Stand: 21.03.2017 15:10 Uhr

Brexit bedroht Fischwirtschaft im Nordosten

Der deutsche Hochseefischerei-Verband sieht die Fischwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern durch den Brexit bedroht. Durch Großbritanniens Austritt aus der EU könnten auch die Fangrechte für deutsche Fischer wegfallen. In der kommenden Woche wollen die Briten ihre Austrittserklärung aus der EU abgeben. Fünf von sechs Heringen auf dem deutschen Markt werden in britischen Hoheitsgewässern gefangen, sagte ein Sprecher des deutschen Hochseefischerei-Verbandes in Hamburg.

Rügener Werk zu 90 Prozent vom Nordseehering abhängig

Falls der harte Brexit komme und man den Zugang verlieren würde, werde das extreme Folgen für die Hochseefischerei haben. Besonders betroffen sei die Fischverarbeitung Euro-Baltic in Sassnitz-Mukran auf Rügen. Das Werk sei bis zu 90 Prozent abhängig vom Nordseehering, der aus britischen Gewässern stamme, bestätigte Euro-Baltic-Geschäftsführer Uwe Richter. Sollten die Fangrechte tatsächlich wegfallen, wäre nicht nur das Werk betroffen sondern auch regionale Zulieferer. Bei einer Schließung würden dort 230 Jobs verloren gehen, weitere 200 bei Dienstleistern in der Region.

Caffier: Länder an Brexit-Verhandlungen beteiligen

Die Sorge um mögliche Brexit-Auswirkungen für die Länder treibt derweil auch die Landesregierung um. Das Kabinett beschloss am Dienstag einen Dringlichkeitsantrag für die Bundesratssitzung am 31. März. Hintergrund ist ein Beschluss der Europaministerkonferenz (EMK), in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, die Bundesländer an den Brexit-Beratungen zu beteiligen. Die Länder seien auf vielfältige Weise von den europapolitischen Auswirkungen des Brexits betroffen, teilte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) mit. Dies sei unter anderem in den Bereichen Handel, Wissenschaft, Datenschutz, Agrarpolitik und Fischerei der Fall.

Die Europaminister der Länder hatten bei einem Treffen in Brüssel vor zwei Wochen die Bundesregierung aufgefordert, die Länder rechtzeitig an den Beratungen zur Festlegung der Position der Bundesregierung für die Brexit-Verhandlungen zu beteiligen. Zudem wollen sie in die Ratsarbeitsgruppe Brexit und an den gesetzgeberischen Maßnahmen zur Anpassung an den Brexit auf nationaler Ebene einbezogen werden. Nun soll das Votum der Bundesländer über den Bundesrat folgen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.03.2017 | 15:00 Uhr

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