Andacht für Greifswalder Klimaaktivisten im Hungerstreik

Stand: 16.09.2021 11:45 Uhr

Seit mehr als zwei Wochen befinden sich sechs Klimaaktivisten in Berlin im Hungerstreik. Darunter auch zwei junge Männer aus Greifswald. Die ehemalige Schule der Aktivisten hat Donnerstagvormittag eine Andacht im Dom für sie gehalten.

Die sechs Protestierenden, die sich als die "letzte Generation" bezeichnen, fordern ein öffentliches Gespräch über die Klimakrise. Mit den Kanzlerkandidaten von Union, SPD und Grünen wollen sie über die "völlig unzureichende Klimapolitik" diskutieren. Um das zu erreichen, befinden sie sich seit dem 30. August in einem Camp vor dem Reichstagsgebäude in Berlin in einem Hungerstreik.

Kanzlerkandidaten lehnen öffentliches Gespräch ab

Zwar hätten Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock und SPD-Kandidat Olaf Scholz bereits mit ihnen gesprochen, allerdings wäre das nicht das öffentliche Gespräch gewesen, das sie eingefordert hätten. Deshalb hätten sie nun für den Donnerstag kommender Woche, den 23. September 2021, ein Gespräch festgelegt. Erst eine öffentliche Zusage der Kandidaten würde somit auch ihren Hungerstreik beenden. Dieser wurde zudem am Montag verschärft, da die Aktivisten teilweise nun auch auf die einzige Nährwertquelle, Vitaminsäfte, verzichten. Der 27 Jahre alte Jakob ist am Dienstag bereits zusammengebrochen und musste in die Berliner Charité gebracht werden.

Jakob befindet sich seit dem 30. August im Hungerstreik für den Klimaschutz  Foto: Kay Nietfeld/dpa
Aktivist Jakob (27) befindet sich seit dem 30. August im Hungerstreik für den Klimaschutz.
Andacht im Greifswalder Dom

Die Greifswalder Martinschule, die auch die beiden Protestierenden besuchten, führte am Donnerstag um 9 Uhr im Greifswalder Dom St. Nikolai eine "Fürbitt-Andacht für den Erhalt der Schöpfung" durch. Die teilnehmenden Schüler der Klassenstufen sieben bis zwölf wollten in diesem Rahmen der Familie und Freunden beistehen und darüber beraten, wie die Situation verändert werden kann, heißt es auf der Homepage der Schule.

Der Schulleiter der Martinschule Benjamin Skladny sagte, dass viele Schüler seiner Schule schon länger über das Thema reden. Somit sei das seine Motivation gewesen, diese Andacht zu organisieren und mit den Schülern in den Dialog zu treten. Skladny betonte aber auch, dass man dem Zweck der Demonstrierenden zwar zustimmen würde, das extreme Mittel des Hungerstreiks jedoch äußerst kritisch sehen würde.

Fünf Schüler aus Greifswald auf dem Weg nach Berlin

Bereits am Mittwoch hatten sich fünf Schüler erst mit dem Fahrrad dann weiter mit der Bahn auf den Weg zu den Campern gemacht, um gemeinsam mit ihnen die Andacht zu verfolgen.

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Dieses Thema im Programm:

Die Nachrichten | 16.09.2021 | 09:45 Uhr

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