Ein Senior hält etwas Kleingeld in der Hand. © picture alliance / dpa Themendienst Foto: Mascha Brichta

Armutsbericht: In MV jeder Fünfte von Armut bedroht

Stand: 20.11.2020 11:10 Uhr

Armut ist laut dem Paritätischen Wohlfahrtsverband in Mecklenburg-Vorpommern weiter ein Problem - auch wenn die Quote leicht gesunken ist.

Die Armut in ganz Deutschland ist mit mehr als 13 Millionen Betroffenen auf einem Rekordhoch. Das geht aus dem aktuelle Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands hervor, der am Freitag in Berlin veröffentlicht wurde.

Armutsquote in MV leicht gesunken

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Armutsquote in Mecklenburg-Vorpommern um 1,5 Prozentpunkte zwar leicht gesunken, bleibt aber mit 19,4 Prozent auf einem sehr hohen Niveau. Damit ist rund jeder Fünfte im Nordosten von Armut bedroht. Nur in Sachsen-Anhalt und Bremen gibt es mehr arme Menschen. Der Verband wertet die aktuellen Zahlen als positives Signal. Jedoch sei es bisher nicht gelungen, die Armutsquote für Mecklenburg-Vorpommern nachhaltig zu senken, sagte der Vorsitzende des Paritätischen, Friedrich Wilhelm Bluschke.

Alleinerziehende und Älter besonders betroffen

Besonders betroffen von Armut im Nordosten sei die Region Vorpommern. Sie kommt im deutschlandweiten Vergleich auf Platz fünf der ärmsten Regionen. Laut Bericht würden besonderns Erwerbslose, Alleinerziehende, kinderreiche Familien und Rentner abgehängt. Die Armutsquote hätte für diese Gruppe gegenüber 2020 noch einmal in ganz Deutschland zugenommen.

Verband warnt vor Auswirkungen von Corona-Krise

Die Corona-Krise wird die Lage vor allem für Kinder und Beschäftigte im Niedriglohnsektor noch verschärfen, warnt der Verband. Er fordert deshalb unter anderem höhere Hartz-IV-Sätze und eine Grundsicherung für Kinder.

Als armutsgefährdet gilt in Deutschland, wer alleine weniger als 1.074 Euro monatlich zur Verfügung hat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.11.2020 | 11:10 Uhr

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