Stand: 26.07.2019 15:53 Uhr

Auch AfD auf "Nordkreuz"-Listen aufgeführt

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV
Bild vergrößern
Laut Leif-Erik Holm stand auch die AfD im Visier der "Nordkreuz"-Gruppe. (Archivfoto)

In der Debatte um die Namensliste der mutmaßlich rechtsextremem Gruppierung "Nordkreuz" sind neue Details bekannt geworden. Auf der Liste stehen nicht nur Personen und Institutionen, die sich im Kampf gegen Rechtsextremismus engagieren. Auch der Landesverband der AfD ist dort aufgeführt.

AfD sieht sich in eigener Einschätzung bestätigt

Der AfD-Landesvorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern Leif-Erik Holm, teilte mit, seine Partei sei darüber jetzt vom Direktor des Landeskriminalamts (LKA), Ingolf Mager, informiert worden. Es handele sich offensichtlich um einen wild zusammenkopierten Datensatz aus öffentlich zugänglichen Adressen. Der Versuch von Parteien und Medien, die Liste gegen die AfD zu instrumentalisieren, sei jedenfalls gescheitert, so Holm. Der Brief an die Landes-AfD trägt das Datum vom vergangenen Mittwoch. Seit vergangenen Montag benachrichtigen die Ermittler Betroffene.

Listen bei Anti-Terror-Razzia 2017 gefunden

Die Daten und Listen sind bei einer Anti-Terror-Razzia 2017 in Mecklenburg-Vorpommern sichergestellt worden - es geht offenbar um Angaben zu 25.000 Personen oder Institutionen. Die Daten seien auch aus dem Internet zusammengetragen worden, heißt es in dem weitgehend standardisierten LKA-Schreiben an die Betroffenen. Gegen die "Nordkreuz"-Gruppe ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen Terror-Verdachts. Die Männer, darunter ein Rostocker Rechtsanwalt und ein suspendierter Polizist aus der Nähe von Schwerin, sollen darüber beraten haben, wie politische Gegner im Fall eines Umsturzes getötet werden können.

Behörden glauben nicht an Gefährlichkeit der Liste

Bild vergrößern
Peter Ritter (Die Linke) wirft den Behörden vor, die Gefahr herunterzuspielen. (Archivbild)

Der Innenexperte der Linken, Peter Ritter, spricht von "Feindes- und Todeslisten", er wirft den Ermittlungsbehörden vor, die Gefahr herunterzuspielen. Außerdem seien die Betroffenen zu spät und zu spärlich informiert worden.

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hatte mehrfach betont, es bestehe keine Gefahr. Das Sammeln von Daten über politische Gegner sei in extremen Kreisen nicht unüblich. Von Feindes- und Todeslisten könne keine Rede sein. Ähnlich äußerte sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). In dem Brief an die Betroffenen - auch an die AfD - heißt es, es gebe keine Anhaltspunkte für konkrete Gefährdungen.

Weitere Informationen

"Nordkreuz"-Listen: Betroffene informiert

22.07.2019 19:00 Uhr

Der Innenminister von MV, Caffier, schließt eine Gefährdung der auf Namenslisten der Gruppe "Nordkreuz" aufgeführten Personen aus. Dennoch will er Betroffene nun informieren. mehr

"Nordkreuz"-Mitglieder bleiben Reservisten

17.07.2019 14:00 Uhr

Vier Mitglieder des rechtsextremen Netzwerkes "Nordkreuz" dürfen im Reservistenverband der Bundeswehr bleiben. Sie waren ausgeschlossen worden, haben aber erfolgreich dagegen geklagt. mehr

Verbände fordern unabhängigen Polizeibeauftragten

15.07.2019 13:00 Uhr

Nach Verfehlungen und rechtsextremen Vorfällen innerhalb der Polizei stellt der Bund Deutscher Kriminalbeamter Forderungen nach statistischer Erfassung und unabhängiger Beschwerdestelle auf. mehr

"Nordkreuz": Morde in ganz Deutschland geplant

06.07.2019 08:00 Uhr

Die rechtsextremistische Gruppe "Nordkreuz" aus MV hat offenbar politisch motivierte Morde in ganz Deutschland geplant. Das Netzwerk soll "Todeslisten" mit Namen und Adressen gesammelt haben. mehr

Todesliste? Prepper wollten Leichensäcke bestellen

28.06.2019 13:00 Uhr

Rechtsextremisten aus MV haben Angriffe auf politische Gegner offenbar bis ins kleinste Detail geplant. Dafür haben die Prepper 200 Leichensäcke und Ätzkalk bestellen wollen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 26.07.2019 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

03:02
Nordmagazin