Einige Hühner picken im Gras. © NDR Foto: Corinna Below

Camping fürs Geflügel: Immer mehr mobile Hühnerställe in MV

Stand: 19.11.2021 11:43 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern setzen immer mehr Betriebe auf mobile Hühnerställe im Freiland. Landesweit sind es nun knapp 40 Betriebe, die ihre Hennen draußen in mobilen Ställen halten.

Immer mehr mobile Hühnerställe gibt es in MV - allein in diesem Jahr hat das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei sechs neue Anmeldungen registriert. Seit zwei Jahren schon setzt ein Hof in Stofferstorf im Kreis Nordwestmecklenburg auf diese Haltungsart. Wer dort die Hühner, die im mobilen Hühnerstall leben, besuchen will, muss dem Hinweisschild folgen: "Hünis Hof" steht darauf zu lesen, aufgestellt ist es direkt an der Bundesstraße 105 zwischen Wismar und Grevesmühlen. Hühner der Zuchtlinie "Lohmann Brown" picken auf einer Wiese nach Regenwürmern. "Man hat uns die empfohlen als gut geeignet für diese Haltungsform, weil die ziemlich robust sind und auch von der Legeleistung sehr gut sind und wir sind auch da durchaus mit zufrieden", sagt Landwirt Jörg Hünemörder.

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Viel Grün fürs Geflügel in Stofferstorf

Hühnemörder hält auf seinem Hof mittlerweile 880 Legehennen in drei mobilen Ställen. Angefangen hat er vor etwa zwei Jahren. "Die Auslaufklappen unten, die sind so eingestellt, dass die Hühner ab 10 Uhr rauskönnen aus dem Stall, weil die Hühner bis dahin tatsächlich auch schon gelegt haben. Dann ist es so, dass sie sich wirklich draußen frei bewegen können, auf einer riesigen Grünlandfläche, bis eine Stunde nach Sonnenuntergang, dann schließen die Klappen wieder. Das wissen die Hühner auch ganz genau, wann sie rein müssen", so der Geflügelhalter. Fast alle Hennen legen täglich ein Ei, darauf kann er sich verlassen. Und immer wenn das Gras abgefressen ist, ziehen die Tiere mit ihrem Stall um, auf eine andere Wiese des Hofs. Nur selten holt sich der Fuchs ein Huhn. Die größte Gefahr ist momentan die Vogelgrippe. "Momentan ist es so, dass wir einen Fall relativ dicht bei uns hatten. Wir sind gerade so aus der Sperrzone raus und dürfen demzufolge unsere Hühner noch rauslassen und auch die Eier vermarkten, aber wir sind natürlich in Sorge, dass das auch noch mal dichter kommen kann und wir die Hühner auch einsperren müssen." Eine Stallpflicht wäre für die an Auslauf gewöhnten Tiere auf "Hünis Hof" der blanke Stress. "Das bedeutet Kanibalismus, dass sie sich gegenseitig anpicken."

Freiland-Eier auch bei Kunden beliebt

Immer mehr Verbraucher schätzen Freilandeier. In Mecklenburg-Vorpommern stammt mittlerweile etwa jedes zweite Ei aus dieser Haltungsform. Lisa, die Tochter von Jörg Hünemörder, hilft mit im Familienbetrieb und verkauft im kleinen Hofladen die hofeigenen Eier und andere Produkte: "Außerdem haben wir Nudeln, die aus unseren Eiern sind und Eierlikör. Den mache ich selber. Ich unterstütze gern meine Eltern und nehme ihnen gern etwas Arbeit ab." Vor der Tür, Geräusche eines parkenden Autos: Peter Pommreen aus Wismar kommt, kauft eine Packung frische Freilandeier und das nicht zum ersten Mal, wie er sagt, "Weil die Eier besonders gut schmecken und weil ich darauf aufmerksam geworden bin, dass die Hühner draußen gehalten werden. Ich bin mal auf dem Bauernhof groß geworden und weiß, dass das die richtige Haltung für die Hühner ist." Rückmeldungen wie diese freuen Landwirt und Hofchef Jörg Hünemörder. Besonders freut er sich, dass er so ein Lob für seine Arbeit immer öfter bekommt.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Landfunk | 19.11.2021 | 12:00 Uhr

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