Corona-Fälle in Arztpraxis: Schwerin schaltet Polizei ein

Stand: 02.05.2021 14:51 Uhr

Die Stadt Schwerin hat nach drei Corona-Infektionsfällen beim Praxisteam eines Chirurgen in der Weststadt die Polizei eingeschaltet. Hinweisen zufolge habe das Team trotz Corona-Symptomen weitergearbeitet. Die Patienten sollen jetzt in Quarantäne.

Am Sonntagmittag hat die Stadtverwaltung die Daten aller Patienten erhalten. Demnach könnten sich 237 Menschen in einer chirurgischen Praxis im Ärztehaus in der Schweriner Weststadt mit dem Corona-Virus infiziert haben, davon kommen 175 aus Schwerin und der Rest aus den umliegenden Landkreisen. Das bestätigte der Sozialdezernent der Stadt, Andreas Ruhl (SPD), NDR 1 Radio MV. Alle 237 Patienten müssen in Quarantäne und sich testen lassen. Das Gesundheitsamt der Stadt will alle Patienten kontaktieren, die sich zwischen dem 21. und dem 28. April länger als zehn Minuten in der Praxis in der Johannes-Brahms-Straße 59 aufgehalten haben. Sie wurden von der Stadt aufgefordert, sich sofort vorsorglich in Quarantäne zu begeben. Die Stadt hat die Quarantäne perAllgemeinverfügung förmlich angeordnet und diese als Bekanntmachung auf ihrer Internet-Seite veröffentlicht. Auch die Betroffenen in den Nachbarlandkreisen würden benachrichtigt. Etwa 150 Betroffene haben sich bereits in der Helios Klinik testen lassen. Die Ergebnisse werden frühestens am Montag erwartet.

Nichteinhaltung der Corona-Regeln offenbar länger bekannt

Es gibt laut Ruhl den Verdacht, dass Praxisangestellte und der Arzt in der Praxis weiterhin gearbeitet haben, obwohl sie Covid-19-Symptome aufwiesen. Möglicherweise gab es sogar eine Anweisung, auf einen Mund-Nasen-Schutz zu verzichten, so Ruhl. Falls sich dieser Verdacht bestätigt, werde die Stadtverwaltung gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft wegen des Vorwurfs der Körperverletzung einschalten. Insgesamt waren drei Mitarbeiter der Praxis positiv auf Corona getestet worden, darunter auch der Arzt selbst. Laut Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) sei zunächst eine Mitarbeiterin positiv getestet worden und im Zuge der Kontaktermittlungen aufgefallen, dass diese noch "symptomatisch in der Praxis tätig war". Badenschier zufolge habe die Stadt Schwerin bereits in den letzten Monaten Hinweise - auch zu der betreffenden Praxis - erhalten, dass Corona-Regeln nicht eingehalten wurden. Daraufhin habe es eine sogenannte "Gefährderansprache" sowie Kontrollen des Ordnungsamtes gegeben.

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Patienten haben möglicherweise Anspruch auf Entschädigung

Der Präsident der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Andreas Crusius, äußerte sich zu möglichen Konsequenzen. Zum einen sei es ein Verstoß gegen die Corona-Regeln, außerdem ein Verstoß gegen die Hygiene-Regeln. Auch gebe es laut Dr. Crusius einzelne Ärzte, die offenbar ihre Patienten auffordern in den Arztpraxen die Masken abzunehmen. Bewahrheitet sich der Verdacht, dass es ein "vom medizinischen Personal verursachter Schaden ist, hat der entsprechende Patient einen Rechtsanspruch auf Entschädigung", so Dr. Crusius.

Direkter Kontakt zu einem Infektionsfall

Wer in der Praxis war, gilt als direkte Kontaktperson zu einem Infektionsfall. Betroffene sollen auf Covid-Symptome achten und sich am Montag beim Gesundheitsamt melden. Die Kontaktpersonen sollen auch möglichst zeitnah getestet werden, so die Stadtverwaltung. Im Helios-Klinikum seien die Kapazitäten hochgefahren worden, um die Betroffenen ab sofort testen zu können. Betroffene können außerdem bei der Bürgerhotline im Stadthaus unter (0385) 545 - 33 33 telefonisch oder per E-Mail an gesundheitsamt@schwerin.de ihre Kontaktdaten übermitteln. Auch der genaue Tag des Praxisbesuchs sei wichtig, damit die Quarantäne individuell bemessen werden kann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 02.05.2021 | 15:00 Uhr

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