Stand: 21.02.2020 19:11 Uhr

Bauernverband MV kritisiert neue Düngeregeln

Ein Landwirt verteilt Gülle auf einem Feld nahe der Ortschaft Holthusen II (Landkreis Uelzen). © picture-alliance Foto: Philipp Schulze
Die Politik will eine geringere Belastung des Bodens mit Dünger und Pestiziden. (Archivbild)

Der Bauernverband von Mecklenburg-Vorpommern kritisiert die von Bundesregierung und EU-Kommission verabredeten schärferen Dünge-Vorgaben für deutsche Bauern. Im Gespräch mit NDR 1 Radio MV äußerte sich Landesbauernpräsident Detlef Kurreck enttäuscht. Er kritisierte das pauschale Ausweisen von Flächen und forderte Nachbesserungen. Nach Kurrecks Aussage ist es inzwischen sehr genau möglich, mit Technik herauszufinden, an welchen Stellen Böden zu stark belastet sind. Er hätte sich eine bessere Aufarbeitung und mehr Sorgfalt gewünscht, um mögliche andere Verursacher solcher Verunreinigungen auszumachen. Nur so könne man die Ursachen zielgerichtet abstellen, so der Bauernpräsident.

Bundesrat muss Kompromiss noch zustimmen

Im Kern geht es in dem seit Jahrzehnten andauernden Dünge-Streit zwischen Deutschland und der EU um den Schutz des Wassers vor zu viel Nitrat. Vor allem in landwirtschaftlichen Gebieten ist das Grundwasser in Deutschland zu stark belastet. Nach der Einigung zwischen der EU-Kommission und der Bundesregierung sind jetzt die Bundesländer gefragt. Der Kompromiss muss noch von ihnen im Bundesrat angenommen werden. Die EU-Kommission werde auf Grundlage der nun vorliegenden Verordnung keine Klage gegen Deutschland einleiten, hieß es dazu am Freitag aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium.

Neue Einschränkungen beim Düngen

Endgültig abgewendet seien mögliche Strafzahlungen für Deutschland in Höhe von bis zu 850.000 Euro pro Tag damit aber nicht, so eine Sprecherin. Denn die Länder müssen der Verordnung am 3. April im Bundesrat noch zustimmen. Zuletzt gab es viel Kritik daran. Umwelt- und Agrarministerium machten in Berlin klar, dass es wenig Spielraum für Änderungen gebe. Die neue Verordnung sieht zahlreiche Einschränkungen für Bauern beim Düngen vor. Unter anderem soll in sogenannten roten Gebieten, also den Flächen mit einer besonders hoher Nitrat-Belastung, 20 Prozent weniger Dünger ausgebracht werden. Wie sie das genau umsetzen, bleibt aber den Landwirten überlassen. Zwischen Düngeflächen und Gewässern soll mehr Abstand bleiben und die Zeiten, in denen nicht gedüngt werden darf, sollen ausgeweitet werden. Vorgesehen ist aber auch, innerhalb der roten Gebiete genauer zu unterscheiden, wo die Grenzwerte wirklich überschritten werden.

Kritik kommt auch vom Bundesbauernverband

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, pochte auf schnelle Rechtssicherheit und Klarheit sowie eine differenzierte Abgrenzung der Roten Gebiete. Es wäre der "Supergau", wenn Landwirte "ungerechtfertigt immense Auflagen erfüllen müssten", weil die Verwaltungsvorschrift nicht fristgemäß umgesetzt würde. Die geplante Deckelung der Düngung bei 80 Prozent lehnt der Verband ebenso ab wie andere Details der Verordnung. Der Bundesrat müsse Erleichterungen schaffen für Betriebe, die Gewässer schonend wirtschafteten, forderte Rukwied.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 21.02.2020 | 18:00 Uhr

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