Stand: 10.06.2020 11:49 Uhr

CDU-Vorsitz: Hoffmeister lässt Amthor den Vortritt

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Der Machtkampf in der Landes-CDU in Mecklenburg-Vorpommern ist vorzeitig entschieden. Justizministerin Katy Hoffmeister hat ihren Verzicht auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz erklärt. Es gehe jetzt nicht um Trennendes, sondern um den Zusammenhalt in der Partei, sagte die 47-Jährige am Dienstag während einer Pressekonferenz in der Schweriner Parteizentrale. Hoffmeister kam gemeinsam mit ihrem bisherigen Konkurrenten, dem Greifswalder CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor, zur Pressekonferenz in die Schweriner Parteizentrale. Amthor ist jetzt einziger Anwärter auf den Chefposten.

Hoffmeisters Verzicht ist keine Überraschung

Die beiden wollten ganz offenbar ein Bild der Harmonie vermitteln. Sie standen gemeinsam vor den Mikrofonen an einem kleinen Tisch. Ganz dicht kamen sie sich nicht. Das lag aber nicht an ihren politischen Differenzen, sondern am coronabedingten Mindestabstand. Hoffmeister lässt dem 20 Jahre jüngeren Amthor den Vortritt. Dass sie aufgeben würde, war Stunden vorher schon durchgesickert. Ihr Verzicht war am Ende keine Überraschung. Sie hatte ohnehin nur Außenseiterchancen. Amthor bekam in der Vorabwahlen in den CDU-Kreisvorständen den größeren Rückhalt, und er erschien der CDU-Basis deutlich profilierter - ein echter Konservativer eben.

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Hoffmeister will in den Landtag

Hoffmeister zieht sich aber nicht zurück: "Ich beabsichtige, mich in den Dienst der Partei zu stellen und natürlich im Wahljahr 2021 für die Landes-CDU zur Verfügung zu stellen." Das heißt: Die bisher mandatslose Ministerin will beim nächsten Mal für den Landtag kandidieren. Das begrüßte Amthor ausdrücklich und er dankte Hoffmeister dafür, "persönliche Ambitionen zurückzustellen" - für das Wohl der Partei. "Darum muss es jetzt gehen, und dazu brauchen wie Zusammenhalt, Mut und Aufbruch und ich freue mich, dass wir das jetzt gemeinsam umsetzen können."

Amthor: Wollen stärkste Partei werden

Es gab dann noch mehr dieser Sätze, die immer um das Wort "zusammen" kreisten. Amthor meinte, "wir haben den Anspruch, bei der Wahl im nächsten Jahr stärkste Partei zu werden." Deshalb sei es wichtig "zusammenzustehen", die Partei "noch mehr zusammenzuführen" und zwar in Richtung "auf das gemeinsame Ziel".

Hoffmeister hörte aufmerksam zu, hinter den beiden leuchtete ein CDU-Aufsteller aus anderen Zeiten: "MV - mit Vernunft" war da als CDU-Motto zu lesen, viele übersetzen das Landeskürzel noch immer anders: "MV - mit Vincent" könne das heißen, meinen sie. Eben ein Vermächtnis des Ex-Partei- und Fraktionschefs Vincent Kokert, der Ende Januar überraschend seinen Rückzug erklärt hatte und die Partei in einer Art Schockstarre zurückließ. Die löst sich langsam.

Frage der Spitzenkandidatur noch offen

Eine zentrale Frage ließ Amthor aber unbeantwortet: Das war die nach der Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl im kommenden Jahr. Diese Frage stehe gar nicht an, die werde zu "gegebener Zeit" entschieden. Es gehe jetzt eben nicht um Personalfragen, sondern um Inhaltliches. "Ich habe immer gesagt, dass der Landesvorsitzende auch immer das erste Zugriffsrecht auf die Spitzenkandidatur hätte", so Amthor. Wie er sich am Ende entschiedet, ließ er offen.

Am 19. Juni Entscheidung über Parteitagstermin

Eine deutliche Empfehlung kam aus Rostock vom kommissarischen CDU-Landesvorsitzende Eckhardt Rehberg. Er finde es wichtig, so der Bundestagsabgeordnete, "dass dann der Landesvorsitz und die Spitzenkandidatur in eine Hand gehören." Das aber müsse Amthor für sich selbst entscheiden. Am 19. Juni will der CDU-Landesvorstand entscheiden, wann es den Wahl-Parteitag für Amthor gibt - angepeilt wird ein Wochenende im August.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 09.06.2020 | 16:10 Uhr

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