AfD in MV muss erneut Listenparteitag einberufen

Stand: 17.05.2021 15:25 Uhr

Eigentlich wollte die Landes-AfD bei ihrem Parteitag am Wochenende alles klarmachen und ihre Kandidaten für die Landtagswahl komplett bestimmen. Doch das hat nicht geklappt. Jetzt gibt es eine Neuauflage.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

"MV. Aber normal". Mit diesem Motto will die Landes-AfD in den bevorstehenden Landtagswahlkampf ziehen. "Normal" aber läuft bei der AfD selbst offenbar nur wenig. Sie muss erneut einen Parteitag einberufen. Denn die Wahlversammlung hat es am vergangenen Wochenende in Kemnitz bei Greifswald nach NDR Informationen nicht geschafft, eine vollständige Kandidatenliste zu wählen.

Parteitag in der Nacht abgebrochen

Nur die ersten 10 Plätze haben die AfD-Mitglieder nach quälend langen Debatten gewählt - mit Fraktionschef Nikolaus Kramer als Spitzenkandidat. Danach war Schluss. Ein Wahlgang im Hauruck-Verfahren, bei dem die Plätze von 11 bis 30 angesichts knapper Zeit im Paket bestimmt werden sollten, scheiterte. Keiner der Kandidaten erhielt mehr Ja als Nein-Stimmen. Das aber wäre nötig gewesen. Am besten schnitt in dem sogenannten Akzeptanz-Wahlverfahren noch der Co-Landesvorsitzende Hagen Brauer ab. Für ihn stimmten 71 Mitglieder, gegen ihn 72. Auch mehrere Landtagsabgeordnete schafften es so nicht auf die Liste. Nach Teilnehmerangaben wurde der Parteitag gegen Mitternacht abgebrochen.

Weber unterliegt im Kampf um Spitzenkandidatur

Ralph Weber, der Hauptwidersacher des Spitzenkandidaten Kramer, war für die hinteren Listenplätzen nicht mehr angetreten. Er musste bei der Wahl der Nummer 1 gegen Kramer eine klare Niederlage einstecken und schaffte es auch nicht, sich auf den nachfolgenden Plätzen durchzusetzen. Weber, der auch Parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion ist, soll - so berichten Teilnehmer - den Parteitag vorzeitig am späten Nachmittag im Groll verlassen haben. Der 60-Jährige widersprach der Darstellung vehement. "Ich habe den Parteitag krankheitsbedingt verlassen", sagte er im Gespräch mit dem NDR. Der AfD-Politiker will keine Zweifel an seinem Einsatz aufkommen lassen. "Die AfD bleibt meine Partei", erklärte er. Weber ist Direktkandidat in seinem Wahlkreis Wolgast/Usedom.

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Abstimmungspannen und Auszählungsprobleme

Die Mitgliederversammlung hatte sich wegen Abstimmungspannen und Auszählungsproblemen am vergangenen Wochenende immer wieder verzögert. Anders als andere Parteien bestimmt die AfD über Personen und Kurs nicht auf Delegiertenparteitagen, sondern in Mitgliederversammlungen. Nach Angaben des Landesvorsitzende Leif-Erik Holm soll es jetzt möglichst Mitte Juni eine Fortsetzung des Parteitags geben, um die noch offenen Listenplätze zu wählen. "Wir versuchen, das schnell hinzubekommen", erklärte Holm. Der 50-Jährige wurde am Sonnabend zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl bestimmt.

AfD 2016 zweitstärkste Kraft

Bei der Landtagswahl 2016 zog die AfD mit 18 Abgeordneten in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Sollte es bei den 10 gewählten Kandidaten bleiben, könnte sie bei einem ähnlich Wahlergebnis Plätze möglicherweise nicht besetzen. Vor fünf Jahren holte die Partei 20,8 Prozent der Stimmen und wurde zweitstärkste Kraft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 17.05.2021 | 14:00 Uhr

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