Stand: 16.04.2019 16:19 Uhr

Brandschutz in kulturhistorischen Gebäuden?

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Verwinkelt und von Wasser umschlossen - das könne im Brandfalle auch für Probleme sorgen. Insgesamt sei der Brabndschutz aber gut aufgestellt.

Wie Das Feuer in der Kathedrale Notre Dame in Paris gezeigt hat, ist der Brandschutz solch großer, alter Gebäude schwierig. Zwar sind die Kirchen und Kulturdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern deutlich kleiner, jedoch teilweise kaum jünger als das Wahrzeichen von Paris. Allein in Mecklenburg-Vorpommern gibt es mehrere hundert Kirchen und Kapellen. Die ältesten wurden ebenso wie Notre Dame im 12. und 13. Jahrhundert erbaut, die meisten von ihnen stehen unter Denkmalschutz.

Brandschutz in der Verantwortung der Gemeinden

Deike Möller, stellvertretende Baudezernentin der Nordkirche, sagte zu NDR 1 Radio MV, jede Kirchgemeinde sei verpflichtet, den vorbeugenden Brandschutz einzuhalten. Das liege in der Verantwortung jeder einzelnen Gemeinde, allerdings nicht ohne Unterstützung. Man berate die Kirchengemeinden entsprechend, dazu gehöre, dass dafür Sorge getragen werde, dass elektrische Anlagen wie Kirchenheizungen, Soundlagen sowie bewegliche Geräte und Blitzschutzeinrichtungen regelmäßig überprüft und gewartet würden.

Kaum Rauchmelder oder Sprinkleranlagen in Kirchen

Im Kirchenkreis Mecklenburg sei der Brandschutz ausreichend, sagt Bau-Fachbereichsleiter Kurt Reppenhagen und auch er meint vor allem den vorbeugenden Brandschutz. Rauchmelder gebe es allerdings nicht in vielen Kirchen. Oftmals sei dies auch gar nicht sinnvoll, so Reppenhagen, im Brandfall müssten die Melder direkt mit der Feuerwehr verbunden sein, damit sie gehört werden. Flächendeckend sei dies unmöglich. Das Gleiche gelte für Sprinkleranlagen und Wassertanks unter Kirchendächern. In den historischen Bauten sei es oftmals nicht möglich.

Einmalige Löschanlage in Kulturerbestadt

In der St. Georgen Kirche in der UNESCO-Welterbestadt Wismar hingegen ist der Brandschutz vorbildlich. Beim Wiederaufbau sei viel in den Brandschutz investiert worden, mehr Brandschutz sei nicht möglich, sagte Frank Riesner von der Hochschule Wismar. So wurde eine komplette Löschanlage im Dach eingebaut - mit modernem Frühwarnsystem und Steigleitungen, über die Feuerwehrleute Wasser in den Dachstuhl pumpen können. Ähnlich sind die Anlagen auch in St. Nikolai und im Turm der Wismarer Marienkirche. Da dieser mehr als 80 Meter hoch ist, gibt es auf 23 Metern eine zusätzliche Pumpe, damit das Löschwasser auch ganz oben ankommt. Im Schweriner Dom gebe es immerhin Feuerlöscher. Laut Domprediger Volker Mischok gebe der Brand von Notre Dame jedoch Anlass, neue Sicherheitsgespräche zu führen.

Brandschutz im Schloss: "Wir sind gut aufgestellt"

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In Wismar sei der Brandschutz bei St. Georgen allein vorbildlich, in anderen Kirchen, wie in der Nikolaikirche, sieht es nicht ganz so gut aus.

Ein anderes kulturhistorisch wichtiges Gebäude im Land ist das Schweriner Schloss. Landtagsdirektor Armin Tebben zufolge sind die Sicherheitsbehörden hochsensibilisiert, vor allem mit Blick auf die Bauarbeiten am Schloss. Für Landtagsdirektor Armin Tebben ist klar: Eine hundertprozentige Sicherheit könne es nicht geben. Aber dass ein Brand wie der in der Kathedrale Notre Dame sich so schnell ausbreitet und so schwer zu bekämpfen ist, dass schließe er für das Schweriner Schloss eigentlich aus. "Wir sind gut aufgestellt." Schon wegen der Geschichte ist man in Schwerin gewarnt: Im Dezember 1913 brannte das Schweriner Schloss lichterloh, damals vernichteten die Flammen ein Drittel des Gebäudes, auch weil die Feuerwehr überfordert war.

Auf dem Weg zum Weltkulturerbe

Tebben sagt heute: "Wir stehen da in der Verantwortung." Der Residenz-Bau aus dem 19. Jahrhundert soll Weltkulturerbe werde, er gilt als ein Wahrzeichen des Landes und zieht Jahr für Jahr tausende Touristen an. Damals hätten sich die Schäden reduzieren lassen, wenn man beim Brandschutz besser vorbereitet gewesen wäre, so der Landtagsdirektor. In den vergangenen Jahren sei viel für den Brandschutz am und im Schweriner Schlosse getan worden. Oberstes Ziel sei, Brände gar nicht erst entstehen zu lassen.

Extra-Brandschutz-Konzept für den Plenarsaal

Bei Baustellen im Inneren wie im alten Plenarsaal gebe es zum Beispiel für jede Maßnahme ein Extra-Brandschutzkonzept, das vor allem Schweißarbeiten besonders unter die Lupe nimmt. Da geht es um die Frage: Wie wird es gemacht und wer macht es? "Weil das Arbeiten sind, die Gefahren bergen", so Tebben. Außerdem sind zwei neue Löschwasser-Stellen am Haupt- und am Südportal entstanden, damit im Brandfall genügend Wasser vorhanden ist. Das Schloss ist mit Brandmeldern ausgestattet, die sofort Alarm bei der Feuerwehr auslösen. Gebäudeteile, in denen keine Brandmelder installiert sind, werden regelmäßig per Streife kontrolliert. Dazu gibt es Brandschutz-Türen und Rauchabzugsanlagen.

"Absoluten Schutz kann es nie geben"

Die Feuerwehr heute ist vorbereitet, sagt auch der Chef der "Gefahrenabwehr" bei der Schweriner Berufsfeuerwehr, Frank Neukirchen. Er verweist auf klare Einsatzpläne und macht klar: Im Brandfall stehe auch im Schloss die Rettung von Menschenleben an erster Stelle. Problematisch sei allerdings, so Neuenkirchen weiter, das Schloss sei verwinkelt und auf einer Insel gelegen. Drehleitern könnten nur an ganz wenigen Stellen anlegt werden. Außerdem erfülle das Schloss als historisches Gebäude moderne Brandschutzbestimmungen eher nicht. "Die alten Baumaterialen wie Holz oder Plisterdecken mit Pappmaché stellen uns wirklich vor eine echte Herausforderung." Für den Experten ist klar: Bei aller Vorbereitung sei ein Brand nie auszuschließen, absoluten Brandschutz könne es nicht geben, denn "am Ende bleibt immer der Faktor Mensch."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.04.2019 | 18:10 Uhr

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