Stand: 02.08.2019 13:59 Uhr

Uni-Medizin Rostock rutscht in die roten Zahlen

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV
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Die Uni-Medizin Rostock leidet unter steigenden Personalkosten und sinkenden Einnahmen.

Der landeseigenen Universitätsmedizin Rostock (UMR) droht in diesem Jahr erstmals seit langem ein deutliches Minus. Ursache sind offenbar steigende Personalkosten und sinkende Einnahmen, weil Operations-Betten nicht belegt werden können. Der Aufsichtsrat unter Bildungsstaatssekretär Sebastian Schröder (SPD) ist alarmiert, er fordert Gegenmaßnahmen des Vorstandes. Das Bildungsministerium - es ist verantwortlich für die Uni-Medizin - sieht die Lage mit Sorge. Die Situation sei "schwierig", kommentiert ein Ministeriumsprecher die schlechten Halbjahreszahlen.

Das drohende Minus hat viele Ursachen

Allerdings dürften diese Zahlen - es soll um ein Minus von 18 Millionen Euro gehen - nicht einfach hochgerechnet werden. Dennoch wird am Ende mit einem Millionen-Verlust gerechnet. "Über die Höhe des Defizits können zum jetzigen Zeitpunkt naturgemäß keine Angaben gemacht werden", so der Sprecher. Für die roten Zahlen gibt es etliche Ursachen: Die guten Tarifabschlüsse haben die Personalkosten nach oben getrieben, vor allem die Mitarbeiter im Service-Bereich verdienen deutlich mehr. Weil Ärzte jetzt aus Arbeitsschutz-Gründen Zeitkonten anlegen können, müssen sie unterm Strich weniger arbeiten als vorher. Beides soll mit etwa 10 Millionen Euro zum Minus beitragen. Ein anderes Problem: Wegen fehlender Krankenschwestern und Pfleger können etwa 20 OP-Betten nicht belegt werden - weil deshalb weniger operiert wird, sinken die Einnahmen.

Erfolgsgeschichte von Uni-Medizin Rostock vorerst beendet?

Damit scheint die Erfolgsgeschichte, die vor allem mit dem Einstieg des mittlerweile umstrittenen Krankenhaus-Managers und ehemaligen Vorstandschefs Prof. Christian Schmidt in Verbindung gebracht wird, vorerst beendet. Unter seiner Führung glänzte die Uni-Klinik immer wieder mit satten Gewinnen - 2017 waren es laut Geschäftsbericht 16,3 Millionen Euro. Gerade diese gute Zahlen hatten Begehrlichkeiten der Mitarbeiter geweckt, die auf Einkommensverbesserungen lange verzichten mussten. Jetzt - mit seinem erzwungenen Rückzug vom Vorstandsvorsitz - dreht das größte Krankenhaus des Landes mit seinen 3.700 Mitarbeitern ins Minus. Schmidt musste im vergangenen Jahr seinen Chefposten räumen, nachdem gegen ihn Vorwürfe unter anderem wegen Untreue laut geworden waren. Hinter diesen Anschuldigungen steckten leitende Mitarbeiter. Das Ministerium ließ die Vorwürfe prüfen. Die waren offenbar aber nicht so schwerwiegend.

Vorstandschefin Nöldge-Schomburg muss Zahlen erklären

Schmidt konnte als ärztlicher Vorstand Mitglied im Führungsteam bleiben - den Vorstandschefposten übernahm kommissarisch Prof. Gabriele Nöldge-Schomburg. Die 67-Jährige hat jetzt die Aufgabe, die aktuellen Zahlen dem Ministerium zu erklären. Die Landesregierung lehnt Landeshilfen ab, jetzt könnten die Gewinne der vergangenen Jahren zum Ausgleich genutzt werden. Wenn die Probleme mit dem Pflegermangel behoben würden, könnten auch wieder mehr OP-Betten vorgehalten werden. "Die Abläufe im Haus müssen insgesamt weiter optimiert werden", so ein Ministeriumssprecher. Er verweist auf die Uni-Medizin in Greifswald. Die habe nach Jahren mit Millionen-Verlusten "übrigens im Jahr 2018 wieder ein positives Ergebnis erreicht." Das, so der Sprecher, sollte auch in Rostock gelingen.

Aufsichtsrat bekommt neue Führung

Allerdings gilt die Stimmung in der Chefetage unter den fünf Vorstandsmitgliedern als vergiftet - ein Ergebnis der Zerwürfnisse im Verlauf der "Affäre Schmidt". Die UMR wird von Beobachtern als "führungsloser Tanker" beschrieben. Hinzu kommt eine weiteres Hindernis: Der langjährige Aufsichtsrats-Chef Schröder verabschiedet sich zum Ende der Ferien in einen unbezahlten Urlaub bis mindestens Herbst 2021. Schröder kennt die Probleme der UMR, ihm wird allerdings nicht nur von der Opposition zu zögerliches Handeln vorgeworfen. Die Leitung des Kontrollgremiums übernimmt die neue Staatssekretärin Susanne Bouwen (SPD). Die muss sich erst einarbeiten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.08.2019 | 13:00 Uhr

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