Stand: 05.12.2019 14:35 Uhr

Bauernverband will mehr Mess-Stellen für Grundwasser

Von Franziska Drewes, NDR 1 Radio MV

Ein Traktor zieht einen Güllewagen über ein Feld und versprüht Gülle. © dpa-Bildfunk Foto: Ingo Wagner
Durch die Gülle aus den Ställen gelangt Nitrat ins Grundwasser.

Anlässlich des Weltbodentags am 5. Dezember hat sich der Landesbauernverband dagegen gewehrt, die Landwirte als „Übeltäter schlechthin“ darzustellen, wenn es um die hohe Nitratbelastung im Grundwasser geht. Der Verband räumt ein, dass die landwirtschaftliche Düngung eine wichtige Ursache ist. Über ausgebrachte Gülle gelange Nitrat in die Böden. Aber es würde zu wenig nach anderen Verursachern geschaut, die ebenfalls berücksichtigt werden müssten. Dafür sprach sich der Pflanzenschutzexperte des Landesbauernverbandes, Frank Schiffner, im Gespräch mit NDR 1 Radio MV aus.

Defekte Kanalisationen berücksichtigen

Der Landesbauernverband fragt sich, welche Rolle zum Beispiel defekte Kanalisationen oder Kläranlagen in jenen Regionen spielen, die als stark belastet gelten. Zudem bemängelte Schiffner die zu geringe Zahl an Grundwasser-Messstellen in Mecklenburg-Vorpommern. Dadurch ergebe sich ein verzerrtes Bild für die sogenannten roten Gebiete. Als "rote Gebiete" werden die Regionen bezeichnet, die zu hohe Nitratwerte aufzeigen. Eine definierte Region wird als Grundwasserkörper bezeichnet. Innerhalb dieser könne es belastete und nicht belastete Bereiche geben, so der Bauernverband. Derzeit werde jedoch die gesamte Region als rot markiert, wenn an einer Stelle eine zu hohe Belastung erfasst wird. Außerdem wird nach Angaben des Bauernverbandes teilweise an ungeeigneten Standorten -  beispielsweise in Wohnsiedlungen, an Kiesgruben oder Deponien – gemessen. Diese würden nicht den landwirtschaftlichen Einfluss auf die Nitratwerte erfassen.  

100 neue Messstellen bis 2021

Für das Schweriner Landwirtschaftsministerium ist es unstrittig, dass es zu wenig Messstellen gibt. Bis 2021 sollen 100 neue Grundwasser-Messstellen eingerichtet werden. Momentan gibt es 375 Grundwasser-Messstellen. Gleichzeitig verwies das Ministerium auf Berechnungen, die belegen, dass die Düngung zu 66 Prozent verantwortlich ist für zu hohe Stickstoffeinträge über den Boden ins Grundwasser. Und ein wesentlicher Inhaltsstoff von Stickstoff ist Nitrat. Auch Einträge aus kleinen Kläranlagen, defekten Kanalisationen oder aus der Düngung von Kleingärtnern wurden analysiert. Sie machen laut Agrarministerium ein Prozent aus.

Grenzwert bei 50 Milligramm

Der EU-Grenzwert für Nitrat im Grundwasser liegt bei 50 Milligramm je Liter. Die Europäische Union mahnt an, dass in 28 Prozent der deutschen Grundwasserspeicher dieser Grenzwert überschritten ist. Dies gilt auch vielerorts in Mecklenburg-Vorpommern. Hierzulande sind mehr als ein Drittel der Grundwasser- Messstellen betroffen. Das Landwirtschaftsministerium will das Grundwasser stärker schützen, auch um mögliche EU-Strafen zu umgehen. 2018 hatte der Europäische Gerichtshof festgestellt, dass Deutschland die Nitrat- Richtlinie verletzt hat. Daraufhin wurde die Düngeverordnung angepasst. Experten gehen davon aus, dass die bis dato geltenden Dünge-Regelungen Anfang 2020 noch einmal verschärft werden.

Ministerium legt 36 Projekte auf 

Um das Grundwasser in Mecklenburg-Vorpommern stärker zu schützen, hat das Agrarministerium in Schwerin 36 Projekte ins Leben gerufen. Vor allem landwirtschaftlich genutzte Flächen sind im Fokus. Unter anderem entstehen derzeit um Gewässer Randstreifen, die dann landwirtschaftlich nicht mehr genutzt werden dürfen. Auch Moorschutzmaßnahmen gehören dazu, wie zum Beispiel die Wiedervernässung von Mooren oder auch waldbauliche Maßnahmen, um die Nährstoffbelastungen zu mindern. das Landwirtschaftsministerium strebt eine naturnahe Forstwirtschaft an und will Waldmoore revitalisieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.12.2019 | 12:00 Uhr

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