Stand: 08.07.2019 21:15 Uhr

Ab August drohen Dorsch-Fangverbote

Ein fangfrischer Dorsch liegt in der Fischereigenossenschaft Wismar auf Eis.  Foto: Jens Büttner/dpa Picture Alliance
Wissenschaftlern zufolge ist der Dorsch in einem biologisch schlechten Zustand.

Fischer in Mecklenburg-Vorpommern müssen sich ab August auf einen Fangstopp für Dorsch aus der östlichen Ostsee einstellen. Die EU-Kommission werde voraussichtlich bis Ende des Jahres die Fischerei auf Dorsch in dieser Meeresregion bis nach Rügen verbieten. Das kündigte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Montag in der Euro-Baltic Fischverarbeitungs GmbH in Sassnitz-Mukran bei einem Termin mit Landes-Agrarminster Till Backhaus (SPD) und vor Vertretern der Fischereiwirtschaft sowie von Fischereiverbänden an. Euro-Baltic ist eine der größten Fischfabriken Europas und verarbeitet etwa 50.000 Tonnen Hering im Jahr.

Backhaus befürchtet "Aus" für Rügenfischer

Weil der Dorsch sich in einem biologisch schlechten Zustand befinde, empfiehlt der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) ohnehin Fangverbote für Hering und Dorsch ab 2020 in der westlichen Ostsee. Dreimal mehr Fische sterben an natürlichen Ursachen, hieß es. Ein Fangverbot in der östlichen Ostsee wäre das Aus für die Küstenfischerei rund um Rügen, wo sich westliche und östliche Dorschbestände der Ostsee mischen. "Das darf nicht passieren", so Backhaus.

Bundesumweltministerium hofft auf Ausnahmen

Man müsse sich auf eine deutliche Kürzung der Fangmengen im kommenden Jahr einstellen, so Klöckner, jedoch hoffe das Bundesumweltministerium bei der EU auf Ausnahmen für die küstennahe Fischerei. Vom Fangstopp betroffen wären auch Freizeitfischer, die bislang noch bis zu sieben Dorsche anlanden dürften. Auch diese Zahl werde voraussichtlich gesenkt, so Klöckner. Bereits am Dienstag soll im Bundesumweltministerium der erste "Runde Tisch Ostseefischerei 2020" einberufen werden.

Euro-Baltic-Werk sieht Existenz bedroht

Euro-Baltic-Chef Uwe Richter sieht sein Unternehmen in der Existenz bedroht. Der bevorstehende Brexit sowie die eingeschränkten Fangmengen beim Hering würden das Fortbestehen des Werks bereits gefährden. Bei einem harten Brexit dürften deutsche Fischer demnach nicht mehr in britischen Gewässern fischen, sollte es bis dahin keine gültigen Verträge mit Großbritannien geben, vermutet Klöckner. Etwa 90 Prozent der in Mukran verarbeiteten Nordsee-Heringe stammen Richters Angaben zufolge aus diesen Gebieten, etwa 45.000 Tonnen Hering jährlich. Aufgrund der Fangquoten für Hering konnten einheimische Fische lediglich 5.000 Tonnen Hering anlanden.

Kutter- und Küstenfischer fordern Ausgleichszahlungen

Michael Schütt, Vorsitzender des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer forderte zur Überbrückung der Fangverbote Stillegungsprämien für Fischkutter. Außerdem würden auch wachsende Bestände der Kegelrobben und Kormorane den Küstenfischern zu schaffen machen, da diese ebenfalls die Fischbestände reduzierten. Klöckner sagte Beihilfen für Herings- und Dorschfischer zu, sollten sie ihren Fischfang vorübergehend einstellen müssen. Backhaus schlug hingegen vor, die Ostsee zu einer Modellregion für nachhaltige Fischerei zu machen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 08.07.2019 | 20:00 Uhr

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