Stand: 19.08.2019 06:00 Uhr

Bahnstrecken in MV: Stilllegungen beantragt

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Die Stilllegung von zwei Strecken im Nordosten wurde beantragt. (Symbolbild)

Die Stilllegung von weiteren Bahnlinien in Mecklenburg-Vorpommern rückt näher. Der Betreiber der Strecken zwischen Parchim und Malchow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) sowie zwischen Güstrow (Landkreis Rostock) und Plau am See (Landkreis Ludwigslust-Parchim) hat jetzt das nötige Verwaltungsverfahren in Gang gesetzt. Die private Regio-Infra-Nordost hat den Antrag auf Streckenstilllegung ans Verkehrsministerium in Schwerin geschickt. Diesen Schritt hatte das Unternehmen mit Sitz in Putlitz im Norden Brandenburgs bereits im April angekündigt.

Begründung: Fehlende Nahverkehrszüge

Eine Ministeriumssprecherin bestätigte auf Anfrage von NDR 1 Radio MV den Eingang, das Ministerium sei als Eisenbahnaufsichtsbehörde zuständig. In dem Verfahren werden üblicherweise Betroffene angehört, unter anderem die Kommunen. Die beiden Strecken sollen dann bis Ende 2020 stillgelegt werden, sie könnten anschließend abgerissen werden. Grund für das Aus ist nach Angaben der Regio-Infra die fehlende Bereitschaft des Landes, dort Züge im Nahverkehr rollen zu lassen. Außerdem gebe es keine Finanzhilfen, um die Strecken instand zu halten.

Linksfraktion und Initiativen kritisieren Verkehrsminister

Das Land hatte den Nahverkehr dort wegen fehlender Fahrgäste schon 2013 abbestellt, als Ersatz fahren Busse. Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) hatte mehrfach erklärt, ein Zugbetrieb auf der Strecke sei zu teuer. Kritik an der Haltung des Ministers kommt von der Linksfraktion im Landtag und Bürgerinitiativen. Sie beklagen, dass der ländliche Raum abgehängt werde und die Bahn als Verkehrsmittel der Zukunft keine Chance habe. Bahnexperten erklärten, die betroffenen Strecken seien auch Ausweichstrecken für den wichtiger werdenden Güterverkehr.

Seit 1994 rund 300 Kilometer Strecke stillgelegt

Auch Pegels SPD macht sich für Bahnfahren in Ostdeutschland stark. Die Sozialdemokraten hatten im Frühjahr in ihrem Erfurter "Zukunftsprogramm Ost" gefordert, Bahnstrecken im ländlichen Raum zu erhalten. In Mecklenburg-Vorpommern sind nach einer Statistik des Eisenbahnbundesamtes seit Ende 1994 rund 300 Kilometer Schiene stillgelegt worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.08.2019 | 06:00 Uhr

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