Stand: 06.02.2019 18:06 Uhr

Bahnpolitik in MV bleibt Streitthema

Der Zorn und Frust über die Bahnpolitik Mecklenburg-Vorpommerns wollen nicht verrauchen - der öffentliche Personennahverkehr ist ein Dauerstreitthema. Einer Studie des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung nach ist kein Bundesland schlechter mit Bus und Bahn zu erreichen als Mecklenburg-Vorpommern. Eine besonders große Lücke klafft demnach dort, wo bis vor drei Jahren noch die Südbahn fuhr - zwischen Parchim und Malchow. Andere ähnlich strukturierte Regionen der Bundesrepublik stehen laut Studie deutlich besser da.

Regionalbahn fährt einen Bahnhof an.

Regionalverkehr im Nordosten in der Kritik

Nordmagazin -

MV ist Schlusslicht im Vergleich der Bundesländer, was die Erreichbarkeit mit Bus und Bahn angeht. Der Weg zum nächsten Bahnhof ist im Schnitt weiter und umständlicher als anderswo.

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Vorwurf: Brandenburg hat Bahnstrategie, MV nicht

Ein Beispiel ist die Region Prignitz/Ruppin in Brandenburg. Bis vor Kurzem war der Wittstocker Bahnhof noch eine Ruine. Vor vier Jahren kaufte die Stadt schließlich das Gelände von der Deutschen Bahn - inklusive Lokschuppen, Werkstätten und Wasserturm. Alles wird gerade erneuert. Es entstehen: ein Jugendclub, ein Gesundheitszentrum und eine Touristeninformation. Für den parteilosen Bürgermeister Jörg Gehrmann ist das eine Investition in die Zukunft: "Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sich Menschen bewusst in der Nähe von Bahnhöfen ansiedeln. Das hat Symbolkraft. Zu einem lebenswerten Ort gehört auch der Bahnhof mit regelmäßigem Zugverkehr."

Pegel: Nordbrandenburg ist kein Vorbild

Einmal in der Stunde fahren Züge ab Wittstock in Richtung Berlin und Wittenberge. Direkt neben dem Bahnhof befindet sich der Busbahnhof. Die Abfahrzeiten sind aufeinander abgestimmt. Doch für den Infrastrukturminister von Mecklenburg-Vorpommern, Christian Pegel, ist Nordbrandenburg kein Vorbild. Im Nordmagazin verteidigte er den Sparkurs seines Ministeriums. "Die Brandenburger müssen sagen, wo sie Ende der 2020er- und Anfang der 2030er-Jahre die Ausfinanzierung ihres Verkehrs hernehmen wollen." Investitionen in die Südbahn erteilte Pegel eine Absage. Für Zusatzwünsche wäre nur dann Platz, wenn man auch sage, was man stattdessen nicht wolle. Die beitragsfreie Kita zum Beispiel, so der Verkehrsminister.

Rehberg: "Ein Stück aus dem Tollhaus"

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Sven Graupner von der Bürgerinitiative Südbahn hat die Mecklenburger Südbahn noch nicht aufgegeben.

Der Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg (CDU) kritisiert diese Politik als ein Stück aus dem Tollhaus. Er könne mittlerweile niemandem in seinem Wahlkreis erklären, dass das Land 200 Millionen Euro auf der hohen Kante habe und gleichzeitig die Südbahn abbestelle. Sven Graupner von der Bürgerinitiative Südbahn will nicht aufgeben. Seiner Meinung nach ist der Betrieb von Eisenbahnen in Mecklenburg-Vorpommern gerade deshalb bundesweit am teuersten, weil die Infrastruktur so veraltet sei. Nur wer investiere, spare Geld, so Graupner. Gerade die Südbahn sei ein Beispiel dafür.

Strecke verfiel immer weiter

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Stillstand in Mecklenburg, Investitionen in Brandenburg: Fehlt der politische Wille

Als die Strecke noch in Betrieb war, hatte die Deutsche Bahn jedes Jahr 650.000 Euro herausgezogen und an die Konzernzentrale nach Frankfurt am Main überwiesen. Es wurden Gelder vom Land bezahlt, die eigentlich zur Instandhaltung bestimmt waren. Irgendwann war die Strecke so marode, dass Züge teilweise nur noch mit Tempo 30 km/h fahren konnten. Die Folge: Immer weniger Passagiere bei immer höheren Betriebskosten. Das benachbarte Brandenburg zeige, dass es auch anders gehe.

279 Millionen Euro für den Bahnverkehr

Der regionale Schienenverkehr in Mecklenburg-Vorpommern wird von der Landesverkehrsgesellschaft, die zum Verkehrsministerium gehört, organisiert. Der Bund bezahlt dem Land die sogenannten Regionalisierungsmittel. In diesem Jahr etwa 279 Millionen Euro. Allein die Landesverkehrsgesellschaft entscheidet, wie häufig und wo welche Züge fahren. Die Bahnunternehmen bekommen für ihre Leistung Geld vom Land, wenn sie den bestellten Verkehr erbringen. Gleichzeitig müssen Trassennutzungsgebühren bezahlt werden, die in die Infrastruktur fließen sollten. Rehberg zufolge unterliegt die Landesverkehrsgesellschaft keiner parlamentarischen Kontrolle. Diese sei aber dringend notwendig.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 06.02.2019 | 16:10 Uhr

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NDR Fernsehen