In einem großen Schweinezuchtbetrieb in Alt Tellin (Kreis Vorpommern-Greifswald) ist ein Feuer ausgebrochen. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

Alt Tellin: Mehr als 55.000 Schweine fielen Großbrand zum Opfer

Stand: 01.04.2021 15:51 Uhr

Bei dem Brand der Schweinezuchtanlage in Alt Tellin am Dienstag fanden laut Betreiberfirma mehr als 55.000 Sauen und Ferkel den Tod. Helfer konnten nur etwa 1.300 Tiere aus den brennenden Ställen heraustreiben.

Bei dem Großbrand in der Schweinezuchtanlage Alt Tellin (Kreis Vorpommern-Greifswald) sind nach Angaben des Sprechers der Landwirtschaftlichen Ferkelzucht Deutschland (LFD) Holding, Ralf Beke-Bramkamp, mehr als 55.000 Ferkel und Muttersauen verendet. Nach bisherigen Erkenntnissen hätten etwa 7.000 Sauen und rund 50.000 Ferkel in Alt Tellin gestanden. Letztlich konnten nur etwa 1.300 Tiere gerettet werden. Das Feuer war am Dienstagmorgen ausgebrochen, hatte sich über Lüftungsschächte und andere Verbindungen schnell ausgebreitet und sämtliche Stallanlagen zerstört. Nach Angaben des Landkreises Vorpommern-Greifswald hatte die Feuerwehr zunächst versucht, die Flammen von innen zu löschen, das aber wegen der Gefährlichkeit aufgegeben. Von außen sei das Übergreifen der Flammen zwischen den Bauten nicht zu stoppen gewesen.

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Die Ruine des Schweinezuchtbetriebs in Alt Tellin nach dem Brand. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

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Brandursache weiter unklar -Ermittlungen "unheimlich schwierig"

Die Ursache für den Großbrand ist weiter unklar. Die Bereiche der Brandruinen, die vom Gutachter schon untersucht wurden, sind inzwischen zur Beräumung freigegeben. "Das war ein sehr komplexes Geschehen und die Ermittlungen sind unheimlich schwierig", sagte Andrej Krosse von der Polizei in Anklam. So soll erneut eine Drohne eingesetzt werden, um das zerstörte und für die Ermittlungen beschlagnahmte Gelände von oben aufzunehmen. Wann mit einem Ergebnis zur Brandursache gerechnet werden kann, sei noch nicht abschätzbar.

Komplizierte Kadaver-Entsorgung

Auch die Schadenshöhe ist noch unklar, sie soll ersten Schätzungen zufolge aber in die Millionen gehen. Zusammen mit den Schweinen waren auch viele Kunststoffteile wie Spaltenböden und Dachdämmung verbrannt. Mit der Entsorgung der Kadaver sei in einigen Bereichen, die die Polizei freigegeben hat, bereits begonnen worden, erklärte Beke-Bramkamp. Die Betreiber beauftragten einen Sicherheitsdienst mit der Bewachung des Geländes. Dieser soll auch Schaulustige fernhalten.

Lkw-Fahrer mit Steinen beworfen? Kritik an militanten Tierschützern

Am Mittwochnachmittag hatten sich rund 100 Menschen vor dem Schweinezuchtbetrieb zu einer Mahnwache versammelt. Auf Transparenten standen Parolen wie: "Wir haben es satt. Stoppt Tierfabriken". Beke-Bramkamp kritisierte das Vorgehen von militanten Tierschützern, die seinen angaben zufolge Lkw-Fahrer mit Steinen beworfen haben und die Tiertransporte zudem mit Autos verfolgt haben sollen. In Gladau (Sachsen-Anhalt) sei zudem in eine Stallanlage eingebrochen worden.

Tierschützer hatten bereits vor zehn Jahren gewarnt

Eine Bürgerinitiative und Tierschützer hatten sich bereits beim Bau der Schweinezuchtanlage in Alt Tellin vor etwa zehn Jahren große Sorgen gemacht, wie im Fall eines Brandes die Zehntausende Ferkel und Muttertiere schnell gerettet werden könnten. Denn die insgesamt 18 Ställe sind offenbar miteinander verbunden, und es soll nur einen Ausgang gegeben haben. Außerdem wurden die Ställe in Leichtbauweise errichtet.

Umdenken beim Bau solcher Anlagen gefordert

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) hatte den Brand in der Schweinezuchtanlage als "Tragödie" bezeichnet. Solche Anlagen seien schwer zu beherrschen. Ein Umdenken bei der Planung solcher Mastanlagen hin zu kleineren Einrichtungen forderten die Linkspartei sowie Umwelt- und Tierschutzverbände.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 01.04.2021 | 14:00 Uhr

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