Stand: 08.01.2020 15:18 Uhr

Bauernverband fordert: Düngeverordnung neu aufrollen

Ein Landwirt bringt Gülle als Dünger auf einem Feld aus. © dpa Foto: Philipp Schulze
Der Bauernverband stellt sich hinter die Forderung der Initiative "Land schafft Verbindnung", die Düngeverordnung neu aufzurollen. (Archivbild)

Der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern lehnt die geplante neue Düngeverordnung ab und fordert in der Agrarpolitik 2020 einen Kurswechsel. Das erklärte Verbandspräsident Detlef Kurreck auf der traditionellen Jahresauftaktkonferenz am Mittwoch in Priborn (Mecklenburgische Seenplatte). Der Bauernverband stehe mit seiner Forderung hinter der Initiative "Land schafft Verbindung", die seit Wochen immer wieder auf den Straßen demonstriert hatte, hieß es. Die Proteste sollen fortgesetzt werden.

Düngeverordnung sollte neu aufgerollt werden

Die Düngeverordnung sieht eine drastische Reduzierung der Düngemengen in Gebieten vor, in denen eine erhöhte Nitratbelastung des Grundwassers gemessen wurde. Das betreffe in Mecklenburg-Vorpommern mit 260.000 Hektar etwa 20 Prozent der Agrarflächen, so Kurreck. Er monierte die Art und Weise der Messungen. Diese würden in jedem EU-Staat und in jedem Bundesland anders gehandhabt. "Wir wollen, dass die Bewertung der belasteten Gebiete deutlich zielgenauer erfolgt", so Kurreck weiter. Studien zeigten, dass bei etwa der Hälfte der Messstellen nicht die Landwirtschaft Schuld an der Belastung sein könne. "Die Düngeverordnung komplett neu aufzurollen, wäre für uns die beste Lösung", sagte Kurreck.

Landwirte: Düngung bedarfsgerecht umgestellt

Verbands-Hauptgeschäftsführer Martin Piehl monierte, es fehle eine Folgeabschätzung für den ökologischen, ökonomischen und sozialen Bereich. Bei dem geforderten Dünge-Verzicht sei mit Einbußen von mindestens 100 Euro pro Hektar zu rechnen. Damit würden der Landwirtschaft im Land 26 Millionen Euro Einnahmen fehlen. Man sehe zwar, welche Probleme die Wasserwerke im Land mit den steigenden Nitratwerten in ihren Brunnen hätten, allerdings sei diese Nitratbelastung vor 20 Jahren entstanden. Inzwischen hätten die Betriebe ihre Düngung längst bedarfsgerecht umgestellt.

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Gefahr der Überproduktion von Bio-Getreide droht

Der Bauernverband erklärte, dass auch die Umstellung auf Öko-Landbau die Probleme nicht löse. "Auch Öko funktioniert nur mit Düngung. Stickstoff, Phosphor, Magnesium müssen in den Boden", sagte der Geschäftsführer der Vipperower Agrar GmbH, Joachim Gawlik, Mitgesellschafter in einem Bio-Betrieb. Ein Riesen-Problem des Ökolandbaues sei derzeit die Überproduktion - vor allem bei Bio-Getreide. Immer mehr Betriebe würden umstellen, die Konsumenten jedoch würden nicht im gleichen Maße zu Bio-Ware greifen.

Viele Bio-Bauern "bitter enttäuscht"

Nach Angaben von Vize-Bauernpräsident Manfred Leberecht sind zahlreiche Landwirte, die in den vergangenen Jahren auf Bio umgestellt hätten, mittlerweile bitter enttäuscht. Sie müssten ihre Produkte oft zu den viel geringeren konventionellen Preisen verkaufen. Bio-Waren aus dem Ausland, wo oft nach niedrigeren EU-Standards produziert werde, seien dagegen billiger. Zudem habe Bio einen Marktanteil von fünf bis sechs Prozent, der Flächenanteil sei aber viel höher. In Mecklenburg-Vorpommern werden den Angaben zufolge zwölf Prozent der Agrarfläche ökologisch bewirtschaftet, 20 Prozent der Unternehmen sind Bio-Betriebe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 08.01.2020 | 16:10 Uhr

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