Stand: 24.07.2019 15:39 Uhr

Auch Backhaus kritisiert Dorschfangverbot in MV

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) und die Fischer kritisieren das von der EU-Kommission verhängte Dorschfangverbot in der östlichen Ostsee. Betroffen von dem Fangverbot sind vor allem die Schleppnetzfischer, so der Geschäftsführer der Kutter- und Küstenfisch Rügen GmbH, Philipp Bruns. Diese hätten seinen Angaben nach noch etliche Tonnen fischen können. Es sei nur eine kurzfristige Lösung, die das Problem nicht behebe, so Bruns weiter.

Backhaus fordert Alternativen zur Quotenregelung

Der Minister empörte sich am Mittwoch über das Fangverbot. Die EU-Kommission selbst weise auf ihrer Internetseite darauf hin, dass sich die natürliche Sterblichkeit des östlichen Dorschbestands etwa dreimal stärker auswirke als die sogenannte fischereiliche Sterblichkeit. Die Fischerei sei aber momentan die einzige Stellschraube, an der gedreht werden könne. Backhaus warf der  Bundesregierung vor, sich nicht vehement genug für den Erhalt der traditionellen Kutter- und Küstenfischerei einzusetzen. Er forderte Alternativen zur Quotenregelung. Die Forschung zu den Ursachen und dem Umgang mit dem Klimawandel müsse besser werden. Die bisherigen wissenschaftlichen Systeme hätten versagt.

WWF fordert schärferes Fangverbot

Der Umweltschutzorganisation WWF geht die Maßnahme dagegen nicht weit genug. Es hätte ein uneingeschränktes Fangverbot bis Dezember geben müssen, so Fischereiexpertin Stella Nemecky. Die Sofortmaßnahme untersage zwar direkte Dorschfischerei mit Grundschleppnetzen sowie mit Stellnetzen in Wassertiefen ab 20 Metern. Alle Fischerei, die nicht gezielt auf Dorsch gehe, bleibe jedoch erlaubt. Dadurch würde das Verbot zwischen Rostock und Bornholm weder Jungfische noch Laicher schützen, so die WWF Expertin weiter. Kritik kommt auch vom Rostocker Thünen-Instituts für Ostseefischerei. Für den Institutsleiter, Christopher Zimmermann reicht das Fangverbot für Dorsche aus der östlichen Ostsee nicht aus. "Der Dorschbestand erholt sich nicht, selbst wenn man die Fischerei für die nächsten fünf Jahre schließt", sagte er. Da fast immer Dorsch als Beifang in den Netzen der Schwarmfischerei - Heringe und Sprotten - landen würde, müsste man zwischen Rügen und Helsinki ganz auf die Fischerei verzichten.

Bodden- und Küstengewässer sind vom Verbot ausgenommen

Die EU reagiert mit dem Fangverbot auf die Warnungen von Wissenschaftlern, die in einem Gutachten im Mai vor einem Zusammenbruch der Dorschbestände in der Ostsee gewarnt hatten. Das Verbot gilt seit Mittwoch für den gewerbsmäßigen Dorschfang in der Ostsee. Ausgenommen sind lediglich die Bodden- und Küstengewässer, in denen weiter Stellnetzfischerei betrieben werden darf. Die Sofortmaßnahme gilt zunächst bis zum Ende des Jahres. Im Oktober will die Kommission über weitere Maßnahmen diskutieren.

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Fischer holen im Greifswalder-Bodden ihre Stellnetze mit Hering ein. © dpa-Bildfunk Foto: Christian Charisius/dpa

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Vor allem Schleppnetzfischer vor Rügen und Hiddensee betroffen

Das Verbot trifft vor allem die Schleppnetzfischer, die derzeit in den tieferen Seegebieten vor Rügen und Hiddensee unterwegs sind. Einige Fischer hatten ihre Kutter gerade erst auf diese Fischereivariante umgestellt, nachdem immer mehr Robbenfraß an den Stellnetzen zu beobachten war. Nach Angaben der EU ist die ursprünglich erlaubte Fangmenge bislang erst zu einem Fünftel ausgeschöpft worden. Es gibt aber auch Ausnahmen vom Fangverbot. So dürfen zwei Fischereitechniken weiterhin angewandt werden, bei denen der Dorsch in geringem Maße als Beifang anfällt. Außerdem sind bestimmte Fanggründe von dem Verbot ausgenommen.

Dorschbestände in der Ostsee drohen zusammenzubrechen

"Wir müssen rasch handeln, um den Bestand zum Wohl der Fische und im Interesse der Fischer wieder aufzufüllen", sagte der zuständige EU-Kommissar, Karmenu Vella, am Dienstag in Brüssel. Die Dorschbestände in der Ostsee drohten andernfalls zusammenzubrechen. Das Verbot gilt bis zum 31. Dezember 2019 für die Bereiche, wo der Fisch besonders häufig vorkommt. Das sind die Fanggründe zwischen Mecklenburg-Vorpommern, Schweden und Lettland.

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Ein Fischer fährt am 21.03.2014 mit vollen Stellnetzen mit Hering über den Greifswalder-Bodden zurück zum Hafen in Greifswald-Wiek (Mecklenburg-Vorpommern). © dpa Bildfunk Foto: Christian Charisius

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 24.07.2019 | 09:00 Uhr

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