charaktereigenschaften, die für ihren Erfolg verantwortlich sind. "Das ist meinem Zug zum Ziel geschuldet." Sie wolle immer etwas entwickeln und ihre Ideen verwirklichen, aber: "Wenn man etwas nicht leitet, ist das halt schwierig." So habe sie schon im Studium und der Assistenzzeit gezielt geschaut, wo es personelle Lücken gibt.

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"Auch Frauen mit Kindern können erfolgreich sein."

Die in Bünde (NRW) aufgewachsene Internistin stieß auf die Pulmologie, das Teilgebiet für Erkrankungen der Lungen und der Bronchien. Nebenher betrieb sie Intensiv- und Akutmedizin, fuhr Notfalleinsätze. "Machen wir uns nichts vor: Das ist ein knallhartes Männergeschäft", beschreibt Frommhold das Branchenklima. Bei Fachtagungen sei sie als Frau oft alleine, Chefärztinnen gebe es kaum. "Dabei haben wir so viele tolle Medizinstudentinnen, die Medizin ist weiblich." Auch Frauen mit Kindern könnten erfolgreich sein, sagte die Mutter eines zehnjährigen Jungen. Als Chefärztin könne sie nun auch nachmittags im Homeoffice arbeiten und den Sohn betreuen. "Es sind bessere Arbeitszeiten als im Akutkrankenhaus." Frommhold war zuvor in Lübeck und Wismar tätig.

Mehr als 400 Covid-19-Patienten behandelt

Frommhold und ihr interdisziplinär arbeitendes Team haben seit April 2020 mehr als 400 Covid-19-Patienten in Heiligendamm behandelt. "Mich schockiert die Hilflosigkeit, mit der die Patienten kommen", sagt sie. Die vergleichsweise jungen Menschen wollen oft nicht wahrhaben, dass ihre Krankheit nicht ausgeheilt ist, sondern dass sie noch mittendrin stecken. Auch die behandelnden Ärzte in den niedergelassenen Praxen würden manchmal die Symptome nicht ernstnehmen, was die Beschwerden der Patienten dann verschlimmern könne. Da müsse mehr Aufklärung her, genauso wie die Nachsorge im ambulanten Bereich nach der Reha verbessert werden müsse.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 04.03.2021 | 13:00 Uhr

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