Fahrzeuge auf einer Autobahn © NDR Foto: NDR

Ab 2021 verwaltet der Bund die Autobahnen

Stand: 29.12.2020 14:53 Uhr

Zum Jahreswechsel wechselt die Zuständigkeit für knapp 560 Autobahn-Kilometer von einer Landesbehörde zur neuen Autobahn-GmbH des Bundes. Die Autofahrer merken davon zunächst nichts.

von Christoph Kümmritz, NDR 1 Radio MV

Der Gedanke war einleuchtend: Anstelle von 16 Bundesländern und einer Projektgesellschaft, der DEGES, sollen Wartung, Pflege und Bau von Autobahnen in Deutschland zentral gesteuert werden, um Synergien zu nutzen und Geld zu sparen. Doch bevor es losgeht, hat der Aufbau der neuen Behörde rund 300 Millionen Euro gekostet - gut dreimal mehr, als geplant war. Auch der Übergang wird anscheinend alles andere als reibungslos. Die IT-Systeme der bisherigen Landesverwaltungen passen kaum zusammen. Der Plan von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), innerhalb von zwei Jahren 13.000 Autobahn-Kilometer in Deutschland unter ein Dach zu bekommen, war wohl zu ambitioniert. Auch die DEGES - die Projektgesellschaft der Bundesländer für den Bau und die Sanierung der Schnellstraßen - wird noch über Jahre parallel bestehen bleiben. Würde sie aufgelöst und in die Autobahn-GmbH eingegliedert, müssten laut Bundesrechnungshof alle Bauprojekte - wie zum Beispiel die Baustelle am "Tribseer Loch" auf der A20 - neu ausgeschrieben werden. Der Bau würde sich verzögern und wahrscheinlich teurer.

Neuer Briefkopf auf Gehaltszettel

Im Land waren bisher 326 Mitarbeiter für die Autobahnen A11, A14, A19, A20 und A24 zuständig. Sie wechseln alle zum neuen Arbeitgeber - sowohl diejenigen aus der Abteilung "Autobahn" im Landesamt in Güstrow, als auch die Mitarbeiter der sieben Autobahnmeistereien. Um ihnen den Wechsel schmackhaft zu machen habe es "attraktive Gehaltslisten" gegeben, berichtete die Zeitung "Handelsblatt". Ansonsten ändert sich für die Männer und Frauen wohl nur noch der Briefkopf ihrer Gehaltsabrechnung. Sie werden in denselben Büros und Werkstätten wie bisher arbeiten. Nur in Stralsund wird eine neue Straßenmeisterei gebaut, die sich um die B96n kümmern soll. Bislang stand die Bundesstraße abschnittsweise unter Obhut der – landeseigenen – Autobahnmeisterei. Das funktioniert nicht mehr, wenn der Bund den Hut auf hat.

Prioritäten bleiben dieselben

Im Schweriner Verkehrsministerium glaubt man nicht, dass Bauprojekte in Mecklenburg-Vorpommern in der Zukunft auf der Prioritätenliste des Bundes nach unten rutschen. Aber auf Bundesebene befürchtet etwa die im Bundestag oppositionelle FDP, dass bei Baumaßnahmen gespart werden könnte, wenn die Verwaltungskosten der Autobahn-GmbH weiter ausufern und die zusätzlichen Kosten aus dem Investitions-Etat abgezapft würden. Und wie sich Berliner Sparbemühungen nach der Corona-Krise auf die zur Verfügung stehenden Gelder für Autobahnen auswirken werden, wird die Zeit zeigen.

Baustellen im Land erstmal nicht betroffen

Autofahrer werden von dem Wechsel indes erst einmal nichts mitbekommen. Landesverkehrsminister Christian Pegel (SPD) ist zuversichtlich, dass zum Beispiel die Baustelle am "Tribseer Loch" auch unter dem Verwaltungsdach des Bundes große Priorität behält. In spätestens zwölf Monaten sollen hier zumindest zwei Fahrspuren wieder ordentlich befahrbar sein. Pegel freut sich dennoch, dass die Bauarbeiten an der Petersdorfer Brücke der A19 noch vor dem Übergang zur Bundesgesellschaft abgeschlossen wurden.

Weitere Informationen
Der Verkehr rollt über die westliche Hälfte der Petersdorfer Brücke der Autobahn A19 Berlin-Rostock, der östliche Teil ist weitgehend fertiggestellt. © dpa Foto: Bernd Wüstneck

Petersdorfer Brücke wird nach und nach freigegeben

Nach mehr als fünf Jahren Bauzeit ist die Brücke im Verlauf der A 19 bei Malchow im Wesentlichen fertig. mehr

Ein Blick auf die Baustelle des Schweriner A14-Zubringers.

B321 bei Schwerin: Brücke abgerissen

Die Bundesstraße soll ein halbes Jahr früher fertig werden, als beim Baustart 2017 geplant. mehr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig vor Mikrophonen. © Staatskanzlei bei facebook Foto: screenshot

Corona-Lockdown bis 14. Februar verlängert

Medizinsiche Masken müssen in Geschäften, Bussen und Bahnen getragen werden. In den Schulen und Kitas weiterer Landkreise wird die Notbetreuung eingeführt. mehr

7-Tage-Inzidenzkarte vom 19. Januar

Corona in MV: 365 Neuinfektionen, 18 weitere Todesfälle

Die meisten Neuinfektionen wurden im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte registriert. mehr

Nahaufnahme einer Impfspritze © photocase Foto: willma...

Bis Mitte Februar ein Viertel Impfdosen weniger

Mecklenburg-Vorpommern wird bis Mitte Februar rund ein Viertel weniger Impfdosen des Pharma-Unternehmens BioNTech/Pfizer ausgeliefert bekommen als bislang geplant. mehr

Das russische Verlegeschiff "Fortuna" verlässt am 14. Januar 2021 den Hafen Wismar. © Christoph Woest Foto: Christoph Woest

Nord Stream 2: USA verhängen Sanktionen gegen Verlegeschiff

Die US-Regierung hat Sanktionen gegen ein Schiff verhängt, das am Bau der Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 beteiligt ist. mehr