In einem großen Schweinezuchtbetrieb in Alt Tellin (Kreis Vorpommern-Greifswald) ist ein Feuer ausgebrochen. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

Alt Tellin: Warum mussten über 50.000 Tiere qualvoll sterben?

Stand: 13.07.2021 14:00 Uhr

Bei dem Brand in einer der größten Ferkelaufzuchtanlagen Europas in Alt Tellin sind über 50.000 Schweine qualvoll gestorben. Die Umstände des Unglücks beleuchtet der Podcast "Dorf Stadt Kreis".

Das Unglück geschah am 30. März 2021 in Alt Tellin im Landkreis Vorpommern-Greifswald bei einem Großbrand in einer der größten Ferkelaufzuchtanlagen Europas. Die meisten Schweine sind dabei verbrannt, wurden zerdrückt, erschlagen oder erstickten während des Feuers. Viele Tiere mussten noch Tage später nachgetötet werden, weil ihnen kein Tierarzt mehr helfen konnte. Nur rund 1.300 Sauen sind dem Flammentod entkommen.

Dorf Stadt Kreis: Porträt von Thomas Naedler  Foto: Jörn Lehmann
AUDIO: Folge 40 - Alt Tellin: Das Großfeuer und seine Folgen (34 Min)

Damit beschäftigt sich die aktuelle Folge des Podcasts "Dorf Stadt Kreis". Host Christian Kohlhof und Reporter Sven-Peter Martens aus dem Haff Müritz-Studio Neubrandenburg gehen in dieser Ausgabe aber noch weiteren Fragen nach.

Klärung Brandursache nicht einfach

Fachleute sind immer noch auf der Suche nach dem Auslöser für das verheerende Feuer. Sie können bisher nur ausschließen, dass jemand das Feuer absichtlich gelegt hat. Aber was war dann die Ursache? Ein Kurzschluss, eine Methanverpuffung? Für die Ermittler ist das alles eine besondere Herausforderung. Auch darum geht es in der neuen Folge von Dorf Stadt Kreis.

Dabei hatte die Anlage ein Brandschutzkonzept, dieses allerdings hat einen derart großen Brand gar nicht in Betracht gezogen. Das Konzept war sogar schon Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen. Umweltschutzverbände hatten gegen das Konzept geklagt, ein Urteil gibt es noch nicht. Die Tierschützer sehen ihre schlimmsten Befürchtungen angesichts der Brandkatastrophe nun aber erst recht bestätigt.

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Rolle von Landwirtschaftsminister Backhaus umstritten

Die Rolle von Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) ist umstritten. Das war auch bei seinem Besuch bei Demonstrierenden Ende April vor den Toren der abgebrannten Anlage in Alt Tellin zu spüren. Till Backhaus betont, dass er mit dem Genehmigungsverfahren dieser Anlage nichts zu tun gehabt habe. Genehmigt hat den Bau letztendlich damals das Wirtschaftsministerium unter dem damaligen Wirtschaftsminister Jürgen Seidel. Aber beratend zur Seite stand beim Bau der Ferkelaufzuchtanlage in Alt Tellin die Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern. Und diese Landgesellschaft ist eine Einrichtung des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Aufsichtsratsvorsitzender ist Landwirtschaftsminister Till Backhaus. Auch damit beschäftigt sich der neue Podcast „Dorf Stadt Kreis“ von NDR 1 Radio MV.

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Bei Anwohnern hat Umdenken stattgefunden

Der Bau der Ferkelaufzuchtanlage in Alt Tellin bei Jarmen war von Anfang an umstritten. Dabei spielte die Größe der Anlage, aber auch das Brandschutzkonzept eine sehr große Rolle. In der Gemeinde Alt Tellin gehen die Meinungen nach dem Brand immer noch auseinander. Waren davor die meisten alteingesessenen Alt Telliner für den Bau der Anlage, so hat sich das jetzt verändert. Ein Umdenken hat stattgefunden, so der Eindruck von Reporter Sven-Peter Martens. Das haben ihm viele Menschen, die schon jahrelang in unmittelbarer Nähe zu der abgebrannten Ferkelaufzuchtanlage in Alt Tellin wohnen, für diese Podcast-Ausgabe erzählt. 

 Wird eine neue Anlage gebaut?

Was denken Anwohner, Umwelt und Tierschutzverbände, aber auch Alt Tellins Bürgermeister Frank Karstädt darüber? Gefragt haben die Autoren auch den Betreiber: Die LFD Holding aus Sachsen-Anhalt und natürlich auch Landwirtschaftsminister Till Backhaus.

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Dieses Thema im Programm:

Dorf Stadt Kreis – starke Geschichten aus dem Norden | 01.07.2021 | 15:00 Uhr

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