Stand: 06.07.2019 06:29 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Anwohner dürfen zurück nach Alt Jabel

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Mehr als 2.200 Einsatzkräfte kämpften auch am sechsten Tag gegen den Waldbrand bei Lübtheen.

Aufatmen bei Einwohnern und Einsatzkräften rund um Lübtheen: Heute dürfen die Anwohner des wegen des Waldbrandes evakuierten Dorfes Alt Jabel zurück in ihre Häuser. Das gab Landrat Stefan Sternberg (SPD) auf einer Pressekonferenz am Freitagabend bekannt. Seit Sonnabendmorgen lässt die Polizei die etwa 280 Einwohner in den Ort zurück. Weil die Einsatzkräfte noch mit schwerer Technik vor Ort sind, gilt die Freigabe von Alt Jabel aber nur für Anwohner, so Sternberg. Mehr als 2.200 Einsatzkräfte kämpften auch am sechsten Tag gegen den Waldbrand bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern. Ihnen ist es inzwischen gelungen, genügend Sicherheitsabstand zwischen den Bränden und dem Dorf frei zu schieben. Dazu mussten tonnenweise Sand bewegt, Bäume entfernt und Wurzeln ausgerissen werden. Das war nötig, damit der Brand nicht unterirdisch weiterläuft.

Katastrophenalarm könnte am Montag aufgehoben werden

Die Löscharbeiten kamen am Freitag gut voran. Nach Angaben von Landrat Sternberg gebe es inzwischen fast nur noch Glutnester, so dass die Feuerwehrleute jetzt in die "Feinarbeit" gehen können. Es werde aber noch mindestens das ganze Wochenende dauern, bis alle Glutnester aus sind. Sternberg hofft, bis Montagnachmittag den Katastrophenalarm in der Region um Lübtheen aufheben zu können.

Einsatzkräfte konzentrierten sich auf Alt Jabel

Am Freitag gab es auf insgesamt 600 Hektar keinen zusammenhängenden Großbrand mehr, allerdings zählten die Einsatzkräfte noch rund 400 bis 600 einzelne Bodenfeuer und Glutnester. Demnach hatte sich die Anzahl einzelner Feuer im Waldbrandgebiet im Vergleich zu den vergangenen Tagen deutlich verringert, wie Aufnahmen einer Wärmebildkamera zeigten. Der Schwerpunkt der Löscharbeiten lag weiter auf dem Gebiet um Alt Jabel. Auch am Freitag waren um Alt Jabel erneut Lösch-Hubschrauber im Einsatz. Dazu zogen weitere Räumpanzer Brandschneisen ins Waldbrandgebiet.

Waldbrandbekämpfungsfahrzeuge für alle Kreise bestellt

Nach Angaben des Landes-Innenministeriums hat das Land Mecklenburg-Vorpommern inzwischen acht eigene Waldbrandbekämpfungsfahrzeuge für alle Kreise bestellt. Ein erstes soll in 14 Tagen nach Lübtheen geliefert werden und solle unter anderem zu Ausbildungszwecken eingesetzt werden. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat als Konsequenz des Waldbrandes bei Lübtheen eine "Nationale Einsatztruppe für Katastrophen" ins Gespräch gebracht. Sie schlug am Freitag einen Dreistufenplan für besseren Brandschutz und höhere Sicherheit auch rund um frühere Truppenübungsplätze vor. Die konkreten Schritte habe sie mit dem zuständigen Landrat Stefan Sternberg sowie dem Innenminister Lorenz Caffier (CDU) und dem Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) verabredet.

Brandnachsorge und Vorsorge im Fokus

Parallell zu den Löscharbeiten im Waldgebiet plant der Einsatzstab bereits die mittelfristige Brandnachsorge. Ziel ist es, den Katastrophenalarm für die Region in den kommenden Tagen aufheben zu können und das Gelände langfristig zu sichern. Landrat Sternberg sagte, er gehe davon aus, dass nach der Aufhebung des Katastrophenfalls noch bis zu sechs Wochen Rettungskräfte vor Ort sein müssen.

Munitionsbelastete Flächen in MV

Die Landesforst in Mecklenburg-Vorpommern sei in weiten Teilen hochgradig munitionsbelastet, so Thomas Lenz, Staatssekretär des Innenministeriums Mecklenburg-Vorpommern. Nur Brandenburg gelte als noch schwerer belastet. Entscheidend für die Absicherung in Zukunft sei die Bereinigung solcher Flächen. Derzeit werden bereits Pläne gemacht, wie künftig mit dem munitionsverseuchten Gelände umgegangen werden soll. Am Freitag werde beispielsweise ein Gebiet in Groß Laasch übergeben, das in den vergangenen fünf Monaten von etwa einer Tonne Munition im Boden befreit wurde. Dort hatte es im vergangenen Sommer ebenfalls tagelang gebrannt. Im Gebiet bei Lübtheen sei die Munitionsbelastung mit geschätzten 45 Tonnen Munition je Hektar jedoch deutlich höher. Schon jetzt stehe fest, dass nur Teile der Fläche bereinigt werden können. Hochbelastete Areale könnten durch Zäune und Sperrungen gesichert werden, hieß es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.07.2019 | 19:00 Uhr

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