Stand: 10.10.2018 15:04 Uhr

Brexit: Lauter Fragezeichen für Firmen in MV

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NKS produziert auch für den britischen Markt - noch.

Seit fast 220 Jahren wird in Neu Kaliß (Landkreis Ludwigslust-Parchim) Papier produziert und in die ganze Welt exportiert. Heutzutage wird im Werk von Neu Kaliss Spezialpapier (NKS) der Grundstoff für die Tapetenherstellung hergestellt: 200 Meter in der Minute - für China, Russland, die USA, die EU. Jeder zehnte Meter geht direkt oder indirekt ins Vereinigte Königreich - noch. NKS-Geschäftsführer John Paul Fender, gebürtiger Brite, hofft, dass sich EU und Großbritannien doch noch auf einen freien Handel verständigen.

Der Hersteller von exklusiven Tapeten Neu Kaliss schult seine Mitarbeiter bereits in Zollformalitäten.

Brexit-Vorbereitungen in MV

Nordmagazin -

Im Hinblick auf den Brexit schult der Tapeten-Hersteller Neu Kaliss Spezialpapier seine Mitarbeiter bereits in Zollformalitäten. Jede zehnte Rolle geht nämlich nach Großbritannien.

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Pro Auftrag zwei Büro-Stunden mehr

"Sollte das aber nicht so ausgehen, dann müssen wir uns zumindest auf mehr Verwaltungsaufwand einstellen", sagt Fender. Das heißt konkret: Es werde mehr Zollformalitäten, Ausfuhranmeldungen, aber möglicherweise auch Einfuhrzölle und natürlich auch erhöhtes Währungsrisiko geben. "Sprich: Unsere Produkte werden in Großbritannien auf jeden Fall teurer." Allein pro Auftrag rechnet Fender mit zwei zusätzlichen Arbeitsstunden im Büro - nur für die Zollformulare. Besondere Zertifikate oder Ähnliches sind dabei noch gar nicht eingerechnet.

"Eines ist klar: Es wird viel, viel teurer."

Doch es ist völlig unklar, was genau am 29. März passiert: Die Industrie- und Handelskammern (IHK) bereiten ihre Mitglieder so gut es geht vor. "Wir haben eine Brexit-Checkliste veröffentlicht in den verschiedenen Bereichen - ob es um Verträge geht, Logistik, Handel", sagt Volker Treier, Außenwirtschafts-Chef des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK). "Eines ist klar: Es wird viel, viel teurer."

Lauter Fragezeichen

Zahlen, wie viele Unternehmen der Brexit betrifft, gibt es nicht - zumal die Auswirkungen mitunter auch Firmen zu spüren bekommen, die gar keine direkten Beziehungen zum Vereinigten Königreich unterhalten, wie Treier erklärt. Manche Unternehmen wüssten heute noch gar nicht, dass sie am Ende einen Kunden, den sie selbst gar nicht kennen, in Großbritannien sitzen haben. Sie müssten sich völlig umstellen bezogen auf das, was heute gelte, so Trier weiter: "Das macht die ganze Sache so unsicher."

Schnell noch viel Papier auf die Insel?

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Der drohende Brexit bereitet NKS-Geschäftsführer John Paul Fender einiges Kopfzerbrechen.

Der Papierhersteller aus Neu Kaliß überlegt nun, seinen Kunden auf der Insel im Februar große Chargen seines Spezialpapiers zu schicken. So könnten die Tapetenfabriken in Großbritannien zumindest die ersten Monate nach einem harten Brexit überbrücken, bis sich alles Weitere eingespielt hat. Eine persönliche Entscheidung ist für John Paul Fender aber schon gefallen: Er hat jetzt auch einen deutschen Pass.

Brexit-Riss geht durch Familien

Fender hat vor allem gestört, dass Briten wie er, die in Europa leben, bei der Brexit-Abstimmung gar nicht gefragt wurden: "Ich will Teil der Demokratie werden, nicht nur Opfer von sogenannten demokratischen Entscheidungen." Fender fühlt sich als Vater von deutschen Kindern, verheiratet mit einer deutschen Frau und gebürtig aus Großbritannien richtig als Europäer. "Und ich möchte, dass das so bleibt." Fenders Mutter und Schwester in England haben übrigens für den Brexit gestimmt. Der Riss zwischen Europa und dem Vereinigten Königreich geht mitten durch Familien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.10.2018 | 16:10 Uhr

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