Stand: 29.03.2017 15:32 Uhr

Briten aus MV zum Brexit: "Ein Fehler"

von Katrin Kahlke, NDR 1 Radio MV
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Für den früheren Landesrabbiner in MV, William Wolff, ist der Brexit ein großer historischer Fehler. (Archivbild)

Raus aus der EU ohne Kompromisse. Das tut so manchem Bürger des Vereinigten Königreichs richtig weh. Aber auch bei den in Mecklenburg-Vorpommern lebenden Menschen von der Insel löst der Schritt Bedauern aus. Der wohl prominenteste Brite im Nordosten ist der ehemalige Landesrabbiner William Wolff. Der 90-Jährige lebt in London und in Schwerin und kann dem Brexit überhaupt nichts abgewinnen: "Es gibt in England einen Ausdruck, der sagt, wenn man sich selbst einen Schaden antut, dass man sich in den Fuß geschossen hat. Mit dem Brexit hat England sich in beide Füße geschossen."

William Wolff: "Einer der größten historischen Fehler"

Wolff studierte Nationalökonomie und war in den 1970er-Jahren ein angesehener Journalist beim "Daily Mirror". Sein Spezialthema: der Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Gemeinschaft. William Wolff weiß also, wovon er spricht, wenn seine Meinung zum Thema Brexit gefragt ist: "Das wird dem Land viele Arbeitsplätze kosten und auch einen gewissen Lebensstandard. Das ist einer der größten historischen Fehler, die das Land jemals begangen hat."

393 Briten leben im Nordosten

Andere der insgesamt 393 Bürger Großbritanniens, die in Mecklenburg-Vorpommern leben, sehen das ähnlich. Philip Ward zum Beispiel. Er ist Übersetzer und Englischlehrer und seit vielen Jahren mit einer Schwerinerin verheiratet. Ward besitzt beide Staatsbürgerschaften, die britische und die deutsche. Und Philip Ward hat mit abgestimmt - für den Verbleib Großbritanniens in der EU: "Ich fühle mich natürlich als Europäer, bin hier in Deutschland wohnhaft und meiner Meinung nach sind wir ein Teil von Europa." Der Brexit werde Vieles ändern, sagt Ward. Er hoffe darauf, dass die Politiker nun die richtigen Entscheidungen treffen: "Es liegt in beiderseitigem Interesse, dass man vernünftige Handelsabkommen aushandelt. Es gibt sehr viele Arbeitsplätze in Deutschland, die vom Export abhängig sind." Einfuhrzölle hätten negative Auswirkungen für die Exportwirtschaft.

Philip Ward: Abwarten und Teetrinken

Philip Ward ist auch Vorsitzender der Deutsch-Britischen Gesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder zum Stammtisch. Auch da war und ist der Brexit Thema: "Fast alle Mitgleider sind darüber enttäuscht. Aber es war eine demokratische Wahl. Man kann es nicht rückgängig machen." Das sei schade, denn insbesondere die jüngeren Menschen seien mehrheitlich für den Verbleib in der EU gewesen. Ob Fehler oder nicht - das werde sich noch zeigen, meint Ward. Seine Devise: Abwarten und Teetrinken.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 29.03.2017 | 16:10 Uhr

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