Stand: 20.08.2019 14:34 Uhr

Bevölkerung: Rostock wächst, Demmin schrumpft

Die Bevölkerungsstruktur in MV verändert sich bis 2040 teils deutlich.(Archivbild)

Die Landesregierung geht bei ihren Planungen weiter von einer schrumpfenden Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern aus, rechnet aber mit einem deutlich langsameren Rückgang als bisher. Von derzeit etwa 1,61 Millionen werde die Einwohnerzahl bis 2030 voraussichtlich auf rund 1,58 Millionen sinken und bis 2040 auf 1,53 Millionen, erklärte Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) in Schwerin bei der Vorlage der neuen Bevölkerungsprognose. Das wäre ein Minus von fünf Prozent bis 2040. "Die Zeiten, in denen Mecklenburg-Vorpommern deutlich Einwohner verliert, liegen hinter uns", so Pegel.

Migranten und Rückkehrer dämpfen das Minus

Laut Prognose verliert das Land im kommenden Jahrzehnt etwa 70.000 Einwohner weniger als noch 2012 vorhergesagt. Als Gründe werden stabilere Geburtenzahlen, die Zuwanderung von Migranten und vor allem die zunehmende Rückkehr von Abgewanderten in ihre Heimat angeführt. Die Geburtenzahl liegt laut Pegel mit etwa 13.000 im Jahr zwar immer noch deutlich unter der jährlichen Zahl der Sterbefälle von etwa 20.000. Doch verzeichne Mecklenburg-Vorpommern inzwischen die höchste Geburtenrate in Ostdeutschland.

West-Ost- und Stadt-Land-Gefälle

Die Entwicklungen sind regional sehr unterschiedlich und teilweise gegensätzlich. Generell ist die Prognose von einem West-Ost- sowie einem Stadt-Land-Gefälle gekennzeichnet. So wird den Städten Rostock und Schwerin ein Einwohner-Plus um 7,8 bzw. 3,2 Prozent auf 224.000 bzw. 99.000 vorhergesagt.

Alle Landkreise mit Einbußen - im Osten besonders

Große Rückgänge gibt es dagegen im flächenmäßig größten Landkreis Deutschlands, Mecklenburgische Seenplatte, mit einem Minus von rund 34.000 Einwohner (13 Prozent) auf rund 227.000 Einwohner. Ein ähnlicher Schwund (-12 Prozent) könnte auf den Kreis Vorpommern-Greifswald zukommen. Moderater fallen die Rückgänge im Westen aus (Nordwestmecklenburg -4,6 Prozent, Ludwigslust-Parchim -6,4 Prozent). Im Landkreis Rostock bleibt die Einwohnerzahl laut Prognose nahezu konstant (-0,5 Prozent).

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2040 ist in den Landkreisen jeder Dritte älter als 67

Laut Prognose verschiebt sich insbesondere in den Landkreisen die Altersstruktur der Einwohner. 2040 wird in allen Kreisen jeder Dritte älter als 67 Jahre sein. In der Seenplatte liegt der Anteil der Senioren sogar bei 36,4 Prozent. Für Rostock und Schwerin wird zwar auch ein zunehmender Altenanteil prognostiziert. Allerdings ist diese Bevölkerungsgruppe mit 23,8 Prozent (Rostock) und 27,7 Prozent (Schwerin) deutlich kleiner als auf dem Land. Diese Entwicklung werde auch Auswirkungen auf die Anforderung an die medizinische Versorgung und Pflegeeinrichtungen haben. Landesweit werde die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter von jetzt 980.000 im nächsten Jahrzehnt auf 827.000 sinken. "Darauf müssen wir uns und müssen sich die Betriebe einstellen", sagte Pegel.

Region Demmin verliert fast ein Drittel seiner Bevölkerung

Erstmals wurden die Berechnungen stärker regionalisiert und auf 22 sogenannte Mittelbereiche ausgedehnt. Diese umfassen jeweils einen größeren Ort und die mit ihm verflochtenen umliegenden Gemeinden. Pegel verwies jedoch auf eine größere Unsicherheit bei den kleinräumigen Berechnungen. Nur die Mittelbereiche Rostock/Bad Doberan (+6 Prozent), Schwerin (+0,4 Prozent) und Greifswald (+2,6 Prozent) verzeichnen Zuwächse. Für den Mittelbereich Demmin wird hingegen sogar ein Bevölkerungsminus von 29,8 Prozent vorhergesagt. Trotz der negativen Prognose will die Landesregierung weiter auf die Gestaltung ländlicher Räume setzen. Pegel geht davon aus, dass aus der Millionenmetropole Berlin wegen des wachsenden Mietdrucks immer mehr Menschen nach alternativen Wohn- und Lebensorten suchen. Profitieren könnten die Seenplatte oder das südliche Vorpommern .

Grundlage für Planungen der Verwaltung

Die Bevölkerungsprognose dient als Grundlage für künftige Planungen der Landesverwaltung. Dazu gehört die Schulplanung, die Bereitstellung von Kita-Plätzen oder die medizinische Versorgung. Pegel betonte, dass sie nicht unverrückbar sei. "Die tatsächliche Einwohnerentwicklung kann durch verschiedene Ereignisse, Entscheidungen und Handeln auf allen Ebenen von der Prognose abweichen - im Guten wie im weniger Guten."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.08.2019 | 16:00 Uhr

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