VIDEO: Corona und wir in MV: Wie geht es uns jetzt? (3 Min)

Altenpflege Neubrandenburg, Gerd Bekel: "Niemand stirbt bei uns allein"

Stand: 14.06.2021 05:18 Uhr

Wie geht es uns? Was brauchen wir jetzt, um über den zweiten Sommer in der Pandemie zu kommen und gemeinsam Wege aus der Krise zu finden? Corona und wir in MV: Über Monate hat der NDR in Mecklenburg-Vorpommern Menschen aus dem Land begleitet und nachgefragt, wie sie die Zeit zwischen Winter 2020 und Sommer 2021 erlebt haben.

von Claudia Krüger

"Die letzten Monate haben Wunden gerissen, doch langsam erholt sich das Team", erzählt Gerd Bekel vom Pflegetherapeutischen Zentrum pro-persona.care in Neubrandenburg. Schon früh hatte er in seiner Einrichtung begonnen, Besucher und Mitarbeiter regelmäßig auf Corona zu testen, hatte Notfallpläne und Schutzmaßnahmen ausgearbeitet. Doch das alles half nicht. "Ich habe immer gewusst: Es kann uns jederzeit treffen", so der Geschäftsführer. Mit aller Kraft hatte das Team versucht, Infektionen auszuschließen, doch im Januar fand das Virus trotzdem einen Weg.

Kontakte für Demenzkranke über Smartphones gewährleistet

Viele Bewohner und auch Mitarbeiter erkrankten. Der Rest des Teams musste es allein schaffen. Schwerstarbeit. Über Wochen waren Angst und Anspannung ständige Begleiter von Klienten, Angehörigen und Mitarbeitern. Im Pflegetherapeutischen Zentrum in Neubrandenburg werden vor allem an Demenz erkrankte Patienten betreut. Für sie ist es besonders wichtig, trotz Besuchsverbots nicht den Kontakt zu den Angehörigen zu verlieren, sagt Bekel. Mit Hilfe der Mitarbeiter wurden Fotos und Nachrichten verschickt, Videoanrufe ermöglicht.

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"Niemand stirbt in unserer Einrichtung allein"

Auch Petra Richter konnte so wenigstens ein bisschen mit ihrer Mutter in Verbindung bleiben. Auch sie hatte Corona. Zum Glück nur mit leichten Symptomen. Beruhigt habe sie, dass die Mitarbeiter der Einrichtung sie immer auf dem Laufenden gehalten haben. Mittlerweile hat sich ihre Mutter vollständig erholt. Andere Bewohner haben die Infektion trotz aller Bemühungen nicht überlebt. Doch eines hatte sich Geschäftsführer Bekel schon früh in der Pandemie geschworen: "Niemand stirbt in unserer Einrichtung allein." Und so ermöglichte er den Angehörigen Abschied zu nehmen. In Fällen, in denen niemand aus der Familie kommen konnte, standen Mitarbeiter der Pflegeeinrichtung den Bewohnern in den letzten Stunden bei. "Viele Tränen sind geflossen. Doch alle haben zusammengehalten. Viele im Team sind über sich hinausgewachsen", so Bekel weiter.

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Einige Mitarbeiter leiden noch immer an Long-Covid

Mit dem Gesundheitsamt stand der Geschäftsführer im ständigen Kontakt, hat von dort so manchen guten Ratschlag bekommen. Überhaupt habe es an Unterstützung in der kritischen Phase nicht gefehlt. Nur hinterher hätten einige Externe und Angehörige zu schnell vergessen. Als wegen der dritten Welle die Besuchsregeln noch einmal verschärft werden mussten, hätten die Mitarbeiter deshalb viele Schimpfereien ertragen müssen. Einige Mitarbeiter werden nicht wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkommen können. Sie leiden noch immer an den Folgen ihre Covid-Erkrankung. Im Team werde viel über die dramatischen Ereignisse der vergangenen Monate gesprochen. Das helfe, das Erlebte zu verarbeiten, hofft Bekel.

Demenzkranke Mutter dachte, ihr Sohn hätte sie vergessen

Petra Richter ist froh, dass jetzt wieder mehr Besuch erlaubt ist. Für ihre demenzkranke Mutter sei die ganze Corona-Situation nur schwer zu verstehen gewesen. Immer wieder hätte Gisela Wirth zum Beispiel gedacht, ihr Sohn hätte sie vergessen. Das hätte weh getan. Dass der Sohn nur aufgrund der Corona-Einschränkungen nicht kommt, war der Mutter nur schwer zu vermitteln. Alle wollen sie nun nach vorn schauen. Seit ein paar Wochen gehen sie in Neubrandenburg wieder neue Projekte an. Das Pflegetherapeutische Zentrum soll erweitert werden - um eine Station für Kurzzeitpflege. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass der Bedarf riesig sei. Demenzpatienten können auf der Station bald für einen begrenzten Zeitraum stationär betreut werden - etwa nach einem Krankenhausaufenthalt. Auch sollen dadurch pflegende Angehörige entlastet werden, die sich vorübergehend nicht um ihre Verwandten kümmern können.

Gerd Bekel wünscht sich, dass alle aus den letzten Monaten lernen und dass vor allem für Pflege-und Betreuungseinrichtungen Pläne erarbeitet werden, wie in Zukunft besser mit großen Krankheitswellen umgegangen werden kann.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.06.2021 | 07:00 Uhr

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