Stand: 13.02.2020 15:58 Uhr

Analog-Umstellung der Telekom: Firmen klagen über Probleme

Geknotetes Kabel liegt auf einer Tastatur. © fotolia Foto: Calado
Die Telekom schaltet die analogen Anschlüsse ab und stellt auf Internettelefonie um. Doch die funktioniert mancherorts nicht. (Symbolbild)

Firmenkunden der Deutschen Telekom in Mecklenburg-Vorpommern klagen über massive Probleme mit den Anschlüssen. Mancherorts können sie weder telefonieren noch das Internet nutzen. Hintergrund ist die Umstellung der Telekom-Anschlüsse von der alten analogen Technik auf die moderne, digitale sogenannte IP-Technologie.

Internettelefonie funktioniert nicht überall auf dem Land

Die Telekom will die alten Analog-Anschlüsse bis zum Jahresende außer Betrieb nehmen. Das Problem ist, dass die Internettelefonie als Nachfolge-Technologie vor allem im ländlichen Raum nicht funktioniert - nämlich dort, wo der dafür erforderliche Breitband-Ausbau nicht vorgenommen worden ist.

Telekom: "Verschwindend geringe Anzahl"

Die Analog-Technik wurde abgeschaltet - und die Kunden offenbar im Regen stehen gelassen. Das Problem betrifft sowohl Firmen als auch Privatleute - und das in allen Landesteilen. Die Telekom spricht von einer "verschwindend geringen Anzahl". Konzernsprecher George-Stephen McKinney erklärte gegenüber NDR 1 Radio MV, dass den Kunden Alternativen angeboten worden seien - wie etwa Internet per Satellit.

IHK Schwerin: Existenzielles Problem für Firmen

Doch die Kunden sehen das anders. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin, Matthias Belke, der selbst Chef einer Autoteile-Firma in Ludwigslust ist, fürchtet, dass die aktuelle Situation Firmen in den Ruin treiben kann: "Wir haben ganze Tage, an denen wir telefonisch nicht erreichbar sind. Ich mache immer wieder Inverzugsetzungen - es interessiert niemanden auf der anderen Seite. Und deswegen finde ich auch solche Aussagen eines Telekom-Sprechers, es handle sich um bedauernswerte Einzelfälle und man habe Lösungen - das ist wirklich eine Groteske." Dass ein Grundversorger wie die Telekom seinen Kunden sagt: Wir können dich technisch nicht mehr versorgen, das ärgere die Firmen hierzulande sehr, so Belke weiter.

17 Beschwerden innerhalb weniger Tage

Dem Infrastrukturministerium in Schwerin sind die Probleme bekannt. Wie viele Nutzer davon betroffen sind und ob es regionale Schwerpunkte gibt, ist dem Ministerium jedoch nicht bekannt. Erst vor kurzem rief es Betroffene dazu auf, sich zu melden. Binnen vier Tagen gab es - Stand Donnerstagnachmittag - 17 Beschwerden von Betroffenen. Betroffene sollten sich auch weiterhin melden, teilte Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) mit. Das Ministerium will diese Beschwerden an die Telekom sowie die Bundesnetzagentur weiterleiten. Deren Vizepräsident, Wilhelm Eschweiler, habe sich dazu bereit erklärt, diese Fälle mit dem Telekom-Vorstand zu besprechen und nach Lösungen zu suchen.

Einige Firmen haben sich bereits selbst geholfen

Einige Firmen im Nordosten konnten sich mittlerweile selbst helfen. Das funktionierte, weil es bei ihnen im Ort noch einen anderen Anbieter gibt. Der Chef des Naturöl-Produzenten Ostseemühle in Trinwillershagen, Bernd Zaepernick, telefoniert nun über eine Satellitenanlage, während er weiter auf den Telekom-Anschluss wartet. Kein Telefon oder Internet zu haben wäre existenzgefährdend, sagt er. Die Ostseemühle mache ein Drittel des Jahresumsatzes online. Übrigens hätten Nachbarn, die Privatkunden sind, den Telekom Anschluss bereits, so Zaepernick weiter.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.02.2020 | 16:10 Uhr

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