Andreas Crusius, Präsident der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern. © dpa Foto: Britta Pedersen

Ärzte-Präsident: Schwesig muss Uni-Medizin zur Chefsache machen

Stand: 08.09.2021 18:49 Uhr

Personalmangel, Engpässe in der Patientenversorgung und ein ständiger Spardruck - von all diesen Problemen an der Kinderklinik der Unimedizin Rostock will Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) erst durch den Brandbrief der Chefärzte am 2. August erfahren haben. Der Chef der Ärztekammer in Mecklenburg-Vorpommern, Andreas Crusius, nimmt ihr das nicht ab.

von Stefan Ludmannn, NDR 1 Radio MV Aktuell

Im Gespräch mit dem NDR sagte Crusius, die Ministerin müsse davon früher erfahren haben, weil das Ganze schon viel länger gehe. Crusius kritisierte den Umgang der Landesregierung mit der Unimedizin Rostock. Ein verordneter Sparkurs auch an der Kinderklinik passe nicht zu den politischen Zielen, die immer wieder angekündigt würden. Wer Kinderland Nummer 1 werden wolle, müsse mehr tun, so Crusius. Kindermedizin sei Daseinsvorsorge des Staates. Wenn die Behandlung der Kleinen ausgerechnet in der größten Stadt des Landes nicht gewährleistet sei, dann sei das "schlimm". Crusius zählt zu den großen Kritikern einer Medizin, die vor allem auf Rendite und Kostensenkungen abzielt.

Schwesigs Bekenntnis zur Unimedizin bleibt allgemein

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hätte die Angelegenheit längst zur Chefsache machen müsse, forderte der Chef der Ärztekammer. Schwesig gab am Dienstag ein eher allgemeines Bekenntnis zur Unimedizin ab. "Mir liegt sehr am Herzen, dass wir die medizinische Versorgung durch unsere Universitätsklinik auch gerade mit den besonderen Spezialbereichen sichern", sagte die Regierungschefin. In Rostock haben die mehr als 4.000 Mitarbeiter Sätze wie diese schon oft gehört. Crusius wies auf ein aktuelles und ganz praktisches Führungsproblem hin. Der Chef der Kinderklinik, Prof. Jan Däbritz, habe gekündigt, weil dieser die medizinischen Versorgung nicht mehr habe absichern können. "Da ist Holland in Not", sagte Crusius.

Akteneinsicht beantragt

Für den Ärztekammer-Präsidenten ist wichtig, die Kinderklinik auszubauen und dabei vor allem die Geburtshilfe mit der Spezialabteilung für Früherkrankungen (Neonatologie) an die Uni-Medizin zu holen. Wenn das passiere, reiche aber eine einmalige Zahlung nicht aus, nötig sei eine feste, dauerhafte Finanzierung. Warum es zu der Misere an der Unimedizin kam, soll jetzt eine Akteneinsicht für die Abgeordneten des Bildungsausschusses des Landtags klären. Ministerin Martin hat es offenbar jedoch nicht eilig, dem Parlament Einblick in die internen Vorgänge zu gewähren. Es sei noch nicht klar, wann die Papiere zusammengestellt seien, hieß es aus dem Ministerium. Es zeichnet sich ab, dass sich die Akten erst nach dem Wahltermin am 26. September öffnen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 08.09.2021 | 19:00 Uhr

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