Stand: 12.11.2018 14:02 Uhr

AWO-Kita auf Mallorca: Ergebnisse noch im November?

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Die Bundeszentrale der Arbeiterwohlfahrt (AWO) beklagt eine offenbar schleppende Untersuchung im Fall des AWO-Kreisverbandes Schwerin-Parchim und seiner umstrittenen Kita auf Mallorca. Knapp sechs Wochen nach Bekanntwerden der Kita-Trägerschaft erklärte der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler, er rechne in den nächsten Tagen mit einem Abschluss der internen Prüfungen.

Bernd Sievers im Interview

AWO wegen Kita auf Mallorca in Erklärungsnot

Nordmagazin -

Der AWO-Kreisverband Schwerin-Parchim hat seine Kita auf Mallorca gegen Kritik verteidigt. Der Verband räumte aber auch Fehler bei der Kommunikation des Projekts ein.

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Stadler setzt damit den AWO-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern unter Druck. Den hatte er beauftragt, den zweifelhaften Kita-Betrieb auf der spanischen Ferieninsel zu durchleuchten. Zu klären sei, warum die AWO dort eine Kita betreibe. Außerdem müssten die wirtschaftlichen Hintergründe der Trägerschaft erläutert werden. Der Betrieb, so Stadler ermahnend, unterliege den Regeln der Gemeinnützigkeit. Deshalb müsse auch die Frage beantwortet werden, welchen Aufwand Geschäftsführung und Vorstand betreiben, um die Trägerschaft zu gewährleisten. Beide sind in der Vergangenheit zu Besuchen nach Mallorca geflogen.

AWO-Bundeschef: "höchstmögliche Transparenz" herstellen

Stadler sagte, der Fragenkatalog sei von der Spitze des Kreisverbandes Schwerin-Parchim bereits beantwortet. Er sei davon überzeugt, dass der Landesverband "höchstmögliche Transparenz" herstellen werde. Der AWO-Bundeschef hatte sich gleich nach den ersten Berichten über die AWO-Kita auf der Mittelmeerinsel äußerst skeptisch bis ablehnend gezeigt und die Sinnhaftigkeit des Engagements in Frage gestellt.

AWO-Landesgeschäftsführer Bernd Tünker bestätigte, dass der Kreisverband inzwischen auch den zweiten Fragenkatalog beantwortet habe, alle knapp 90 Antworten würden vorliegen. "Wir mussten noch einmal nachfassen", sagte Tünker. Gründlichkeit gehe in dem Fall vor Schnelligkeit, meinte Tünker. Eine erste Beratung des Katalogs erfolgte nach NDR Informationen am vergangenen Mittwoch im geschäftsführenden Landesvorstand. Noch immer sind dabei einige Aspekte offen geblieben, intern wird eine Wagenburg-Mentalität und fehlende Selbstkritik im betroffenen Kreisverband kritisiert.

Kreisverband verteidigte Kitabetrieb auf Mallorca

Der Kreisverbands-Vorsitzende Bernd Sievers und Kreisgeschäftsführer Axel Mielke hatten den Betrieb der Kita mehrfach offensiv verteidigt und mit nötiger internationaler Zusammenarbeit begründet. Sie zeigten sich verärgert über die kritische Berichterstattung. Die Kita auf Mallorca biete die Möglichkeit, dringend benötigte Fachkräfte nach Deutschland zu holen. Allerdings muss sich vor allem ihr Kreisverband Kritik der Gewerkschaft ver.di gefallen lassen - sie beklagt, dass die AWO in Schwerin Mitarbeiter schlechter bezahle als andere Regionalverbände.

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Untersuchungsabschluss Ende des Monats

Bei der Untersuchung des fragwürdigen Kita-Engagements gibt es demnächst ein erneutes Gespräch zwischen den Finanzexperten des Landes- und des Kreisverbandes. Landesgeschäftsführer Tünker meinte, Ende des Monats liege ein Untersuchungsabschluss auf dem Tisch. Fragwürdig erscheint weiter das finanzielle Engagement des Kreisverbandes, der für seine Kita auf Mallorca Eigenmittel und Kredite investierte. Als Leiterin fungiert eine ehemalige Mitarbeiterin und Vertraute von Kreisgeschäftsführer Mielke, die sich auf der Ferieninsel offenbar mit AWO-Unterstützung eine neue berufliche Perspektive aufbauen konnte. Die AWO-Kita auf Mallorca hatte bundesweit Kopfschütteln ausgelöst. Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) erklärte, der Betrieb einer Kita auf Mallorca liege nicht im Interesse des Landes.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.11.2018 | 14:00 Uhr

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