Stand: 06.09.2018 17:52 Uhr

Comeback für Karl-Marx-Statue in Neubrandenburg

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Raus aus dem Lager: Die Neubrandenburger Karl-Marx-Statue wird wiederaufgestellt. (Archivbild)

Die Stadt Neubrandenburg wird ihr umstrittenes Karl-Marx-Denkmal wieder aufstellen. Die Stadtvertreter stimmten am Donnerstagnachmittag dafür, zu diesem Zweck eine private Spende anzunehmen. Das 2,20 Meter hohe und mehr als eine Tonne schwere Denkmal des Berliner Bildhauers Gerhard Thieme war vor rund 18 Jahren aus Sicherheitsgründen abgebaut und repariert worden.

Ehepaar will für Kosten aufkommen

Seither wird die Statue im Depot der städtischen Wohnungsgesellschaft aufbewahrt. Ein Neubrandenburger Ehepaar will nun die Kosten von 10.000 Euro für die Wiederaufstellung übernehmen. Ursprünglich war die Spende an die Bedingung geknüpft, dass die Plastik an ihren letzten Standort an der Bibliothek im Stadtzentrum zurückkehrt. Viele Stadtvertreter hatten daraufhin kritisiert, sie wollten sich den Ort nicht vorschreiben lassen.

Wiederaufstellung noch in diesem Jahr

Jetzt soll die Spende auch ohne Vorbedingung fließen. Wo Karl-Marx wieder aufgestellt wird, sei nun Sache der Verwaltung, hieß es. Diese favorisiert offenbar den Standort an der Bibliothek, will sich offiziell aber nicht festlegen. Die Statue solle aber noch in diesem Jahr wieder aufgebaut werden - mit einer erläuternden Schrifttafel, hieß es weiter. Am Ende müsse jedoch noch die Denkmalbehörde zustimmen.

2015: Karl-Marx-Denkmal bleibt im Depot

Lange Diskussion

Das jetzige Votum der Stadtvertreter markiert den vorläufige Schlusspunkt einer lange Diskussion in der Stadt. Zunächst hatte es Pläne gegeben, die Statue liegend zu präsentieren. "Wir wollen auf diese Weise nicht die Bedeutung des Philosophen würdigen, sondern uns mit unserer eigenen Geschichte auseinandersetzen", hatte Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) den Einfall begründet. Heutzutage sei es möglich, anders mit solchen Denkmälern umzugehen als noch in den 1990er-Jahren.

Der Vorschlag löste im Frühjahr eine sehr emotionale Debatte in der Stadtvertretung aus. Einige waren von der Idee des liegenden Marx begeistert, Linkspolitiker wollten Karl Marx dagegen aufrecht stehend, fanden dafür aber auch keine Mehrheit und sahen sich mit dem Vorwurf der Geschichtsvergessenheit konfrontiert. Dann zog Witt seinen Vorschlag zurück. Stattdessen sollte die Statue aufrecht stehend in der Kunstsammlung präsentiert werden. Aber auch diese Variante stieß auf wenige Freunde.

Zu DDR-Zeiten stand Marx auf nach ihm benanntem Platz

Das Denkmal des Philosophen und Ökonomen, der mit seinen Hauptwerken "Das kommunistische Manifest" und "Das Kapital" zu einem der einflussreichsten Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus wurde, stand bereits von 1969 bis 2001 in der Neubrandenburger Innenstadt - bis er zu wackelig wurde und ins Depot kam. In der DDR galt Neubrandenburg noch als "sozialistische Bezirksstadt" und der Marktplatz, auf dem das Denkmal stand, war passenderweise nach dem Philosophen benannt. An der Stelle, an der die Statue aufgestellt war, steht heute ein Einkaufszentrum.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 06.09.2018 | 17:30 Uhr

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